(openPR) Aus Anlass des 5. Europäischen Monats der Fotografie präsentiert Das Verborgene Museum das Leben und Wirken der Fotografin, Galeristin und Sammlerin Anita Neugebauer. Zwischen dem 18. Oktober 2012 und dem 27. Januar 2013 werden Werke historischer und zeitgenössischer Fotografinnen und Fotografen zu sehen sein, die mit der Galeristin und untereinander einen thematischen bzw. ästhetischen Dialog aufnehmen: u.a. Robert Doisneau, Gisèle Freund, Ruth Mayerson Gilbert, Katrin Zickendraht, Ute Schendel, Claude Baechtold.
Mit ihrer Galerie "photo art basel" (1976-2004) gehörte Anita Neugebauer in den 1970er-Jahren zur Generation der Avantgardisten, die sich für das Ausstellen und Sammeln von Fotokunst eingesetzt haben. Fotografien waren damals noch nicht als Kunst anerkannt, wurden nur selten ausgestellt und in den Museen noch nicht gesammelt. Neben Anna Auer ("Die Brücke", Wien 1970), Rudolf Kicken und Wilhelm Schürmann ("Lichttropfen", Aachen 1973/74), Agathe Gaillard (Paris 1975) gilt Anita Neugebauer - heute 95jährig in Basel lebend – als Pionierin unter den Foto-Galeristen.
In den 1930er-Jahren hatte sich Anita Neugebauer in Berlin an der privaten Schule "Contempora – Lehrateliers für neue Werkkunst“ zur Fotografin ausbilden lassen, einer am Bauhaus orientierten, 1932 gegründeten Ausbildungsstätte, die politisch Verfolgte, jüdische Mitbürger und Ausländer auch im nationalsozialistischen Deutschland bis weit in die 1930er-Jahre noch aufgenommen hat. Zusammen mit ihren Eltern emigrierte sie 1938 nach Buenos Aires, wo es ihr gelang Aufträge zu Mode- und Innenarchitekturfotografien zu bekommen und auszuführen. 1942 kam es hier zur Begegnung mit der Fotografin und Soziologin Gisèle Freund, die auch als Exilantin in Argentinien Aufnahme gefunden hatte. Es war ein Zusammentreffen, aus dem sich eine lebenslange Freundschaft entwickelt hat.
Mit ihrer Rückkehr 1947 nach Europa hat sie einen Schlussstrich unter das Fotografieren gezogen. Ihren gesamten Bestand an Fotoplatten hatte sie bereits in Buenos Aires zurückgelassen. Im Mittelpunkt stand nun das Familienleben mit ihrem Mann Josef Neugebauer und den zwei Kindern. Die Fotografie faszinierte sie jedoch weiterhin: Sie gründete 1976 in Basel die legendäre Galerie „photo art basel“, die erste Fotogalerie in der Schweiz, die Ausstellungen internationaler Fotografinnen und Fotografen ermöglichte.
"Ich wollte die Menschen kennenlernen, die mit ihren Bildern auf mein Innenleben zeigen“; dieses Interesse wurde zugleich zum Start ihrer Karriere als Galeristin und Sammlerin von Fotografie. Sie eröffnete mit dem französischen Meisterfotografen Robert Doisneau, sie entdeckte die amerikanische Fotografin Ruth Mayerson Gilbert (1909-2007), die sie 1978 erstmals ausstellte, mit dem gerade entstandenen Zyklus „Rue de Seine“, einer außergewöhnlichen Serie vom Transport frisch geschlachteten Fleisches: riesige Rinderhälften und ganze Schweine auf den Schultern und Köpfen der Fleischträger. Diese Ausstellung machte die Fotografin von heute auf morgen bekannt und in der Fotozeitschrift Zoom wurde ein Portfolio publiziert.
Der Schweizer Kurator der Ausstellung, Alex Silber, ist Fotokünstler, Performer, und Mitbegründer der Protoplast Aktionsgesellschaft; er lebt und arbeitet in Basel. 2007 hat er den Band „Blumen für Anita. Anita Neugebauer und die Galerie photo art basel“ herausgegeben, die beim Schwabe Verlag Basel veröffentlicht wurde.









