(openPR) Auszeichnung für den Roman »Imperium«
Der mit 30.000 Euro dotierte Wilhelm Raabe-Literaturpreis, gestiftet von der Stadt Braunschweig und dem Deutschlandfunk, geht in diesem Jahr an Christian Kracht für seinen Roman Imperium.
In der Begründung der Jury heißt es:
»Die deutschen Kolonien zu Kaiser Wilhelms Zeiten waren schon häufiger Gegenstand der erzählenden Literatur. Doch noch nie so farbig schillernd, so böse komisch, phantastisch realistisch, pathologisch weltbeglückend, so schräg verzerrt wie in Christian Krachts Roman Imperium. Ein groteskes Sittenbild des frühen 20. Jahrhunderts, in dem Lebensbewegte, Lebensreformer, bärtige Bohemiens und aufbegehrende Aussteiger ihren privaten Wahnsinn zu Welterlösungsideen ausweiteten, übers Meer fuhren, um Land zu gewinnen, und Wahnsinn fanden, den lachenden Tod. August Engelhardt, Held des Imperiums war so einer, ein historisch verbürgter idealistischer Ritter mit der Kokosnuss, der eben diese behaarte Kugel anbetete, um eine Religion damit zu begründen, einen Kokovoren-Kult. Man kann diesen Kern des Romans in Geschichtsbüchern nachlesen, um in einen erkenntnisfördernden Wettbewerb zwischen irrer Realität und literarischer Irrealität einzutreten.
Imperium kommt heiter parlierend daher, im Ton des späten, leicht überdrehten realistischen Stils des späten 19. Jahrhunderts, das bekanntlich auch die Ära Wilhelm Raabes war. Der Roman gehört zu jenen leichten schönen Dingen, die bekanntlich so schwer zu machen sind. Solche Kunst der heiter-hintergründigen Art weiß auch schwere Geschichtsbrocken zu kommunizieren, wie die indirekte Parallelführung des manischen Fruchtverehrers Engelhardt mit dem bellenden Vegetarier Hitler; das machgestützte imperiale Wüten des 2. Kaiserreichs; die Steigerung der Marotte zur Selbstvernichtung, den Umschlag der Vegetarismus in Kannibalismus, der guten Absichten also in menschliche Grausamkeit. Auf dieser Grenze zwischen Komik und Schrecken balanciert der Roman mit großer Sicherheit und bildet so einen bedeutenden Knoten im Gewebe der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.«
Mit dem Wilhelm Raabe-Literaturpreises zeichnen die Stadt Braunschweig und der Deutschlandfunk alljährlich ein in deutscher Sprache verfasstes erzählerisches Werk aus, das einen besonderen Stellenwert in der literarischen Entwicklung des Autors markiert.
Zu den bisherigen Preisträgern gehören Rainald Goetz, Wolf Haas, Katja Lange-Müller, Andreas Maier, Jochen Missfeldt, Ralf Rothmann und Sibylle Lewitscharoff.
Der Wilhelm Raabe-Literaturpreis wird am 4. November 2011 in Braunschweig verliehen. Im Februar 2013 erscheint der Begleitband zum Wilhelm Raabe-Literaturpreis im Suhrkamp Verlag.
Zur Pressemeldung: http://www.kiwi-verlag.de/news/04102012-christian-kracht-erhaelt-den-wilhelm-raabe-literaturpreis-2012/
Alle lieferbaren Titel von Christian Kracht im Verlag Kiepenheuer & Witsch: http://www.kiwi-verlag.de/die-autoren/autor/?id=328












