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Ein Freitag in Tunesien

21.09.201214:06 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft
Bild: Ein Freitag in Tunesien
Wohl so bald nicht mehr: US-Verteidigungsminister Panetta im Juli in Tunesien (Bildquelle: Wikimedia
Wohl so bald nicht mehr: US-Verteidigungsminister Panetta im Juli in Tunesien (Bildquelle: Wikimedia

(openPR) Tunesien eine Woche nach dem Brand der US-Botschaft in Tunis

Ein Freitag in Tunesien

Man möge doch zu Hause bleiben, an diesem Freitag in Tunesien. Zumindest während und um die Zeit des Freitagsgebets herum, so steht es in den Empfehlungen (nicht nur) der Deutschen Botschaft an ihre in Tunesien wohnenden oder ausspannenden Landsleute. Die Einschätzung der Sicherheitslage ist an diesem Freitag sicherlich Thema Nummer eins unter den in Tunesien lebenden (westlichen) Ausländern. Wahrscheinlich wird es - wie beim letzten Mal, als nach gewaltsamen salafistisch motivierten Protesten gar eine Ausgangssperre verhängt wurde - wieder ruhig bleiben; aber wer will das voraussagen?



Tunesien eine Woche nach dem Brand der US-Botschaft in Tunis

Unter der Woche hatten - nach den US-amerikanischen zuvor - französische und französischsprachige Institutionen in Tunesien ihre Tore vorübergehend geschlossen; vom Konsulat bis hin zur Kinderkrippe. Nur eine Woche nach dem weltweiten Aufruhr in der Folge des unsäglich albernen Provokations-Filmchens "The Innocence of Muslims" hatte es das französische "Titanic"-Pendant "Charlie Hebdo" nämlich für klug erachtet, Karikaturen des Propheten Mohammed zu drucken. Die unwahrscheinliche "Kausalkette" endete dann bei Eltern, die sich überlegten, was denn nun bei geschlossener Krippe mit ihren Kindern anzufangen sei. Aber in Tunesien ist ja noch Sommer.

Ausgebrannte Klassenzimmer

Wesentlich dramatischer die Situation in den US-assoziierten Einrichtungen Tunesiens. Die Verwunderung über die Leichtigkeit, mit der die US-Botschaft in Tunis gestürmt und in Brand gesetzt werden konnte, war dabei schnell verflogen. Zu deutlich sprachen die Indizien: Die einst gefürchtete tunesische Polizei hatte "keinen Einsatzbefehl erhalten" und die Wachtposten des tunesischen Militärs wurde erst nach den Vorfällen verstärkt. Zudem erreichte die Feuerwehr den – verkehrsgünstig gelegenen - Ort des Geschehens erst erstaunliche zwei Stunden nachdem die Brände gelegt wurden. Unterdessen hatte der Mob bereits das Feuer in die nahegelegene amerikanische Schule - eine Institution in Tunesien - weitergetragen. Die Bilder komplett ausgebrannter Klassenzimmer werden im Gedächtnis bleiben, ob der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden kann, ist äußerst fraglich.

Hat sich Tunesien schon entschieden?

Bereits vor einiger Zeit hatten wir an dieser Stelle über die wachsweichen Reaktionen der Autoritäten berichtet, wenn es um salafistisch motivierte Gewalt in Tunesien ging. Damals hatten wir postuliert, dass sich das Urlaubsland Tunesien schnell entscheiden müsse, wie es mit seinen angeblich Koran-treuen Gewalttätern umgehen will. Besah man sich dieser Tage die Fakten, musste man konstatieren, dass zumindest die "moderat-islamische" Mehrheitspartei Ennahda ihre Entscheidung gefällt hatte. Und tatsächlich ließ ein prominenter Ennahda-Sprecher in ungewohnter Offenheit verlauten, man werde sich "nie" dem religiösen Extremismus entgegenstellen, "egal wie radikal".

Nun ist es angesichts des nach wie vor äußerst angenehmen Alltags in Tunesien weiterhin schwer zu glauben, dass aus Tunis langsam Teheran wird. Zu vieles ist politisch auch noch im Fluss in dieser jungen Demokratie. Wo die Mehrheitspartei eines Landes brennende Schulbänke mit solchen Worten kommentiert, steht aber auch nicht alles zum Besten.

Andreas Kellner

http://www.zeit-und-wahrheit.de/ein-freitag-in-tunesien-33927/
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