(openPR) Gleitschirmspringer, Kletterer, Wanderer – im Herbst zieht es viele Freizeitsportler in die Berge. Verletzen sie sich, etwa bei einem Absturz, ist schnelle Hilfe gefragt. Dann alarmiert die Rettungsleitstelle einen Hubschrauber. Die DRF Luftrettung hat für solche Fälle drei Stationen mit einer Rettungswinde ausgestattet: in Nürnberg sowie an den Standorten Reutte und Fresach der österreichischen ARA Flugrettung, die zur DRF Luftrettung gehört.
Im Sommer und Winter, zur touristischen Hochsaison, nehmen für die Stationen Fresach und Reutte auch die Einsätze in den Bergen zu: „Meist haben wir es mit verunglückten Freizeitsportlern zu tun“, sagt Jörg Straub, Pilot der Station Reutte. Im Winter sind das vor allem Skifahrer, Skitouren¬geher und Eiskletterer. Im Sommer handelt es sich bei den Verletzten neben Bergsportlern häufig um Motorradfahrer: „Über die engen Passstraßen im Bergland kann der Rettungswagen Verletzte oft nicht schnell genug erreichen“, erläutert Straub. „Dann retten wir sie mit der Seilwinde.“ Sie ist das wichtigste Utensil der österreichischen Luftretter, denn in den Bergen findet sich nur selten ein ebener Landeplatz.
Windenrettung: schnell und sicher
Bei der Windenrettung schwebt der Hubschrauber über der Unfallstelle. Der sogenannte Winden-Operator, ein Notfallsanitäter mit entsprechender Zusatzausbildung, befindet sich auf der Kufe des Hubschraubers und spricht den Piloten ein. Das heißt, er dirigiert ihn, sodass sich der Hubschrauber beim Rettungsvorgang stets in der richtigen Position befindet. Dann bereitet er Flugretter und Notarz, die ebenso mit Gurten gesichert sind, zum Abseilen vor. Alle drei sind mit Gurten gesichert. Die beiden Besatzungsmitglieder gleiten anschließend am bis zu 90 Meter langen Seil direkt zum Patienten hinunter, um ihn vor Ort zu versorgen. Am Boden legen sie den Patienten in den sogenannten Bergesack. Dann holt der Winden-Operator ihn zusammen mit dem Notarzt an Bord. Der Flugretter folgt in einem zweiten Windenvorgang. Der Patient wird schnell und schonend in die Klinik geflogen.
Der Reuttener Hubschrauber RK-2 ist erst seit Juli 2011 mit einer Rettungswinde ausgestattet. Zuvor arbeitete die Besatzung mit dem sogenannten Fixtau. Dabei musste der Pilot zunächst zum Einsatzort fliegen, um die benötigte Seillänge abzuschätzen. Dann wurde an einem geeigneten Zwischenlandeplatz die Länge des Fixtaus entsprechend eingestellt. Dort hakte sich der Retter am Ende des Seils ein und hing die gesamte Strecke bis zum Einsatzort unter dem Hubschrauber. Für Jörg Straub bedeutet die Windentechnik einen Gewinn: „Mit der Winde können wir die Kollegen schnell wieder hochziehen, zum Beispiel für den Fall, dass es einen plötzlichen Wetterwechsel gibt.“ Ein weiterer Vorteil ist die Zeitersparnis: Bei der Windenrettung kann der Pilot den Patienten ohne Zwischenlandung direkt ins Krankenhaus fliegen – Minuten, die Leben retten. Über 80 Einsätze mit der Rettungswinde gab es in Reutte bislang im Jahr 2012, die meisten davon im Juli und August.
Häufige Unfallursache: Selbstüberschätzung
Doch Wanderunfälle sind nicht nur saisonabhängig. Auch die Tageszeit spielt eine Rolle. Die meisten Einsätze fliegen die Luftretter am Nachmittag: „Das liegt daran, dass die Leute nachmittags bereits müde sind, teilweise sogar erschöpft. So kommt es schneller zu Unfällen“, erläutert Straub. Es nehmen beispielsweise Klettersteigunfälle zu, bei denen unerfahrene Wanderer plötzlich weder vor noch zurück kommen, weil sie ihre Fähigkeiten überschätzt haben. Dies spiegelt auch die Bergunfallstatistik des Deutschen Alpenvereins (DAV) wieder. Kann die Bergwacht nicht schnell genug vor Ort sein, kommt ein Hubschrauber mit Seilwinde zum Einsatz. Oft alarmiert die Rettungsleitstelle die Luftretter auch zusätzlich zur Bergwacht, um Verletzte schneller zu retten.
Andere Wanderer geraten in ein Gewitter oder haben sich in der Zeit verschätzt, sodass es beim Abstieg bereits dunkel wird. Versuchen sie dann, so schnell wie möglich ins Tal zu gelangen, ist es schnell passiert: Sie knicken um oder rutschen aus und verletzen sich dabei, sodass sie nicht mehr weitergehen können. Das zeigt auch folgender Einsatz von RK-2: „Die Sonne ging schon unter, als uns die Rettungsleitstelle zu einem Unfall in den Bergen, in der Nähe des Plansees, alarmierte“, erzählt Pilot Jörg Straub. Eine Mutter hatte sich bei einer Wandertour mit ihren drei Töchtern etwas in der Zeit verschätzt, sodass es beim Abstieg bereits dämmerte. Eine Unaufmerksamkeit der Frau hatte Folgen: Sie stolperte und verletzte sich den Knöchel. Daher schickte sie die älteste Tochter ins Tal, um Hilfe zu rufen. „Wir sind sofort losgeflogen und haben die Mutter und die zwei jüngeren Töchter mit der Winde gerettet“, erzählt Straub.






