(openPR) Therapeutische Hypothermie - die gezielte Absenkung der Körperkerntemperatur - kann den Zellstoffwechsel und verschiedene Zellschädigungsmechanismen minimieren. Sekundärschädigungen lebenwichtiger Organe lassen sich damit vermindern und vermeiden. PD Dr. Patrick Meybohm und Ina Welk (Universitätsklinik Kiel) warnen in ihrem Beitrag zum aktuellen "Jahrbuch Intensivmedizin" vor den möglichen, oft unterschätzten Risiken des Verfahrens.
Je tiefer die Temperatur, desto größer das Risiko von Nebenwirkungen. Lediglich im Temperaturbereich zwischen 32 und 34 Grad (milde therapeutische Hypothermie) sehen Meybohm und Welk nur selten Probleme. Dennoch ist auch bei diesen Temperaturen auf potentielle Risiken zu achten:
- Shivering mit einem erhöhten Analgosedierungsbedarf
- Hyperglykämie durch Störungen der Insulintoleranz
- Erhöhte Blutungsneigung durch Störungen der Gerinnungskaskade
- Gefahr von Myokardischämien (Imbalance zwischen myokardialem Sauerstoffangebot und -verbrauch)
- Geschwächte Immunabwehr durch gestörte leukozytäre Abwehrfunktion mit erhöhtem Infektionsrisiko
- Elektrolytstörungen (Hypokaliämie, Hypomagnesiämie, Hypokalzämie) mit Gefahr von Herz-Rhythmusstörungen
- Beeinflussung der Pharmakokinetik/-dynamik mit verlängerter Wirkungsdauer von Medikamenten, insbesondere Sedativa
- Lokale Kälteschädigungen bei Applikation externer Kühlelemente
- Periphere Minderdurchblutung durch Vasokonstriktion und pH-Verschiebung
- Erhöhte Dekubitusgefahr durch Vasokonstriktion
Werner Kuckelt, Peter H. Tonner (Hrsg.) Jahrbuch Intensivmedizin 2011/2012. Pabst, Lengerich/Berlin/Wien, 424 Seiten Hardcover, ISBN 978-3-89967-722-5











