(openPR) 17.07.2012
Reiten gehört zu den verletzungsreichsten Sportarten in Deutschland. Ärzte der BG Klinik Tü-bingen geben Tipps zur Vorbeugung und zum richtigen Verhalten im Fall des Falles.
„Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“ - sagt ein altes Sprichwort. Doch Reiten ist eine Risikosportart. Jährlich ereignen sich etwa 30.000 bis 40.000 Reitunfälle, die ärztlich behandelt werden müssen. Der Reitsport zählt zu den fünf verletzungsreichsten Sportarten in Deutschland. „Die Schwere der Verletzungen reicht von Prellungen über leichte Knochenbrüche bis hin zu schweren Be-cken- und Wirbelsäulenverletzungen“, erklärt Universitätsprofessor Dr. Ulrich Stöckle, Ärztlicher Direktor der BG Klinik. Auch tödliche Verletzungen sind nicht auszuschließen. Laut Zahlen der ARAG-Sportversicherung liegt Reiten in der Statistik tödlicher Sportunfälle mit durchschnittlich 12 Todesfällen pro Jahr sogar auf Platz vier.
„Wir behandeln in der BG Klinik etwa zwei bis drei verletzte Reiter pro Monat, je nach Jahreszeit auch mal mehr“, berichtet Dr. Fabian Stuby, Leitender Arzt der Sektion Traumatologie in der BG Klinik. „Prellungen, Verstauchungen oder Gehirnerschütterungen sind häufige Folgen von Reitunfällen.“ Je nach Verletzungsschwere werden die Patienten ambulant oder stationär behandelt. Komplizierte Kno-chenbrüche werden in der Regel sofort operiert. „Leider sehen wir immer wieder schwere Wirbelsäu-lenverletzungen nach Reitunfällen“, erzählt Dr. Andreas Badke, Chefarzt der Wirbelsäulenchirurgie. „Reiter mit Wirbelsäulenverletzungen sollten umgehend in ein Zentrum für Wirbelsäulenchirurgie gebracht werden, um auszuschließen, dass eine Verletzung des Rückenmarks vorliegt.“ Verletzungen des Rückenmarks können beim verunfallten Reiter zu einer bleibenden Querschnittlähmung führen.
Safety first
Sicherheit ist im Reitsport ein wichtiges Thema und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. „Das Tragen eines Helmes sollte für jeden Reiter selbstverständlich sein. Im Gelände oder beim Springen kann man zusätzlich noch einen Rückenprotektor tragen, um Wirbelsäulenverletzungen zu vermeiden“, sagt Stuby. Wichtig ist auch das intensive Training mit dem Pferd. Selbst das zuverlässigste Pferd kann stolpern oder sich erschrecken und so seinen Reiter zu Fall bringen. Eine gute Ausbildung und regelmäßiges Training können helfen, die Schreckhaftigkeit eines Tieres in den Griff zu bekommen.
Häufig Bissverletzungen
Im Umgang mit Pferden sollte man stets achtsam und vorsichtig sein. Fast 50 Prozent der Unfälle passieren nicht während des Reitens, sondern davor oder danach bei der Pflege oder beim Führen. Bissverletzungen durch das Pferd sind keine Seltenheit. „Im schlimmsten Fall können Bisse sogar zur teilweisen oder vollständigen Amputation eines Fingers führen“, warnt Universitätsprofessor Dr. Hans-Eberhard Schaller, Direktor der Klinik für Hand- Plastische, Rekonstruktive und Verbrennungschirurgie an der BG Klinik. „In diesem Fall ist es wichtig, sofort zu versuchen, die Blutung am Amputationsstumpf zu stoppen und die Wundfläche abzudecken. Der abgetrennte Finger sollte in ein trockenes, wenn möglich steriles Tuch eingeschlagen und in einem Plastikbeutel verpackt werden. Dieser muss dicht verschlossen in Eiswasser bei etwa plus vier Grad Celsius gelagert werden. Ob eine Replantation des abgetrennten Fingers möglich ist, kann nur der Plastische Chirurg in einem Zentrum für Re-plantationschirurgie entscheiden.“
Was tun im Notfall?
Sollte sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen dennoch ein Reitunfall ereignen, sollte man nach dem Sturz erst einmal ruhig liegen bleiben. „Wenn der gestürzte Reiter unter Schock steht, geht er beim Aufstehen das Risiko ein, einen Kreislaufzusammenbruch zu erleiden und begibt sich somit in Lebensgefahr“, warnt Dr. Stuby. Außerdem werden Verletzungen häufig unterschätzt oder zunächst gar nicht bemerkt.
Bei der Behandlung von schweren Reitunfällen zählt unter Umständen jede Sekunde, um mögliche bleibende Schäden zu verhindern. „Es ist deshalb unbedingt anzuraten, bei jedem Ausritt ein Handy mitzunehmen, sodass im Notfall der Rettungsdienst auch im freien Gelände alarmiert werden kann“, betont Prof. Stöckle.















