(openPR) FRANKFURT/M. - Die Kohlepreise sind nach Angaben des Branchendienstes Commerzbank Commodity Research zuletzt stark unter Druck geraten. Die Konjunkturschwäche in Europa und der durch die massive Verbilligung von amerikanischem Gas bedingte Verlust an preislicher Wettbewerbsfähigkeit von Kohle in den USA belasten. Wir gehen aber davon aus, dass nicht zuletzt aufgrund des Arbitragevorteils der Importsog Chinas mittelfristig wieder Fahrt aufnimmt und die Preise unterstützt. Die langfristige Bedeutung von Kohle hängt vor allem von den politischen Weichenstellungen ab. Sicher ist aber, dass Asiens Bedeutung für den Kohlemarkt weiter steigen wird. Brennstoffspiegel.de bringt die aktuelle Analyse der Commerzbank-Rohstoff-Experten in Auszügen.
Die Kohlepreise – wir beziehen uns im Folgenden auf den an der ICE gehandelten nächstfälligen Kohlefuture von API#2 (Lieferort: Rotterdam) – geben seit Herbst letzten Jahres nach. Der Abwärtsdruck hat sich Anfang Mai, noch vor der massiven Korrektur an den Ölmärkten, verstärkt: Aktuell notieren die Preise mit knapp 90 USD je Tonne fast 20% niedriger als Anfang September. Kohle ist damit so günstig wie seit zwei Jahren nicht mehr. Ist der Preisrückgang des nach Öl zweitwichtigsten Energierohstoffs der Welt, auf den rund 28% des Primärenergiebedarfs entfallen, gerechtfertigt? Im letzten Jahrzehnt hat die Bedeutung von Kohle massiv zugenommen.
Von 2000 bis 2010 ist die Kohlenachfrage (inklusive Kokskohle) laut Internationaler Energieagentur (IEA) um 55% gestiegen. Knapp die Hälfte des zusätzlichen Energieverbrauchs in den letzten zehn Jahren wurde durch Kohle abgedeckt (Grafik 1). Vor allem die Elektrifizierung in den Schwellenländern spielt eine wichtige Rolle. Nachfragetreiber sind entsprechend die asiatischen Länder. 80% der zusätzlichen Nachfrage in der letzten Dekade wurde in China generiert. Geht dem Nachfrageanstieg dort derzeit die Puste aus? Oder belasten den Preisdie Schwächetendenzen in den Industrieländern? Auf diese entfällt zwar nur noch rund 30% der globalen Nachfrage, aber ihre Bedeutung im internationalen Kohlehandel, der wiederum nur 16% der globalen Nachfrage ausmacht, ist höher. Deshalb dürfte auch ihr Einfluss auf die Preisfindung gewichtiger sein.
Werfen wir deshalb zunächst einen Blick auf die Industrieländer: Tatsächlich scheint es derzeit einen Angebotsüberschuss im atlantischen Markt zu geben. Ausschlaggebend ist die Nachfrageschwäche in den USA, dem nach China mit rund 15% der weltweiten Kohlenachfrage zweitgrößten Absatzmarkt.
Nach dem massiven Preiseinbruch für amerikanisches Erdgas hat die gasbasierte Stromerzeugung den Kostennachteil gegenüber der kohlebasierten fast aufgeholt (Kasten und Grafik 2). Hinzu kam eine ungewöhnliche milde Witterung in den USA, die den Kohleverbrauch zusätzlich dämpfte. Bei leicht steigender Kohleproduktion in den USA, die mittlerweile fast das Niveau von vor der Rezession wieder erreicht hat, entstand damit reichlich Exportpotential. Tatsächlich lagen die Kohleausfuhren im vergangenen Jahr gut 30% höher als im Vorjahr.
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