(openPR) Regionaler Mittelstand kehrt zu alter Stärke zurück
Auch im Jahr 2011 hat die Wirtschaft in der Bundesrepublik kräftig zugelegt. Mit einem Wirtschaftswachstum von rund drei Prozent gab die Bundesrepublik in 2011 erneut die Konjunkturlokomotive in Europa. Das derzeit schwierige konjunkturelle Umfeld in Europa scheint dem Mittelstand in der Region Stuttgart, das sind die Landkreise Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg, der Rems-Murr-Kreis und die Stadt Stuttgart, nichts anhaben zu können. Die Insolvenzzahlen sind in 2011 spürbar zurückgegangen (minus 13,0 Prozent). Die Ausfallgefährdung von Unternehmen ist ebenfalls deutlich gesunken und wird derzeit als gering eingeschätzt (Creditreform Risikoindikator: 1,67 Prozent; Vorjahr: 1,82 Prozent). Eine von Creditreform Stuttgart durchgeführte Befragung zur mittelständischen Wirtschaftslage in der Region zeigt: Die Stimmungslage könnte besser nicht sein. Mit 75,5 Prozent beurteilen drei Viertel der befragten Firmen die aktuelle Geschäftslage mit den Noten „gut“ oder „sehr gut“ und damit deutlich besser als der Bundesdurchschnitt (58,6 Prozent). Creditreform Stuttgart rechnet auch in naher Zukunft mit einer weiteren Fortsetzung des positiven Trends: Das prognostizierte Ausfallrisiko für das laufende Jahr liegt bei 1,63 Prozent.
Creditreform Risikoindikator
Orientierungsgröße des Analyseverfahrens zur Bestimmung der Ausfallwahrscheinlichkeit von Unternehmen innerhalb einer Region ist der Creditreform Risikoindikator (CRI in Prozent). Dieser wird mithilfe von stichtagsbezogenen Selektionen aus der Creditreform Wirtschaftsdatenbank mit über 4,2 Millionen Unternehmensdatensätzen ausgewiesen. Auf Basis der über den Creditreform Risiko-Indikator ermittelten Ausfallquoten erfolgt eine Einteilung nach sechs Risikoklassen, ähnlich dem Schulnotenprinzip. Je höher der Creditreform-Risiko-Indikator, desto höher ist die Insolvenzgefahr. Das Risikobarometer Mittelstand berücksichtigt dabei:
- Unternehmensinsolvenzen
- Verbraucherinsolvenzverfahren von unternehmerisch tätigen Personen
- sonstige Insolvenzverfahren
- Haftanordnung zur Abgabe der Eidesstattlichen Versicherung
- Abgabe der Eidesstattlichen Versicherung
Die häufigsten Gründe für Unternehmenspleiten sind massive Umsatzrückgänge, eine schlechte Eigenkapitalausstattung, rückläufige Erträge und Liquiditätsengpässe. Eine nicht unbeachtliche Rolle spielt dabei auch die zu große Fokussierung auf einzelne Branchen, Lieferanten oder Kunden. Durch einen Rückgang der Auftragszahlen oder den Wegfall neuer Aufträge verursachte Umsatzlücken lassen sich in vielen Fällen aufgrund einer zu knappen Eigenkapitaldecke nur schwer oder gar nicht mehr ausgleichen.
Länderranking: Baden-Württemberg nach Bayern auf Platz Zwei der geringsten Ausfallgefährdung
Der Blick auf die Deutschlandkarte zeigt: Die Ausfallwahrscheinlichkeit von Betrieben in Süddeutschland ist deutlich geringer als in Zentral- und Ostdeutschland. Unternehmen in Baden-Württemberg (CRI 1,85 Prozent) sind nach bayerischen Unternehmen am wenigsten insolvenzgefährdet. Verglichen mit den anderen Bundesländern ist Baden-Württemberg von einer überwiegend positiven Risikostruktur geprägt. Rund 70 Prozent der baden-württembergischen Landkreise und kreisfreien Städte weisen eine geringe bis sehr geringe Insolvenzgefährdung auf.
Unternehmen in der Region deutlich weniger von Ausfall bedroht als Landes- und Bundesdurchschnitt
Für Unternehmen in der Region ist das Risiko eines Ausfalls im Vergleich zum landes- und bundesweiten Risiko deutlich geringer. 2.248 von knapp 140.000 Unternehmen in der Region erlitten im Jahr 2011 den wirtschaftlichen Zusammenbruch durch Insolvenz, Haftanordnung oder die Abgabe der eidesstattlichen Versicherung. Dabei gelten Unternehmen im Landkreis Göppingen als am ehesten gefährdet. Mit einem CRI von 2,30 Prozent besteht für diese ein mittleres Ausfallrisiko. Im Jahr 2009 wurde dieses Risiko mit einem CRI von 2,56 Prozent sogar noch als erhöht eingestuft. Der Kreis Göppingen bewegt sich damit über dem Bundesdurchschnitt von 2,15 Prozent, dem Landesdurchschnitt (CRI 1,85 Prozent) sowie dem Schnitt für die Region Stuttgart (CRI 1,67 Prozent). Der Kreis Ludwigsburg weist mit einem CRI von 1,77 Prozent das zweithöchste Ausfallrisiko auf. Das Ausfallrisiko ist hier allerdings immer noch als gering anzusehen.
Während sich das Ausfallrisiko seit 2009 in der Stadt Stuttgart (2009: CRI 1,56 Prozent; 2011: CRI 1,51 Prozent) und dem Rems-Murr-Kreis (2009: CRI 1,71 Prozent; 2011: CRI 1,65 Prozent) auf relativ konstantem Niveau in der Risikoklasse 2 bewegt, liegen in den anderen Kreisen deutliche Rückgänge vor. So sind Unternehmen in den Kreisen Böblingen (CRI 1,36 Prozent; 2010: 1,63 Prozent) und Esslingen (CRI 1,41 Prozent; 2010: 1,69 Prozent) derzeit deutlich weniger von einem Ausfall bedroht, als es noch in 2009 und 2010 der Fall war. Das Ausfallrisiko wird hier aktuell als sehr gering eingestuft.
In der Region besonders bedroht: Baugewerbe, Gastgewerbe und Verkehr & Logistik
Die in der Region Stuttgart anteilsmäßig am stärksten vertretene Branche der Unternehmensnahen Dienstleistungen ist mit einer sehr geringen Ausfallgefährdung (CRI 1,41 Prozent) sehr positiv aufgestellt. Die Ausfallgefährdung im traditionell schwach kapitalisierten Baugewerbe (CRI 2,40 Prozent) wird mit einem mittleren Risiko bewertet, während das bundesweite Risiko in diesem Bereich als erhöht eingestuft wird (CRI 2,81 Prozent). Auch das Gastgewerbe gilt traditionell als stark gefährdet, so dass dieses deutschlandweit (CRI 4,54 Prozent) sowie in der Region Stuttgart (CRI 3,63 Prozent) mit einem sehr hohen Ausfallrisiko behaftet ist. Eine vergleichbare Situation findet sich im Bereich Verkehr & Logistik wieder (CRI Region Stuttgart: 3,60 Prozent; CRI bundesweit: 4,03 Prozent).
Die Kreise Ludwigsburg und Göppingen heben sich in den verschiedenen Branchenzweigen deutlich negativ von der Region und der Gesamtwirtschaft ab. Besonders auffällig zeigen sich mit einer hohen Ausfallgefährdung das Ludwigsburger Gastgewerbe (CRI 4,55 Prozent) und mit einer sehr hohen Gefährdung der Göppinger Bereich Verkehr & Logistik (CRI 6,30 Prozent).
Regionenunabhängig gilt: Je höher der Umsatz, desto niedriger das Ausfallrisiko. Das Risiko von Betrieben mit mehr als einer halben Millionen Euro Umsatz wird sowohl in der Region als auch bundesweit als sehr gering eingeschätzt. Besondere regionale Risikoausprägungen hinsichtlich des Umsatzes lassen sich lediglich in den Kreisen Göppingen und Ludwigsburg registrieren. Im Kreis Göppingen liegt beispielsweise bei Unternehmen mit einem Umsatz kleiner fünf Millionen Euro ein im Vergleich zur Region und zur Gesamtwirtschaft deutlich höheres Ausfallrisiko vor.
Stimmungslage der mittelständischen Betriebe in der Region überragend - knapp 80 Prozent konnten in 2011 Umsatzwachstum verzeichnen
Zur weitergehenden Betrachtung der mittelständischen Wirtschafts- und Finanzierungslage hat Creditreform Stuttgart eine Befragung von 1.400 Unternehmen in der Region Stuttgart durchgeführt. Diese zeigt: Nicht nur die aktuelle Stimmungslage der Betriebe ist überragend, auch die Erwartungen für die Geschäftslage bis zum Ende dieses Jahres sind äußerst optimistisch. So erwarten 68,5 Prozent der Betriebe eine „sehr gute“ oder „gute“ Geschäftslage. Außerordentlich erfreulich ist die Entwicklung auch hinsichtlich der zurückliegend erzielten Umsätze. Knapp 80,0 Prozent aller befragten Betriebe konnten in 2011 ein Umsatzwachstum verzeichnen. Im Schlepptau optimistischer Umsatzerwartungen bleibt auch die Zahl der investitionsbereiten Mittelständler auf hohem Niveau. Rund jedes zweite befragte mittelständische Unternehmen in der Region (44,8 Prozent) beabsichtigt, in den nächsten Monaten Investitionen zu tätigen. Die Investitionsbereitschaft liegt dabei im Schnitt bei rund 1,2 Millionen Euro pro Betrieb. Darüber hinaus haben die mittelständischen Unternehmen im Winterhalbjahr 2011/12 einen positiven Beschäftigungsbeitrag geleistet. So haben 46,9 Prozent der befragten Firmen ihren Personalstock ausgebaut. Jeder dritte Mittelständler (32,2 Prozent) plant außerdem weitere Einstellungen. Die Suche nach qualifiziertem Personal in der Region Stuttgart beurteilen die Betriebe allerdings überwiegend als „schwierig“ (58,7 Prozent). Ein zentrales Problemfeld besteht im akuten Fachkräftemangel. So stelle sich die Suche nach Fachkräften als besonders schwierig dar (76,9 Prozent).
Positive Ertragssituation stärkt Eigenkapitalbasis - dennoch: Betriebe in der Region nicht bedeutend besser kapitalisiert als im restlichen Bundesgebiet
Die Ertragslage der Unternehmen in den untersuchten Landkreisen ordnet sich in das insgesamt optimistische Stimmungsbild der Wirtschaftslage in der Region ein. So verzeichneten vergangenes Jahr 66,4 Prozent der befragten Unternehmen Zuwächse bei den Gewinnen. Die Ertragsentwicklung in den kommenden Monaten wird etwas pessimistischer eingeschätzt. Diesbezüglich teilen die Betriebe in der Region eine ähnliche Einschätzung wie der Bundesdurchschnitt.
Durch die positive Ertragssituation konnten die befragten Unternehmen ihre Eigenkapitalbasis zurückliegend weiter stärken. So geben rund 60,8 Prozent an, dass sie ihre Eigenkapitalsituation verbessern konnten. Trotz der insgesamt optimistischeren Einschätzung der Wirtschaftslage in der Region scheinen die Betriebe nicht bedeutend besser kapitalisiert zu sein als im restlichen Bundesgebiet. Der Anteil der mittelständischen Betriebe, die als schwach kapitalisiert gelten – also weniger als zehn Prozent Eigenkapital bezogen auf die Bilanzsumme halten und anfälliger für Finanzierungsprobleme sind – liegt bei 31,5 Prozent (bundesweit: 29,9 Prozent). Dagegen weisen 30,8 Prozent (bundesweit: 28,2 Prozent) eine gute Eigenkapitalquote von mehr als 30 Prozent der Bilanzsumme auf.
Die Finanzierungsbedingungen in der Region scheinen den unsicheren konjunkturellen Entwicklungen zum Trotz vergleichsweise gut zu sein. 17,5 Prozent haben eine Verbesserung beim Zugang zu Finanzierungsmitteln für ihr Unternehmen registriert. Dagegen haben lediglich 3,5 Prozent eine Verschlechterung vernommen. Die aktuellen Finanzierungsbedingungen von Investitionen empfinden 52,5 Prozent der beteiligten Mittelständler als „sehr gut“ oder „gut“. Im Rahmen der Finanzierung zukünftiger Projekte wird der Bankkredit (62,9 Prozent) weiterhin als wichtigste externe Geldquelle des Mittelstandes fungieren. Gleichzeitig sehen 46,8 Prozent den Bankkredit als „eher unwichtiges“ bis „unwichtiges“ Finanzierungsinstrument an. Neben dem Bankkredit planen 86,7 Prozent der Betriebe Einnahmen aus laufender Geschäftstätigkeit einzusetzen. Hinsichtlich der Finanzierungsbedingungen wünschen sich die befragten Betriebe insbesondere niedrige Kosten (96,5 Prozent) sowie eine langfristige Kalkulierbarkeit (97,2 Prozent) der Finanzierung. Auch einem unbürokratischen Aufwand kommt in der Bewertung eine tragende Rolle (93,0 Prozent) zu. Dagegen als „eher unwichtig“ oder sogar „unwichtig“ empfindet eine deutliche Mehrheit (62,9 Prozent) die Risikobeteiligung des Geldgebers.








