Es sei neu, dass Unternehmen solche Chefpositionen immer häufiger mit externen Profis besetzten, schreibt Gillies. Schon jeder vierte Interimsmanager komme von einer Spezialagentur. 2003 habe dieser Wert noch bei 16 Prozent gelegen, so das Ergebnis einer Studie der Vermittlungsgesellschaft Ludwig Heuse http://www.interim-management.de. In Deutschland gibt es rund 1.500 klassische Interimsmanager, schätzt die Dachgesellschaft Deutscher Interim Manager (DDIM) http://www.ddim.de. Udo Nadolski, Geschäftsführer des Beratungshauses Harvey Nash http://www.harveynash.de, beschreibt die Funktion dieser Spezies mit den Worten: „Interimsmanager werden oft engagiert, um Know-how-Engpässe zu überbrücken.“ Meist gehe es darum, für einen erkrankten Topmanager einzuspringen, das Tagesgeschäft zu führen, bis ein neuer Vorstandschef gefunden sei oder eine Niederlassung im Ausland aufzubauen, so Nadolski zur FTD. Derzeit suchten viele Firmen Experten, welche die Finanzen für die neuen internationalen Rechnungslegungsstandards fit machen.
Interimsmanagement ist keine Hobby-Veranstaltung oder Altersteilzeit. „Bellheims sind gefragt, mit dickem Fell“, so Gillies. Denn neben der nötigen Fachkompetenz brauchen die über 50-jährigen Profis körperliches und mentales Stehvermögen. Doch dafür klingelt die Kasse. Die Tagessätze lägen zwischen 600 und 2.500 Euro für hohe Managementpositionen. Die Vermittler finanzierten sich über eine Gebühr, die zwischen 20 und 30 Prozent des Tagessatzes liege. „Das Geschäft ist leicht rückläufig“, sagt Nadolski zur FTD. Das Vermittlungsgeschäft bleibe klein – aber fein. Zur Hochzeit des Neuen Marktes vermittelte Harvey Nash mehr als 200 Interimsmanager pro Jahr; heute seien es 20. Dem Interim-Modell fehle in Deutschland häufig noch die Akzeptanz, lautet die Schlussfolgerung des Artikels. Es entspreche nicht der deutschen Mentalität, bei auftretenden Problemen Hilfe von außen zu akzeptieren.