(openPR) Eine Theorie zur Ursache der Legasthenie, zu der zahlreiche Studien veröffentlicht werden, beschäftigt sich mit den Problemen bei der Verarbeitung kurz aufeinanderfolgender auditiver Stimuli (auditory temporal processing defiency). Die mangelhafte auditive Verarbeitung kann sich beispielsweise in einer geringeren phonologischen Bewusstheit zeigen. Kurz ausgesprochene Konsonanten können dann nicht richtig identifiziert werden, was in der Rechtschreibung zu Buchstabenauslassungen führt.
Die sogenannte "Temporal Processing Hypothese" geht unter anderem auf Paula Tallal zurück, die Professorin für Neurowissenschaften ist. Sie ist auch Mitautorin des Therapieprogramms “Fast for Word”, das sich dem Training dieser Basisfertigkeiten widmet.
Die Autoren Murphy und Schochat von der medizinischen Fakultät der Universität in Sao Paulo interessierten sich für verschiedene Aspekte der auditiven Verarbeitungsprobleme und führten mit ihren Probanden insgesamt sieben Tests durch. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift Brazilian Journal of Medical and Biological Research. Die Experimentalgruppe bestand aus 33 Kindern mit Legasthenie und einem Durchschnittsalter von 10,5 Jahren . Die Kontrollgruppe bestand aus 27 Kindern im selben Alter. Die durchgeführte LRS-Diagnostik entsprach den üblichen Kriterien.
Bei den durchgeführten Tests handelte es sich um Adaptionen der Untertests des Repetition Tests von Tallal, in dem die relevanten Aspekte der zeitlichen Verarbeitung gemessen werden.
Bei allen Tests wurden jeweils zwei kurze Töne präsentiert, die nach verschiedenen Aspekten bewertet werden sollten. So mussten die Kinder im Untertest Frequenzdiskriminierung unterscheiden, ob zwei kurz hintereinander präsentierte Töne über dieselbe Frequenz verfügen. In einem weiteren Test hatten die Kinder die Aufgabe, die Länge eines Tones zu bewerten. Auch Tonpaare mussten dahingehend beurteilt werden, ob sich die beiden Töne hinsichtlich ihrer Dauer unterscheiden.
Insgesamt zeigte sich über alle Testergebnisse hinweg, dass die Kinder mit Legasthenie die Aufgaben schlechter bewältigen konnten als die Kinder der Kontrollgruppe. In allen Tests war der Durchschnittswert der LRS-Kinder geringer. Dies zeigt, dass Kinder mit Legasthenie Defizite in der auditiven Verarbeitung kurz aufeinanderfolgender Stimuli haben.
Der Diplompsychologe Rainer Mohr, Herausgeber des Journals für Legasthenietherapie und Autor des Münchner Rechtschreibtrainings, weist jedoch darauf hin, dass therapeutische Interventionen im Bereich der auditiven Verarbeitung in der Regel keine positiven Effekte auf das Lesen und Schreiben zeigen. Vielmehr hätten sich Therapieansätze, die direkt am Lese- und Schreibprozess ansetzen, seit vielen Jahren in der Legasthenietherapie bewährt und konnten in zahlreichen Studien ihre Effektivität beweisen, führt Mohr weiter aus.
Quelle der genannten Studie:
Murphy, C.F.B. & Schochat, E. (2009). How auditory temporal processing deficits relate to dyslexia, Brazilian Journal of Medical and Biological Research, 42, 647-654.
Link:
http://www.legasthenietherapie-info.de








