(openPR) "Bild" ist für die Berichterstattung zur Wulff-Affäre für den Henri-Nannen-Preis nominiert und steht im Finale des Wettbewerbs. Und das in der Kategorie „Investigation“. In zwei Tagen wird der renommierte Journalistenpreis im Hamburger Schauspielhaus vergeben. Die „Bild“-Autoren Nikolaus Harbusch und Martin Heidemanns sind mit ihrem Stück "Wirbel um Privat-Kredit - Hat Wulff das Parlament getäuscht?" bis unter die letzten drei Bewerber vorgedrungen. Wer sich den Beitrag etwas näher bringt, wird schnell entzaubert. Ist das Journalismus nach allen Regeln der Kunst, der den wichtigsten Journalistenpreis verdient, den es in der Bundesrepublik zu vergeben gibt?
Armutszeugnis für die Recherche im deutschen Journalismus
Bereits die Tatsache, dass die „Rechercheleistung“ von „Bild“ durch die Jury des Nannen-Preises mit dem Vorrücken ins Finale honoriert wird, ist ein Armutszeugnis für den Recherchejournalismus in Deutschland. Sollte „Bild“ den Nannen-Preis tatsächlich gewinnen, wird das den Preis stark beschädigen – oder seine Bedeutung wandeln: Im letzten Jahr ging der „Henri“ für die beste Reportage, der Egon Erwin Kisch-Preis, den der "Stern"-Gründer Henri Nannen 1977 selbst ins Leben gerufen hatte, an den Spiegel-Redakteur René Pfister. Pfister erhielt ihn für seine Reportage „Am Stellpult“, die teilweise gar keine war und den Kern einer Reportage – dass der schreibende Journalist beschriebene Szenen auch tatsächlich erlebt hat - missachtete. Will die Jury des „Henri“ die „Bild“-Autoren in diesem Jahr für eine investigative Recherche adeln, die teilweise keine ist?
Investigativer Journalismus deckt auf – „Bild“ deckte Wulff
Dabei ist durch die Fallstudie der Otto Brenner Stiftung „Bild und Wulff – Ziemlich beste Partner“ bereits akribisch und umfassend „aufgedeckt“ worden, dass „Bild“ Wulff medial stark unterstützte. Mit einer Art von Berichterstattung, die den Begriff Jubeljournalismus wirklich verdient. Und das war vor Wulffs Zeit als Bundespräsident – in der Phase als er jene „zwielichtigen“ Vorteile nutzte, die ihm später das Amt des Bundespräsidenten kosteten. „Bild“ schwenkte erst zu einer Berichterstattung „contra Wulff“ um, als ihr aufgrund der Berichterstattung anderer etablierter Medien keine Wahl mehr blieb – ansonsten hätte „Bild“ erheblichen Schaden nehmen können. Stattdessen instrumentalisierte Chefredakteur Kai Diekmann den hohen Wert der Pressefreiheit. Mit einer glasklaren Scheindebatte – denn faktisch war die Pressefreiheit der „Bild“ zu keinem Zeitpunkt eingeschränkt und der Bundespräsident hat auch kaum Möglichkeiten das zu tun – erhöhte „Bild“ noch einmal die Auflage und Aufmerksamkeit.













