(openPR) München, 26. April 2012 Ein doppeldeutiges Thema hatten sich die Veranstalter des Münchener Restrukturierungsforums am Donnerstag, 19. April 2012, ausgesucht: Werte in der Sanierung – Wie Zahlen und Ethik in Einklang gebracht werden.
Wer könnte in dieses Thema besser einführen als ein sozial engagierter Vollblut-Unternehmer, der mit seiner Unternehmensgruppe in den Krisenjahren 2009 bis 2011 eine einschneidende Sanierung erfolgreich überstand? Norbert Geyer, Inhaber und Geschäftsführer der Geyer-Gruppe aus Berlin, wandte sich an die rund 70 anwesenden Insolvenzverwalter, Bankenvertreter, Rechtsanwälte, Turn-Around-Investoren und Wirtschaftsprüfer mit den Worten, diese sollten ihn als „Patientenvertreter ihrer Branche“ wahrnehmen.
Eindringlich und immer wieder mit Berliner Schnauze berichtete Geyer dann von der Krise seines Familienkonzerns: „Am schlimmsten war für mich, dass die Gläubiger, die noch kurz zuvor volles Vertrauen in die vorgelegten Zahlen hatten, plötzlich und über Nacht an eben diesen Zahlen zweifelten.“ Dass die Sanierung dennoch gelang, führte er darauf zurück, dass mit Hilfe eines Sanierungsberaters und durch große Transparenz gegenüber den Stakeholdern das in Frage stehende Vertrauen zurückgewonnen werden konnte: „Entscheidend war, dass wir aufrichtig und ehrlich mit unseren Gläubigern und diese letztlich auch mit uns waren. Außerdem hat unsere offene Kommunikation dazu beigetragen, das Vertrauen unserer Mitarbeiter zu erhalten.“
Auch in der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Burkhard Jung von hww cms Unternehmensberatung, betonten alle Teilnehmer, wie wichtig Vertrauen für den Sanierungsprozess ist. Matthias Beck, Leiter Restrukturierung bei Ernst&Young, hob allerdings neben dem Vertrauen und der notwendigen Transparenz für die Stakeholder auch hervor, dass Ethik-Kataloge eine Sanierung nicht ermöglichten und es vor allem auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ankommt: „Cash ist die absolute Wahrheit.“ Ähnlich äußerte sich Ansgar Obermüller, Leiter Risikomanagement Süd-Ost der Commerzbank AG. Eine Ethik-Checkliste für die Sanierungsbranche sei nicht sinnvoll. Aber man müsse stets mit Menschenverstand versuchen, das gemeinsame Ziel der Sanierung zu verfolgen. Dazu gehöre auch, dass Gläubiger in einer Sanierungssituation nicht „vorschnell den Stecker“ zögen, um ihr Partikularinteresse zu verfolgen.
Ein generelles Imageproblem unterstellte Björn Finke, Wirtschaftsredakteur der Süddeutschen Zeitung, der Insolvenzverwalterbranche, auch wenn der einzelne Insolvenzverwalter zur Sanierung des Unternehmens beitrage. Er riet daher den Insolvenzverwaltern wie auch den übrigen an der Sanierung Beteiligten, nach erfolgreichen und ethisch vorbildlichen Restrukturierungen die Öffentlichkeit zu suchen und über den Erfolg zu berichten. Die positiven Werte müssten kommuniziert werden.
Die Veranstalter des Münchener Restrukturierungsforums, die Kanzlei GSK Stockmann + Kollegen, die Insolvenzverwalter und Unternehmensberater von hww wienberg wilhelm und die Sanierungsberater von K + H Business Partner waren sehr zufrieden mit dem erneut großen Zuspruch der Veranstaltung: „Das Münchener Restrukturierungsforum hat sich als Kommunikationsplattform für alle am Sanierungsprozess beteiligten Experten in München etabliert“, sagte Andreas Bauer von GSK. Burkhard Jung blickt derweil schon voraus: „Am 08. November werden wir erneut diskutieren. Thema werden dann die ersten Erfahrungen mit der Reform der Insolvenzordnung sein.“










