(openPR) LEIPZIG. (Ceto) Fundamental neutral – so oder ähnlich läuft meist die Zeile, mit der Börsenexperten diejenigen Einflüsse auf die Rohölnotierungen einschätzen, die nicht bedingt sind von Wahrscheinlichkeitsrechnung und dem Treiben von Spekulanten. Nun ist es ja nicht so, dass es gar keine richtungsweisenden Indikatoren gebe. Nur gleichen die sich eben zur Zeit weitestgehend aus. Da hätten wir zuerst China gegen die USA. Weniger starke Konjunktur in Fernost hemmt, weniger starke Zunahme der Reserven hinterm Großen Teich treibt. Oder Sudan gegen Saudi-Arabien. Aktuellen Berichten zufolge kriselt es in Sudan/Südsudan (noch) mehr als zuvor. Aber die Wüstensöhne können ja im Öl baden, mit Exportoptionen locker potenzielle Defizite aus potenziellen Kriegsregionen kompensieren. Die Araber lassen wissen: Eng wird’s jedenfalls nicht. Und am allerbesten: Iran gegen Iran. Jawoll – es fließt zwar weniger Öl in den Westen, aber die bevorstehenden Gespräche mit demselben lassen hoffen. Derweil verscherbelt Teheran sein schwarzes Gold gen Osten, wie die Financial Times berichtet: 180 Tage Zinsfreiheit für Indien und Co. lautet das Angebot, der Spiegel hat einen Discount von stolzen 9 Dollar pro Barrel für die Nutznießer errechnet.
Zurück in den Westen, wo ein Fass Nordseeöl (Brent) mit 120,50 Dollar ähnlich viel kostet wie am Morgen, und das Barrel amerikanischen Leichtöls (WTI) trotz leicht negativer US-Arbeitsmarktdaten mit derzeit 103,50 Dollar einen halben Dollar zugelegt hat. Vielleicht sind es Nachwirkungen der amtlichen Lagerbestandszahlen, die sich deutlich von der nicht-amtlichen Vortagsprognose unterscheiden. Eine Erklärung fällt schwer, auch dem Analysten Klaus Bergmann: „Selbst der gemeine Spekulant gerät ins Straucheln ob der wilden Differenz der Daten. Aber das Lotteriespiel an der Börse blüht. Die Preise tanzen Cha-cha-cha. Eigentlich befinden sie sich in einem kurzfristigen Abwärtstrend. Gestern drehten sie aufwärts.“
Aufwärts drehte der Heizölpreis hierzulande nicht. Bei all den genannten ausgleichenden Faktoren keine große Überraschung. Erwartete geringe Aufschläge konnte womöglich der etwas festere Euro vollends kompensieren. Gestern unter 92 Euro gesunken, kosten 100 Liter heute in einer 3.000-Liter-Lieferung nämlich im bundesdeutschen Durchschnitt exakt das gleiche wie am Vortag: 91,71 Euro inklusive Mehrwertsteuer.
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