(openPR) Echte Meisterschaft in der Kunst liegt in der Wandlungsfähigkeit und unermüdlichen Neuschöpfung von Ideen. Ein in diesem Sinne wahrer Künstler, der sich entsprechend nie scheut, musikalisches Neuland zu betreten, ist Ulrich Drechsler. So auch auf seiner aktuellen CD Beyond Words (enja), deren Musik sich, hierin dem Titel gerecht werdend, eigentlich gegen eine Beschreibung sträubt. Verwob Drechsler auf der ebenfalls bei enja erschienenen Vorgänger-CD Concinnity (2010) den Sound seiner Bassklarinette mit dem zweier Celli und einem Schlagzeug zu einem ganz eigentümlichen Quartettklang, so zeigt er sich auf Beyond Words bereits wieder mit ganz neuem Ansatz. Und dass, obwohl der Strom begeisterter Kritiken und Hörerstimmen zu Concinnity sich noch gar nicht so richtig gelegt hatte. Jeder andere hätte in dieser Richtung nachgelegt. Aber wie es eben mit den umtriebigen musikalischen kreativen Köpfen so ist: nichts lässt sie zur Ruhe kommen. Einem solchen Künstler folgen zu wollen, hat auch einen Preis: Nichts bleibt, wie es ist, und der Hörer muss bereit sein, sich aufgrund der Abenteuerlust seines Helden von Album zu Album auf stets neue Klänge einzulassen.
Mit seinem letzten Album Concinnity hatte Drechsler in dieser Hinsicht wahrlich den Vogel abgeschossen. Sein Quartett mit zwei Celli traf, vielleicht gerade aufgrund der Novität der Sache, ganz den Publikumsgeschmack. "Der Ausgeglichenheit, Eleganz suggerierende Titel ist durchaus Programm", schrieb Andreas Felber im österreichischen Standard. "Es überwiegen kammermusikalisch-luzide Stimmungen, wobei die Celli zuweilen rhythmische Funktion übernehmen, die Musik an Fahrt gewinnen lassen, während Uli Drechsler seine Bassklarinette expressiv singen und seufzen lässt. Ein Projekt mit Entwicklungspotenzial, das schon jetzt verführerische Qualitäten zeigt." Ähnlich äußerte sich Stefan Pieper in Jazzthetik: "Von Wärme durchdrungen ist Drechslers Bassklarinettenspiel mit seinem vollen, opulenten Ton gepaart mit ganz viel musikantischer Leichtigkeit. Und die hat längst jedes rigide Jazz-Idiom hinter sich gelassen."
Eine Konstante in der Kunst des Ulrich Drechsler, eine Idee, die ihn schon lange verfolgt, gibt es dennoch: "Mein größtes Ziel beim Musikmachen", sinniert der Bassklarinettist, "ist es, DEN einen Ton zu spielen. Den, der alles, was ich ausdrücke möchte, in sich vereint. So dass es jeder spüren kann: Liebe, Freude, Weisheit!" Mit jeder Stunde des Übens, mit jedem Konzert und jeder Aufnahme versuche er, diesem einen Ton etwas näher zu kommen. Vielleicht aber, mag der geneigte Hörer wünschen, sollte er ihn doch nicht allzu bald erreichen. Man möchte von diesem Künstler noch ganz viele Stücke geschrieben, Noten gespielt, Ideen umgesetzt sehen. In den kreativen Strudel Ulrich Drechslers lässt man sich nur zu gerne hinabziehen, um ihm dann erfrischt und mit neuem Glauben an die Musik wieder zu entsteigen.
Auch das neue Album Beyond Words bietet in diesem Sinne ein reichhaltiges, musikalisches Buffet. Jenseits der Worte, was den Ausdruck der Musik angeht, bedient Drechsler sich dennoch für zwei Stücke der Stimme - und zwar jener der israelischen Sängerin Efrat Alony. Wie diese sich im Duett mit der Bassklarinette zu stimmlichen und gesanglichen Höhenflügen aufmacht, ist allemal unbeschreiblich; muss einfach gehört und erlebt werden: hier scheint eine Entwicklung dieser Sängerin auf, die schier irreal ist. Mit jedem Jahr und jedem Tag gewann Alonys Gesang an Ausdruckskraft und Intensität; was sie aber hier bietet, katapultiert sie in eine neue Liga. Ihre Gastpräsenz bei Beyond Words ist insofern auch ein Glücksfall, als dass sie und Drechsler bislang noch nie gemeinsam im Studio gearbeitet hatten. Wie erfreulich, dass sich diese Zusammenarbeit nun auch auf die geplante Tour erstrecken wird. Wie zur Bekräftigung der Titelwahl seines Albums, zeigt sich der sonst nicht um Worte ringende Ulrich Drechsler beinahe verlegen, wenn er gebeten wird, Alonys Gesang zu beschreiben. "Ihre Stimme", sagt er schließlich, "ist einfach nur wunderschön. Sie berührt mich tief!" Gefühle seien eben "jenseits der Worte", und Beyond Words ein Album, das aus dem Bauch heraus entstanden und auch nur so zu verstehen sei. "Nein", meint Drechsler, es sei diesmal nicht darum gegangen, irgendjemand etwas zu beweisen: "Es sollte einfach schöne Musik werden, die mein Herz, meinen Geist und meine Liebe zur Musik widerspiegelt!"
Das kann als gelungen betrachtet werden. Handelt es sich bei Beyond Words doch um schöne, harmonische Songs, die frisch und originell, warmherzig und komplex zugleich sind. Diese Musik wirkt wie Balsam - ihre Tiefenwirkung offenbart sich beim Hören Stück für Stück und nimmt schließlich voll für sich ein. Wer sich dem Album auf intellektueller Ebene nähern möchte - bitte! Erforderlich ist dies nicht; der Zugang, den Drechsler bietet, und das gelingt erstklassig, funktioniert über das Unterbewusstsein: der Hörer fühlt, dass ihm hier Gutes widerfährt. Der Weg, den Drechsler beschreitet, um dies möglich zu machen, ist der einer bedingungslosen musikalischen Ehrlichkeit. Dieser Ansatz spiegelt sich wider in Songtiteln wie A Glimpse of Honesty oder As a Token of Friendship. Und diese Ehrlichkeit durchdringt die Musik, die plötzlich einfach nur "ist" - ungeschminkt, unverblümt in ihrer Direktheit und gleichzeitig schwebenden Schönheit.
+++Besetzung+++
Ulrich Drechsler bass clarinet
Benny Omerzell piano
Lukas König drums & percussion
guest: Efrat Alony vocals
++Tourdaten+++
Ulrich Drechsler Trio feat. Efrat Alony
8.3. Perg-Kulturglashaus
9.3. Wien-Porgy & Bess
10.3.Klagenfurt-Kammerlichtspiele
11.3.Regensburg-Jazzclub
24.3.Dornbirn-Spielboden
13.4. Erfurt-Jazzclub
Ulrich Drechsler Trio
25.3. Schwaz-Eremitage
29.3.Wolkersdorf-Babü
28.9. Bamberg-Jazzclub
29.9. Karlsruhe-Tempel
9.11. Aurich-Landschaftsforum
10.11. Soßmar-Hummer's Kultursalon
+++Pressestimmen Ulrich Drechsler: Beyond Words+++
"Die Bassklarinette ist in jeder Hinsicht ein imposantes Instrument. Das gilt für ihre schiere Größe und erst recht für ihren majestätisch maskulinen Sound, Eigenschaften, die ihrer Wendigkeit im Wege stehen. Aber das ist für Ulrich Drechsler weniger ein Problem und schon gar nicht sein wichtigstes Anliegen. Ihm sei es "einfach um schöne Musik" zu tun und deshalb habe er eine Trio-Besetzung mit Bassklarinette, Piano und Drums für sein neues Album "Beyond Words" gewählt, eine Besetzung also, die ganz bewusst auf einen Bass als Rhythmus- und Klangfundament verzichtet. Das hat Folgen für den Sound, der luftig und leicht wirkt und den einzelnen Instrumenten Raum und Zeit zur
Klangentfaltung lässt. Drechsler ist nicht um technische Kabinettstückchen und die Demonstration von Kunstfertigkeit zu tun; Melodien und Klangbesonderheiten der verwendeten Instrumente sind ihm wichtig. Das gilt auch dann, wenn zu den jungen österreichischen Musikern an Drums und Piano noch die Berliner Sängerin Efrat Alony stößt, ausgerechnet beim Titelstück "Beyond Words", und der Klang ihrer Alt-Stimme mit dem Sound der Bassklarinette verschmilzt. Das Ergebnis ist ein ausgesprochen schöner, schwebender Sound, näher an Kammermusik klassischer Prägung als an Jazz mit prägnantem Swing."
(Heribert Ickerott, Jazz Podium 4/2012)
"Unaufgeregt, aber mit umso mehr Gefühl entwirft Ulrich Drechsler einen Gesamtsound, welcher sich über wunderschönste Melodiebögen und Arrangements zart anschmiegt und den/die HörerIn im positivsten Sinne vollkommen vereinnahmt. (...) Bewusst zurückhaltend arrangierend und jegliche ausufernde und pathetische Gesten umgehend, wandelt der in Wien lebende Musiker auf einem Pfad, der sich vor allem über ein hohes Maß an Eigenständigkeit definiert. Immer wieder den Versuch unternehmend, mit den bereits bekannten Formaten und Spielweisen zu brechen und eine unverkennbare Klangsprache zu entwerfen, führt der Bassklarinettist die Musik ihrer eigentlichen und ursprünglichen Bedeutung zu. Sie soll berühren, emotional etwas auslösen. Wiewohl an seinem Instrument ein Virtuose, kommt Ulrich Drechsler nie auf die Idee, eine One-Man-Show abzuliefern. Vielmehr weiß er um die Möglichkeiten einer Bassklarinette/Klavier/Schlagzeug Besetzung und lässt seinen Partner selbst viel Raum sich einzubringen. So sorgt Lukas Königs mit seinem ungemein variantenreichen Schlagzeugspiel dafür, dass sich die Musik in einem steten Fluss befindet, während auf der anderen Seite Benny Omerzells feinfühlige und stimmungsvolle Klavierbehandlung den Stücken einen sehr warmen Grundtenor verleiht. Für das I-Tüpfelchen sorgt Efrat Alony, die bei zwei Nummern mit einer beeindruckenden gesanglichen Leistung brilliert. Zusammenfassend kann man sagen, dass Ulrich Drechsler mit "Beyond Words" einmal mehr wirklich faszinierendes Beispiel seines außergewöhnlichen Könnens abliefert. Eines, an dem Freunde niveauvoller Jazzmusik mit Sicherheit ihre Freude haben werden."
(Music Austria Online 24.2.2012)













