(openPR) (Seeheim-Jugenheim, 15.02.2012) Die Unternehmen sollten sich nicht zu sehr IT-Regelwerken wie beispielsweise ITIL, Cobit oder anderen unterwerfen, empfiehlt das Beratungshaus Ardour Consulting. Die Praxis zeige, dass eine zu enge und wortgetreue Ausrichtung auf solche Standards den individuellen Anforderungen zu wenig gerecht werde und damit die gewünschten Nutzeneffekte in Frage stelle. Zudem würden die Regelwerke zunehmend komplexer und durch ihren steigenden Umsetzungsaufwand untauglicher für die Praxis in den Unternehmen.
„Zweifellos stellen Regelwerke sehr wichtige Instrumente für die prozessbezogene Strukturierung und das Management der IT-Organisation dar“, lässt Ardour-Geschäftsführer Michael Maicher keinen Zweifel an dem grundsätzlichen Wert vieler Methodenwerke. Kritik übt er vielmehr daran, dass die Regelwerke häufig zu sehr als Rezeptbücher missverstanden werden, deren gesamte Inhalte einen verpflichtenden Charakter hätten. „Viele machen sich zu sehr zur Geisel dieser Standards, statt sie intelligent zu nutzen.“
Darunter versteht der Consultant vor allem eine Konzentration auf die Kernideen der Frameworks mit einer Umsetzung, die sich konsequent an den individuellen Erfordernissen des Unternehmens orientiert. Außerdem dürften sie inhaltlich auch nicht zwangsläufig als Inbegriff der Wahrheit verstanden werden. „Sie sind mit Respekt zu betrachten und bieten wirkungsvolle Hilfestellungen, aber deshalb geben sie noch längst nicht auf jede Problemstellung eine generell passende Antwort. Aber genau dies wird häufig erwartet.“
Als Beispiel für solche häufig anzutreffenden Fehleinschätzungen nennt der Ardour-Geschäftsführer die Einführung ITIL-konformer Prozesse im IT Service Management. Dies sei vielfach mit der Erwartung verbunden worden, dass eine Orientierung an dem internationalen Standard ganz selbstverständlich zur durchgreifenden Verbesserung der Leistungsqualität führen werde. „Einen solchen Automatismus gibt es nie und auch nicht bei ITIL, weil sich der Nutzen erst einstellt, wenn die implementierten Prozesse auch entsprechend gelebt werden. Doch die damit verbundenen Anforderungen lassen sich nicht über die Standards eines Regelwerks lösen, sondern deren Realisierung muss sich an den individuellen Bedingungen orientieren und bedarf deshalb eigener Konzepte.“
Ein weiteres Problem sieht Maicher aber auch darin, dass die Regelwerke kontinuierlich umfangreicher werden und analog dazu der Projektaufwand zunimmt. Seiner Ansicht nach entsteht dadurch die Gefahr, dass die Frameworks zu sehr in den Fokus geraten und zum Selbstzweck werden, statt ihrer eigentlichen Bedeutung als methodische Hilfestellungen gerecht zu werden. „Die Konsequenz ist, dass die Notwendigkeit an regelwerksspezifischer Fortbildung und Projektressourcen deutlich steigen, ohne dass dem ein nennenswerter Nutzengewinn gegenüber steht“, kritisiert er. Außerdem werde die Projektdauer unnötig verlängert.
Noch größere negative Effekte sieht Maicher beim Mapping verschiedener Frameworks. Dies erachtet er als neuen, aber vielfach überflüssigen Trend im Markt. „Je komplizierter, desto beeindruckender heißt hier das Motiv, aber ein höherer Nutzen wird damit im Regelfall nicht erreicht“, wendet sich der Consultant gegen die verschachtelten und querreferenzierenden methodischen Konstrukte.
