(openPR) Die Betreiber hinter den Netzwerken Blue Corner, e-laad und ladenetz.de arbeiten an einem gemeinsamen europäischen Clearinghouse für Elektromobilität. „e-clearing.net“ fungiert als zentrale Schnittstelle und bietet Autorisierung, Verrechnung und Mehrwertdienste.
Elektromobilität ist in den Städten angekommen. Die ersten serienmäßigen E Fahrzeuge erobern die Straßen. Lokal und regional wird Elektromobilität erlebbar. „Das Fahren mit Strom darf aber an unseren Stadt- und Ländergrenzen keinen Halt machen. Damit Elektromobilität eine Zukunft hat, brauchen wir europäische Lösungen“, sagt Andreas Pfeiffer, Geschäftsführer der deutschen smartlab Innovationsgesellschaft im Rahmen der European Motor Show am 16. Januar in Brüssel. Die smartlab ist Betreiber der deutschen Stadtwerke-Kooperation ladenetz.de.
Gemeinsam mit dem niederländischen Netzwerk e-laad und dem belgischen Unternehmen eNovates (Betreiber des ersten belgischen Elektromobilitäts-anbieters Blue Corner) entwickelt die smartlab, im Rahmen eines vom Bundes-Wirtschaftsministerium geförderten Forschungsprojektes, in den nächsten zwei Jahren ein europäisches Clearinghouse für Elektromobilität. Das gaben die Partner am vergangenen Montag, 16. Januar, auf der European Motor Show in Brüssel bekannt. Als zentrale Schnittstelle der Elektromobilität wird e-clearing.net die Aktivitäten verschiedener Ladestationshersteller, -betreiber und Fahrstrom-anbieter im In- und Ausland bündeln. Das Ziel dabei: Elektromobilität in ganz Europa unkompliziert zugänglich machen.
Um den grenzüberschreitenden Zugang zu öffentlichen Ladestationen für Elektrofahrzeuge auszubauen, haben die drei Initiativen ladenetz.de, Blue Corner und e-laad bereits im vergangenen Jahr ein Übereinkommen zum länder-übergreifenden „E-Roaming“ abgeschlossen. Damit ermöglichen die jeweiligen Partner, die den Initiativen angeschlossen sind, ihren Kunden, in allen drei Ländern ihr Elektro-Fahrzeug zuverlässig und komfortabel mit Strom zu „betanken“, ohne sich zusätzlich dafür anmelden zu müssen. Der Kunde registriert sich wie gewohnt mit seiner RFID-Karte an den Ladestationen, schaltet den Ladepunkt frei und der Strom fließt. Ansprechpartner bleibt für ihn dabei immer sein lokaler Fahrstromanbieter.
Offene Plattform mit neuem Protokoll
Für die geringe Anzahl der Ladevorgänge, die heute getätigt werden, ist die bereits etablierte Lösung noch ausreichend. Mit einem Anstieg der Nutzer und Betreiber von öffentlicher Ladeinfrastruktur bedarf es aber einer komplexeren, ganzheitlichen Lösung, die eine wachsende Anzahl verschiedener Systeme miteinander verbindet und Mehrwert-Services ermöglicht. Auch die Frage der Abrechnungsprozesse muss geklärt werden: Noch stellen die beteiligten Fahrstromanbieter ihren Kunden den Strom kostenlos oder über eine Pauschale zur Verfügung. Es ist jedoch absehbar, dass der Nutzer in Zukunft für das Laden an öffentlicher Ladeinfrastruktur – für jede „getankte“ Kilowattstunde Strom – bezahlen muss. Wenn Infrastrukturbetreiber ihren Kunden dann weiterhin eine weitreichende, einfache und grenzüberschreitende Versorgung mit Fahrstrom bieten möchten, müssen die notwendigen Daten für finanzielle Ausgleichszahlungen und die Kundenrechnung automatisiert ausgetauscht werden.
Genau an diesem Punkt setzt die IT-Lösung e-clearing.net an: „Das System soll als eine offene Plattform realisiert werden, zu der wir ein neues offenes Protokoll entwickeln werden. Es soll die Interoperabilität in der Elektromobilität weiter erleichtern und sie zukunftsfähig gestalten“, erklärt Arjan Wargers, Leiter Forschung und Entwicklung bei e-laad. Neben der Speicherung und Verwaltung der Vorgänge an den Ladestationen enthält das System ein Verzeichnis aller (finanziellen) Vereinbarungen zwischen den beteiligten Akteuren. Diese Vereinbarungen können die Beträge pro kWh, pro Einheit, Pauschalen etc. betreffen. Aus der Kombination dieser beiden Funktionalitäten lässt sich ein Bericht über die notwendigen finanziellen Ausgleichszahlungen unter den Teilnehmer des Clearinghouses erstellen.
„Die Plattform e-clearing.net bietet zusätzlich zum Austausch der Transaktionen an den Ladestationen eine Vielzahl von Mehrwertdienstleistungen, wie die Integration von Navigationssystemen und die Reservierung von Ladestationen durch ein intelligentes Auto“, sagt Andreas Pfeiffer.
Interessant ist das Clearinghouse aber nicht nur für Ladestationsbetreiber und Fahrtstromanbieter in ganz Europa, erläutert Peter Buyckx, einer der Gründer von Blue Corner: „Es gibt weitere Akteure, für die wir eine Teilnahme an e clearing.net für durchaus interessant halten. Dazu zählen zum Beispiel Hersteller von E-Fahrzeugen und Ladeinfrastruktur, Importeure, Leasinggesellschaften und Dienstleister im Bereich Elektromobilität. Gern würden wir diese Akteure mit in die Realisierung unseres Systems involvieren.“
Eingebettet in das Forschungsprojekt „econnect Germany“
Die Entwicklung von e-clearing.net basiert auf Erfahrungswerten und Forschungsergebnissen. Die zugrunde liegende Plattform wird auf den aktuellen Verfahren und Informationssystem basieren, welche bereits von den Partnern Blue Corner, ladenetz.de und e-laad verwendet werden. Mithilfe eines Web-Services und des neuen offenen Protokolls erhalten die Teilnehmer die Möglichkeit, ihr eigenes System mit e-clearing.net zu verbinden. Dazu ist nur eine Implementierung des Protokolls auf dem eigenen System nötig. Die erste Realisierung wird im Juni 2012 einsatzbereit sein und in den ersten Jahren für Partner im Rahmen des Forschungsvorhabens kostenlos zur Verfügung gestellt werden.
Die Anforderungen an eine IT-Lösung werden im Forschungsprojekt „econnect Germany – Stadtwerke machen Deutschland elektromobil“ als Teil des Technologiewettbewerbs „IKT für Elektromobilität II“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) erforscht. Bei „econnect Germany“ untersuchen, unter der Konsortialführung der smartlab Innovationsgesellschaft, sieben Stadtwerke, acht Industriepartner und vier Hochschulen seit dem 1. Januar 2012 Anforderungen an eine zukunftsfähige Elektromobilität und entwickeln nachhaltige Mobilitätskonzepte. Besondere Berücksichtigung findet die Infrastruktur von Stadtwerken.










