(openPR) Sehr geehrte Damen und Herren,
nachdem Jaroslaw Kozlowski in der vorherigen Ausstellung eine konzeptuelle Auseinandersetzung mit Malerei überzeugend vorgestellt hat, tritt nun auch Frank Tornow den Beweis für die Vielfältigkeit und Lebendigkeit aktueller und besonders figurativer Malerei an. Seine neuen Arbeiten erinnern dabei an Bilderrätsel im Rebus-Prinzip. Durch die Kombination von Figuren, Gegenständen und Räumen bzw. Landschaften erschafft er fiktionale Szenen, die auf den ersten Blick real zu sein scheinen. So als hätte der Maler Fotografien als Vorlage benutzt. Jedoch führt er die Betrachter - ob unbeabsichtigt oder doch gezielt bleibt offen - in die Irre und erweist damit seine Vorliebe für das Uneindeutige.
Somit trägt die vierte Einzelausstellung von Frank Tornow in der Emerson Gallery Berlin folgerichtig den eher rätselhaften als erklärenden Titel „Kopfbilder“. Die Überschrift impliziert dabei zunächst einmal erdachte oder erfundene Bilder, die als „geistige“ Konstruktionen sowohl Realitäten der Abbilder (imagi) wie auch Wirklichkeitsbilder des Künstlers beinhalten. Zu sehen sind Darstellungen von Menschen, Kindern und Erwachsenen, die meist in Parallelwelten agieren zu scheinen, ohne direkt miteinander zu kommunizieren.
So erinnert das Bildnis eines Knaben als Büste in frontaler Ansicht im Bildvordergrund dargestellt, vor dem Hintergrund einer flachen, kargen Landschaft mit zwei ähnlich gekleideten Männern, die unterschiedliche Tätigkeiten ausüben, an mittelalterliche Simultandarstellungen. Obwohl sich alle drei Personen im gleichen Raum befinden erscheinen sie doch wie durch unsichtbare Mauern voneinander isoliert.
Überdimensionionalen Bühnenrequisiten gleich platziert der Maler Objekte im Raum, die an reale Gegenstände oder Spielzeug erinnern und den Eindruck des Surrealen verstärken. Auch die Grenzen zwischen Innen- und Außenräumen sind fließend - eben uneindeutig - so als würden alle verläßlichen Koordinaten aufgehoben.
Frank Tornows Bilder werfen somit grundsätzliche Fragen auf zur menschlichen Existenz und zur Rolle des Individuums in der heutigen, global agierenden Informationsgesellschaft. Tornows Wirklichkeitsbilder erscheinen wie Synonyme der Entfremdung im digitalen Zeitalter und rufen ein Gefühl der Verunsicherung hervor. In diesen Bildwelten endet die zwanghafte Dynamik der Digitalisierung von Informations- und Kommunikationsprozessen, die zu einer Informationsexplosion geführt hat, ganz einfach im Stillstand.













