(openPR) Department für Hand – und Fußchirurgie der Zentralklinik Bad Berka zum „National Learning Centre of Excellence“ ernannt
Bad Berka, 11. November 2011. --- Der Daumen – auf den ersten Blick nur ein kurzer Finger an der menschlichen Hand. Allerdings ist eine intakte und schmerzfreie Daumenbeweglichkeit in all seinen drei Gelenken wesentliche Grundvoraussetzung für die Gesamtfunktionalität. Ein wichtiges Gelenk ist das „Sattelgelenk“ als Bindeglied zur Handwurzel über das große Vieleckbein. Dieses Gelenk ist als „Anpassungswunder“ in der Evolution zu betrachten. Es ermöglicht uns im Gegensatz zu den anderen Primaten, Grob - und Spitzgriffe über die „Oppositionsstellung“ auszuführen.
Die Arthrose des Sattelgelenkes (Rhizarthrose) ist die häufigste nichttraumatisch bedingte Verschleißerkrankung der Hand. Frauen sind dabei dreimal häufiger betroffen als Männer. Für die notwendigen Behandlungen stehen in der Zentralklinik Bad Berka erfahrene Spezialisten der Handchirurgie zur Verfügung. Seit kurzem ist die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie der Zentralklinik Bad Berka nun zum „National Learning Centre of Excellence“ für die Implantation von Endoprothesen am Daumensattelgelenk ernannt worden. Dr. Ingo Schmidt, Leiter des Departments für Hand- und Fußchirurgie, erläutert seinen Aufgabenbereich:
„Als primäre Ursache wird die möglicherweise auch genetisch bedingte Abnutzung eines gelenkstabilisierenden Bandes zwischen dem 1. und 2. Mittelhandknochen über mehrere Jahre hinweg diskutiert. In dessen Folge beobachten wir eine zunehmende Gelenkinstabilität mit nachfolgender Knorpelschädigung und Gelenkeinsteifung. Als operative Verfahren kommen die Resektionsarthroplastik (Entfernung des großen Vieleckbeines mit oder ohne Bandaufhängung des 1. Mittelhandknochens), die Arthrodese (Gelenkversteifung) und der endoprothetische Gelenkersatz zur Anwendung. Die Resektionsarthroplastik ist die momentan in Deutschland noch am häufigsten durchgeführte Methodik. Hierbei beobachten wir eine sehr gute Schmerzreduktion bei gutem Funktionserhalt, allerdings aber auch Kraftverluste mit bis zu 55 Prozent im Vergleich zur gesunden Gegenseite nach fünf Jahren. Währenddessen ist die Handkraft nach einer Endoprothese im gleichen Zeitraum nahezu wieder identisch. Auch gelingt die berufliche Integration der Patienten nach einer Endoprothesenimplantation wesentlich schneller als nach einem resezierenden Verfahren. Die Arthrodese kommt in seltenen Fällen bei noch jüngeren männlichen Patienten primär zur Anwendung, sofern beruflich bedingt die grobe Handkraft gegenüber der Funktionalität im Vordergrund steht.
Die erste Endoprothese am Sattelgelenk wurde 1973 implantiert. Es handelte sich um ein noch zementiertes System, was den anfänglich euphorischen Erwartungen wegen einer großen Anzahl an Auslockerungen jedoch nicht standhalten konnte. Vergleichbar ungünstige Situationen sahen wir bei den Silikon – Implantaten und den Keramik - Endoprothesen. Aktuell moderne Systeme wie die sogenannte „Arpe“ tragen den bewährten Implantationstechnologien Rechnung, wie wir sie seit langem schon am Hüft – und Kniegelenk kennen (Titanbeschichte anatomisch geformte ungekoppelte Komponenten, nicht zementierte Pressfit-Verankerungen).
Aufgrund der durchweg guten Erfahrungen mit der ‚Arpe‘ über einen Zeitraum von drei Jahren wurde das Department für Hand – und Fußchirurgie der zum Verbund der RHÖN-KLINIKUM AG gehörenden Zentralklinik Bad Berka unter der Leitung von Dr. Ingo Schmidt von einem weltweit führenden Endoprothesenhersteller zur bislang deutschlandweit einzigen Referenzklinik ernannt. Dies beinhaltet unter anderem Operationsanleitungen ärztlicher Kollegen im Rahmen interner und externer Hospitationen sowie die Organisation und Durchführung von Workshops an anatomischen Präparaten in Zusammenarbeit mit Prof. Abdul Kader Martini (Heidelberg), einem der führenden Handchirurgen in Deutschland.“
Dr. Ingo Schmidt betont, dass momentan noch langfristige Ergebnisse fehlen, welche die Überlegenheit der ‚Arpe‘ gegenüber anderen Systemen oder anderen Methodiken dauerhaft nachweisen. Ein wesentliches Argument zur Entscheidungsfindung – pro Endoprothese - ist aber neben den besseren Kraftwerten und der schnelleren beruflichen Integration der Patienten auch die vorhandene Rückzugsoption auf die Resektionsarthroplastik nach einer evtl. Prothesenkomplikation. Andersherum geht es nicht, ist ein Patient nach einem resezierenden Verfahren mit dem funktionellen Ergebnis unzufrieden, muss er dauerhaft damit leben. Zumindest erreichen wir mit einer modernen Endoprothese bei Frauen ab dem 50. Lebensjahr eine höhere berufliche Lebensqualität hinsichtlich guter Kraftwerte gerade in den Jahren vor Eintritt in das Rentenalter. In einer aktuellen Studienergebnispräsentation aus dem Universitätsklinikum Heidelberg zum 52. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie konnte diesbezüglich festgestellt werden, dass die Ergebnisse einer Resektionsarthroplastik mit Prothesenausbau nach einer Endoprothesenkomplikation keineswegs schlechter sind als in den Fällen, in denen primär das resezierende Verfahren durchgeführt wurde.




















