(openPR) von Patricia Valerio
Wer gestern morgen in Portimão aus dem Fenster schaute, der glaubte, seinen Augen kaum zu trauen. Anstelle des gewohnten Sonnenscheins sah man eine dicke, graue Dunstglocke über der Stadt hängen, und ein beißender Geruch lag in der Luft. Angesichts der Tatsache, daß derzeit landesweit noch immer ca. ein Dutzend Waldbrände toben, lag natürlich die Vermutung nahe, daß nun auch an der Algarve, in unmittelbarer Nähe der Touristenhochburgen, ein Feuer ausgebrochen wäre. Diese Befürchtung bestätigte sich glücklicherweise nicht. Vielmehr hatten ungünstige Winde dazu geführt, daß die Rauchschwaden der Brände in den nördlichen Landesteilen an die Südküste getrieben wurden.
Obwohl die Küstenregion somit nicht unmittelbar gefährdet war, kamen doch unweigerlich Erinnerungen an den August 2003 auf. Damals hatten mehrere große Waldbrände gleichzeitig an der Algarve gewütet (u.a. in Monchique, Silves, Marmalete, Aljezur) und die Touristen teilweise in Angst und Schrecken versetzt.
Besonders schlimm war es am 13. und 14. August 2003, als Ascheregen auf weite Teile der westalgarvischen Küste herabrieselte, als die Autobahn A22 und die EN 125 zeitweise gesperrt waren, um den Löschfahrzeugen einen leichteren Zugang zu den Brandherden zu ermöglichen, und als in der Region Lagos bereits am Spätnachmittag tiefste Dunkelheit herrschte. Obwohl man davon ausgehen konnte, daß die Küstenorte zu keinem Zeitpunkt direkt gefährdet waren, fühlte man sich bedrückt und beklemmt. Die Landschaft wirkte irreal wie in einem Science-Fiction-Film, und es herrschte eine Art Weltuntergangsstimmung, mit der niemand so recht umzugehen vermochte.
Die meisten Urlauber reagierten auf die Ausnahmesituation verhältnismäßig gelassen, mit viel Verständnis und Mitgefühl für die einheimische Bevölkerung, die z. T. all ihr Hab und Gut verlor. Andere allerdings schrieben bitterböse Beschwerdebriefe an Hotels und Reiseveranstalter, in denen sie sich über durch Ascheregen verschmutzte Terrassen und Pools beklagten sowie darüber, daß sie an den fraglichen Tagen nicht mit ihrem Mietwagen ans "Cabo São Vicente" fahren konnten. Vielleicht wäre ein Ausflug an die auch sehr schöne Ostalgarve eine Alternative gewesen?
Nach knapp drei Tagen war der "Spuk" vorbei, und alle waren froh, wieder so tun zu können, als wäre nie etwas geschehen. "The show must go on" scheint nicht nur ein probates Motto im Showgeschäft zu sein, sondern auch im Tourismus...
Ob die Verantwortlichen im Jahre 2005 etwas aus dieser Situation gelernt haben, darf bezweifelt werden, denn jedes Jahr stellt sich das Problem der Waldbrände und ihrer Bekämpfung aufs neue. Gründe sind nicht nur die extrem hohen Temperaturen und die große Trockenheit, sondern auch gemeingefährlicher Leichtsinn und immer wieder Brandstiftung. Allein in diesem Jahr wurden bisher mehr als 100 Verdächtige festgenommen. Jahr für Jahr also das gleiche Spiel, nur mit dem Unterschied, daß die Feuer in den internationalen Medien noch nie soviel Aufmerksamkeit fanden wie 2003 und in diesem Sommer. Jedes Jahr fallen den Flammen Zehntausende Hektar Wald zum Opfer, werden zahlreiche Existenzen vernichtet, und mehrere Menschenleben sind zu beklagen. Wenn den Waldbränden nicht Einhalt geboten werden kann, so haben Wissenschaftler errechnet, wird in zwanzig Jahren von Portugals einst so schöner Natur nicht mehr viel übrig sein. Und mit jedem Stückchen Natur, das verbrennt, verbrennt auch ein Stückchen Zukunft für Mensch und Tier.
Gestern, gegen Mittag, waren die Rauchschwaden über Portimão übrigens weitgehend verschwunden, und Einheimische und Touristen konnte wieder zur Alltagsroutine zurückkehren...
Ausführliche Infos zur aktuellen Situation unter http://www.algarve-live.de/news
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