(openPR) Der „Standortfaktor Mensch“ stand im Mittelpunkt einer Diskussion der oberfränkischen Wirtschaftsjunioren mit Wirtschaftsstaatssekretärin Katja Hessel bei einem Arbeitsfrühstück im Thurnauer Schloss. Möglichkeiten, die Attraktivität Oberfrankens zu steigern, wurden ebenso diskutiert wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Frauen in Führungspositionen sowie Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland.
Zwei Drittel der Unternehmen hätten bereits heute Schwierigkeiten, die benötigten Fachkräfte zu finden, so Hessel in ihrem Eingangsstatement. „Diese Situation wird sich in den kommenden Jahren weiter zuspitzen, stehen doch 20 Millionen Menschen, die in den Ruhestand gehen, nur 16 Millionen Berufsanfänger gegenüber.“ Die bayerische Staatsregierung fahre deswegen eine Doppelstrategie: Einerseits soll das Potential der Erwerbstätigen erhöht werden, etwa durch die Integration von Langzeitarbeitslosen ins Berufsleben. Andererseits soll die Erwerbstätigenquote steigen, indem man etwa ausländische Studenten als Arbeitskräfte im Land hält. Hier sind sowohl Politik als auch Unternehmen gefragt. „Wir brauchen eine echte Willkommenskultur“, so Hessel.
Auf eine entsprechende Frage von WJ-Regionalsprecher Ingo Keller verdeutlichte Hessel, dass die Ansiedlungsagentur Invest in Bavaria versucht, ausländische Unternehmen zu motivieren, außerhalb des Verdichtungsraumes München zu investieren. Dies sei auch im Interesse der bayerischen Staatsregierung, platze München doch längst aus allen Nähten. Dies gestalte sich allerdings schwierig, da sich für viele Investoren nicht die Frage stelle, ob sie sich in München oder Münchberg engagieren wollen, sondern ob in München oder Mailand.
Kindertagesstätten: Oft unflexible Öffnungszeiten
Verschiedene Projekte der Wirtschaftsjunioren zeigen, dass im Bereich der Schulen noch einiges im Argen liegt, so Marko Ahrens (WJ Bayreuth) und Manfred Dietrich (WJ Fichtelgebirge). Die Evaluierung der Schulen sei ein Weg in die richtige Richtung. Die Schulen bräuchten mehr Eigenverantwortung, auch ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess müsse angestoßen werden. Leider fehle es oft an der finanziellen Ausstattung, um solche Verbesserungen voranzubringen. Dagmar Keis-Lechner (WJ Kulmbach) wies darauf hin, dass immer mehr Frauen in Berufen und zu Tageszeiten berufstätig sind, wo eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf kaum realisierbar sei.
Michael Pfauntsch (WJ Fichtelgebirge) kritisierte die Öffnungszeiten etlicher Kindertagesstätten: „Insgesamt sind wir in Oberfranken mit Kindertagesstätten gut ausgestattet“, so Pfauntsch. Untragbar sei aber dass alle Tagesstätten an einem Brückentag und während der Ferien geschlossen sind oder generell erst um 7 Uhr öffnen. Mit der Forderung nach flexibleren Öffnungszeiten fand er bei Hessel ein offenes Ohr. Sie forderte die Unternehmen dazu auf, Berufstätigen mit Kindern wo immer möglich entgegenzukommen. Wirtschaftsjunioren und Staatssekretärin Hessel waren sich einig, dass die Attraktivität Oberfrankens etwa durch Familienfreundlichkeit weiter erhöht werden müsse, wolle die Region wettbewerbsfähig bleiben.
Stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfram Brehm, WJ-Regionalsprecher Ingo Keller und WJ Oberfranken-Gesamtkoordinator Peter Belina bedankten sich bei Staatssekretärin Katja Hessel für die offene Diskussion.






