(openPR) Düsseldorf (LGH). Auch bei der 23. Vergabe der Adalbert-Seifriz-Preise für besonders gelungenen Technologietransfer zwischen Handwerksunternehmen und Hochschulen kommt eines der – diesmal drei – Siegerteams aus Nordrhein-Westfalen: Die Kölner Wallossek Dentaltechnik und Professor Joachim Zöller von der Universität Köln nehmen heute die bundesweit ausgeschriebene Auszeichnung entgegen. Sie ist der Lohn für ihre Initiative, das Milling, also die Frästechnologie in Kombination mit Ultraschall, aus dem industriellen Bereich in die handwerkliche Dentaltechnik einzuführen und dabei neueste Materialien zu verwenden. Nicht zuletzt wollen sie damit Allergieprobleme bei den Zahnpatienten umgehen.
Nordrhein-westfälische Handwerker haben damit 53 der 108 bisherigen Seifriz-Preise „eingeheimst“. Diese Erfolgsserie führt Ursula Beller, die Leiterin des Technologie-Transfer-Ring Handwerk NRW (TTH), auf den Erfindungsreichtum der Unternehmer, aber auch auf die Unterstützung durch das Netzwerk des TTH zurück. Ein Beispiel dafür seien Martina Fischer-Wallossek und Frank Wallossek. Schließlich stehen sie schon seit mehreren Jahren in Kontakt zum Technologietransferberater der Handwerkskammer Köln, Harald Schmitz.
Selbst inmitten von Computern, Hochleistungsfräsen mit Ultraschalltechnik und fünf-achsigen Roboterarmen und von Sinteröfen für Spezialkunststoffe beharren die beiden Unternehmer darauf: „Wir sind Zahntechniker und wir werden Zahntechniker bleiben!“ Damit sie und die 50 Mitarbeiter der Wallossek Dentaltechnik dies auch in Zukunft erfolgreich sein können, müsse man technologisch ganz vorne sein. Deswegen haben sie Anfang 2010 die DMC Cologne (Dental Milling Center Cologne) als Cad-Cam-Fertigungsbereich gegründet. Parallel dazu haben sie die Zusammenarbeit mit Professor Zöller begonnen. Er leitet die Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie und die Interdisziplinäre Poliklinik für Orale Chirurgie und Implantologie an der Universität Köln. Diese Kooperation hat dazu beigetragen, dass das Unternehmen heute als „kleiner Pionier“ Anfragen und Aufträge aus aller Welt bekommt.
Zahntechniker „alten Stils“ sehen sich gleich mehreren Herausforderungen gegenüber: Dem Kostendruck im Gesundheitswesen, der Konkurrenz aus Billiglohnländern und dem technischen Fortschritt, der inzwischen selbst beim Einsatz von rechnergesteuerten High-Tech-Apparaten quasi Einzelfertigung möglich macht. Hinzu kommt eine rasante Entwicklung auf dem Materialsektor mit neuen Metalllegierungen sowie immer neuen und besseren Keramiken und Kunststoffen. Parallel dazu steigen die Anforderungen der Patienten an Zahnersatz unvermindert: Er soll bezahlbar sein, aber hochqualitativ und ästhetisch, und immer häufiger muss er auf die vielfältigen Allergien angepasst sein, unter denen die modernen Menschen leiden. „Wer unter diesen Bedingungen weiterarbeitet wie gestern und vorgestern, wird bald vom Markt verdrängt worden sein“, ist Frank Wallossek überzeugt.
Seine Konsequenz daraus ist, die allerneuesten Techniken zur Herstellung der „Halbfertigprodukte“ zu nutzen, die in seinem Dentallabor zunächst vorbereitet und später zu Prothesen, Brücken und so weiter zusammengesetzt werden. Damit kann er Schnelligkeit, allerhöchste Genauigkeit und günstige Preise bieten. Wenn dann noch dank der Unterstützung durch Professor Zöller in punkto Biokompatibilität, also Verträglichkeit im Mund und für den gesamten Körper, hohe Standards erreicht werden, müsse man vor der Zukunft keine Angst haben. Im Grunde reiche es, drei deutsche Trümpfe miteinander zu kombinieren: „Wir haben einen Maschinenbau von Weltniveau, wir haben beste Kenntnisse über Werkstoffe auch aus anderen medizintechnischen Bereichen, etwa der Orthopädietechnik, und wir haben super ausgebildete Zahntechniker. Das sind optimale Voraussetzungen für einen globalen Wachstumsmarkt.“
Zu ihrem eigenen Pionierstatus zählt das Ehepaar Wallossek unter anderem, dass von ihnen Steuerungen für die Fräsmaschinen tiefgreifend abgeändert worden sind. Erst danach konnten sie überhaupt in der Dentaltechnik eingesetzt werden. Immerhin saust der Fräskopf mit wechselnden Werkzeugen an der Spitze etwa 500.000 Mal an einem Zirkon-Würfel mit knapp einem Zentimeter Seitenlänge vorbei, bevor aus ihm ein künstlicher Zahn geworden ist. Zum Wallossek`schen Pioniersein gehört daneben, dass sie um Tests von neuen Werkstoffen gebeten werden, die bislang in herkömmlicher Weise nur schwer oder gar nicht in der Zahntechnik verarbeitet werden konnten. Bei der Modellherstellung für Prothesen und Implantate, bei der Material- und Farbbestimmung im Vorfeld und anschließend beim „Finish“, also dem Zusammenbau der Konstruktion und der Abstimmung am Patienten, seien auch künftig Zahntechniker der „alten Schule“ gefragt. Ein unabdingbares Arbeitsinstrument werde für sie aber der Computerbildschirm und der Fräsroboter sein.











