(openPR) Wenn es um den Energiebedarf eines Gebäudes geht, wird häufig nur die Energie berücksichtigt, die zur Bereitstellung von Wärme, Warmwasser, Lüftung, Kühlung etc. benötigt wird. Seit Einführung der Energieeinsparungsverordnung (EnEV) 2002 hat man zusätzlich auch die so genannte Primärenergie im Blick, d.h. die Energie, die für Energie-Umwandlungsprozesse und Transporte im Zusammenhang mit dem jeweiligen Gebäude aufgewendet wird. Nach wie vor in der Energierechnung meistens nicht berücksichtigt werden aber die primärenergetischen Aufwendungen für den Lebenszyklus eines Gebäudes, also jene Energie, die zur Herstellung, Wartung und Instandhaltung des Gebäudes bzw. der Anlagentechniken während des gesamten Nutzungszeitraums benötigt wird. Mit diesem Aspekt befasst sich eine Studie der TU Berlin.
Die Wissenschaftler erstellten mehrere Lebenszyklusanalysen für ein und dasselbe exemplarische Gebäude, jeweils unter Berücksichtigung verschiedener Energiestandards, wie sie durch die EnEVs der letzten Jahre (2007, 2009 und ab 2012) vorgegeben wurden. Angenommen wurde eine Nutzungsdauer von 80 Jahren. Dabei zeigte sich, dass eine Verbesserung des energetischen Standards zwar für Herstellung und Instandhaltung mehr Energie erfordert, der gesamte Primärenergiebedarf, also inklusive der Energie für Betrieb, Instandsetzung, Energietransport und –umwandlung sank. Dieser Trend kippte allerdings beim Passivhaus. Bei den Ausführungsvarianten, die fur die Studie angesetzt wurden, waren die Investitionen und der Ressourcenverbrauch so hoch, dass die primärenergetische Bilanz ins Minus geriet. Für einen fairen Energievergleich von Gebäuden müssen auch die Aufwendungen für Rückbau oder Abbruch eingerechnet werden – wie es Baubiologen schon lange tun und Bau- und Ausbaumaterialien entsprechend auswählen. Hier bietet sich den Autoren der Studie zufolge noch ein großes Einsparungspotential, etwa durch die Verwendung natürlicher, regional verfügbarer, langlebiger und Ressourcen schonender Baustoffe, die sich nach Nutzungsende auch wieder in den Naturkreislauf einfügen lassen. Gefragt sind auch Konzepte für eine Haustechnik mit längerer Lebensdauer und besseren Anpassungsmöglichkeiten an den jeweils neuesten Stand der Technik. Eine Zusammenfassung der Studie findet sich in der Zeitschrift “Bauphysik“ Nr. 5/2010. Infos auch unter www.baubiologie-allgaeu.de.
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