(openPR) Wattwil. Ein riesiges Gefährt rückt an, um die im Winter geschlagenen Bäume zu entrinden. Baumstamm um Baumstamm verschwindet im Inneren der Maschine und kommt ohne Rinde wieder zum Vorschein. Innerhalb kürzester Zeit ist ein ansehnlicher Stapel von Stämmen entstanden. Diese werden in den nächsten Tage zu meterlangen Holzbeigen gesägt und dann für mindestens 18 Monate zum Trocknen aufgestapelt. Erst dann wird das Holz zu hochwertiger Holzwolle weiterverarbeitet.
„Holzwolle wird seit Mitte des 19. Jahrhunderts in den meisten Branchen als Füll- oder Polstermaterial industriell genutzt. Auch für die Hygiene von Mensch und Tier bot und bietet Holzwolle überzeugende Problemlösungen“, sagt der Lichtensteiger Autor Hanspeter Frey. Er arbeitet derzeit an einer umfassenden Werkstoffmonografie. Es wird das erste Standardwerk, das sich mit der Geschichte der Holzwolle, ihren Einsatzgebieten, Markt und Maschinen beschäftigt.
Ab 1880 hatten sich in Mitteleuropa zahlreiche Holzwolle-Fabriken gegründet. Insbesondere die Verwendung als antiseptische Verbandsstoffe bescherte ihnen eine wahre Blütezeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten die meisten Betriebe die Produktion jedoch nach und nach einstellen. Viel Wissen ging seitdem verloren. „Die Geschichte der Holzwolle ist voller Irrtümer. Ihr schlechtes Image beruht auf Missverständnissen und Unwissen. Ich werde anhand von geprüften Fakten und Dokumenten die Holzwolle als hochwertigen Holzwerkstoff rehabilitieren“, so Hanspeter Frey.
Holzwolle für Steiff Tiere, Kühe und Kissen
Gerade im Hinblick auf ein grösseres Umweltbewusstsein und eine erhöhte Nachfrage nach nachwachsenden Rohstoffen erfährt die Holzwolle gerade wieder eine Renaissance. Hiervon profitiert auch der einzig noch verbliebende Schweizer Holzwolle-Hersteller. „Wir haben stets auf Qualität gesetzt und nur ausgewähltes, zertifiziertes Durchforstungsholz aus Schweizer Wäldern verarbeitet“, erklärt Thomas Wildberger, Geschäftsführer der Firma Lindner Suisse in Wattwil. Das entrindete und getrocknete Holz wird bei Lindner Suisse per Hand in eine Spezialmaschine eingespannt und feine Holzwollefasern abgehobelt. Das Verfahren garantiert eine gleichbleibende Faserbreite und -stärke. Staub und kleine Holzsplitter werden über Siebe und Schüttler in einer Absaugvorrichtung entfernt.
„Man sollte sich bewusst machen, dass die Holzwolle über einzigartige natürliche Eigenschaften verfügt“, sagt Hanspeter Frey. Ob als Füllung für Steiff Tiere oder Wellness-Kopfkissen, als Material zur Euterreinigung von Kühen, Schafen und Ziegen, als Anzündhilfen für Grill und Kamin oder als Unterlage für Erdbeeren, Gurken und Melonen: Die Einsatzbereiche von Qualitätsholzwolle sind vielseitig. Hanspeter Frey hat den verschiedenen Holzwollestandards darum in seiner Monografie ein eigenes Kapitel gewidmet. Der Erscheinungstermin des 260seitigen Buchs ist für Mitte September geplant.
Weitere Informationen unter www.lindner.ch










