(openPR) Altbacken und verstaubt gehört der Vergangenheit an – Europäische Fördergelder machen es möglich
Altbacken, verstaubt, langweilig: Das sind Klischees, die in den Köpfen vieler Menschen herumgeistern, wenn sie an Museen denken. Doch dies könnte sich bald ändern. Mit Hilfe eines neuartigen Radiofrequenzidentifikations-Systems, kurz RFID-System, wollen Berliner Forscher den Museumsbesuch nicht nur interaktiver, sondern vor allem individueller gestalten.
RFID-System – was so kompliziert klingt, funktioniert im Prinzip ganz einfach: „Umgangssprachlich ist es der Nachfolger des Barcodes. Allerdings funktioniert es nicht mehr optisch, sondern elektronisch“, erklärt Prof. Dr. Jürgen Sieck von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin. Die Technik ist bereits seit mehreren Jahrzehnten im Einsatz – hauptsächlich in der Logistik, aber auch, um Haus- und Nutztiere zu identifizieren. In Museen und Gedenkstätten fand die RFID-Technologie bisher nur selten Anwendung. Das Berliner Forschungsprojekt „Poseidon“, dem Sieck vorsteht, will nun herausfinden, wie Ausstellungen von den Möglichkeiten der RFID-Systeme profitieren können.
Passionierte Museumsbesucherinnen und -besucher sind bereits mit den Audioguides vertraut, die viele Museen eingeführt haben. In die kleinen Geräte musste man bisher Nummernfolgen eingeben, um per Kopfhörer zusätzliche Informationen zu den jeweiligen Ausstellungsstücken zu erfahren. Mit Hilfe der RFID-Sensoren könnte das lästige Tippen schon bald der Vergangenheit angehören. Doch die Funktechnik verspricht noch mehr. Mit ihr können aus den Audioguides multimediale, mobile Museumsführer werden, die neben akustischen auch visuelle Informationen liefern.
Noch vielversprechender erscheinen jedoch RFID-basierte Eintrittskarten. Wie so etwas aussehen kann, wurde im vergangenen Jahr im Jüdischen Museum getestet: Jeder Gast von „Koscher und Co.“ erhielt als Eintrittskarte einen Kunststofflöffel, mit dem verschiedene Rezepte der jüdischen Küche gesammelt werden konnten. Dafür waren die Löffel sowohl mit einem sichtbaren Zahlencode als auch mit einem unsichtbaren RFID-Chip versehen. Einzelne Medienstationen reagierten sensorisch auf die Nähe der Löffel und leiteten ihren Code an einen Computer weiter. Durch ein optisches sowie akustisches Signal gewannen die Besucherinnen und Besucher den Eindruck, ein Rezept gesammelt zu haben. Wieder zuhause, konnten sie sich schließlich mit ihrem Löffelcode auf der Internetseite der Ausstellung anmelden und die gesammelten Rezepte herunterladen.
Doch der eigentliche Clou des Rezeptsammelns: Die dahintersteckende Software entschied kontextintuitiv, welches Rezept der Besucher erhielt. Denn sie war in der Lage zu analysieren, welche Stationen der Besucher zuvor bereits besucht hatte. „Man hat ganz genaue Standortinformation“, erläutert Sieck und sagt, der Experte spräche hierbei von „location-based information“.
Ähnlich interaktiv ist die aktuelle Sonderausstellung „Schahname. Heroische Zeiten. Tausend Jahre persisches Buch der Könige“ im Pergamon-Museum. Prof. Dr. Sieck und sein Team haben dafür ein Lesezeichen entwickelt, mit dem man Geschichten einsammeln kann.
In dem interaktiven Einsatz der RFID-Technik sieht der Projektleiter einen neuen Trend. Denn mit Hilfe der RFID-Technik gelingt es, Museumsgäste individueller und zielgerichteter mit Informationen zu versorgen. „Bei den Besuchern kommt das ausgesprochen gut an“, berichtet Jürgen Sieck. Aber auch das Museum profitiert. Es kann auf Grundlage der Daten, die natürlich streng anonymisiert werden, zukünftige Ausstellungen noch erfolgreicher planen.
Kurzinfo:
Projekt: POSEIDON
Fördernehmer: Jüdisches Museum, Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin, Humboldt-Universität Berlin, Acoustiguide, Bitmanufaktur
EU-Förderung: EFRE-Förderung
Förderzeitraum: 01.09.2008 bis 31.08.2012
Weitere Infromationen: www.berlin.de/strukturfonds










