(openPR) In der Ausstellung zeigt die Münchner Galerie von maltzahn fine arts ab dem 11. Mai neue Arbeiten der international arrivierten, österreichisch-deutschen, Künstlerin Uli Aigner (*1965). Diese ist dem Münchner Publikum auch deshalb bestens bekannt, weil sie von 2006 bis 2010 die Städtische Kunsthalle München Lothringer 13 leitete.
In der Galerie zeigt Uli Aigner in einer selbst kuratierten Raumsituation eine neue Videoarbeit (Das neugierige Museum, DVD 30 Minuten), sowie ein in limitierter Auflage herausgegebenes Multiple („Try to spend a year with“) und vor allem zahlreiche klein- und großformatige Zeichnungen, die eigentlichen „Portraits“.
Aigner arbeitet seit vielen Jahren intensiv mit dem Medium der Zeichnung und sie tut dies in ungewöhnlichen Formaten. Teils nahezu wandgroß dehnen sich die Farbflächen, Texturen, Linien und Strich-Strukturen auf dem Papier. Was sich motivisch häufig erst aus der Distanz erschließt, lockt zum Nahblick und verliert sich gern in der Schraffur der aus unendlich vielen Buntstiftlinien gewirkten Zeichnungen.
In Ihren Arbeiten geht es Uli Aigner um die wohl spannungsvollste Situation der künstlerischen Produktion: das Portrait. Dabei entzieht sich die Künstlerin der klassischen kunsthistorischen oder psychologisierenden Konnotation und sucht einen völlig eigenen Zugang zum Gegenüber. Bereits das Entstehen eines Portraits ist bei Aigner von Beginn an als subversiver, performativer Akt angelegt. Denn schon mit der konzeptuellen Ausformung der Beziehung, die dem Arbeitsprozess und dessen Ergebnis, dem konkreten Kunstwerk vorausgeht und ihn begleitet, unterläuft die Künstlerin das konventionelle Regelwerk des Kunstbetriebes. Die oftmals von ihr selbst initiierte Beauftragung durch ihre Modelle, deren Mitwirkung durch Lieferung von fotografischem Material und der autonome künstlerische Arbeitsprozess lässt jene Hierarchien, die einer üblichen Auftragssituation ebenso entspringen wie in ihr abgebildet werden, gar nicht erst zu. Ein Ideal-Modell größtmöglicher Freiheit entsteht.
Auch formal widersetzen sich Aigners Portraits der Konvention: Dort, wo sich in ihren oft großformatigen, mit Buntstiften gearbeiteten und zwischen Zeichnung und Malerei changierenden Papierarbeiten Personen und Raumsituationen durchdringen, Bildzitate auftauchen, geht es nicht um physische Ähnlichkeit mit dem Modell oder virtuose Charakterstudien. Aigners Arbeiten folgen hier rein formal-ästhetischen und dem handwerklichen Prozess geschuldeten Gesichtspunkten, die entstehenden Flächenmuster diskutieren den Bildgegenstand, erforschen die Wahrnehmung der Künstlerin, ohne dem Betrachter eine unter dessen Oberfläche liegende interpretatorische Ebene aufzudrängen.
So sind es nicht nur mittelbar zu ihrem persönlichen und professionellen Umfeld gehörende Menschen, wie Künstler, Sammler, Kuratoren und Galeristen, sondern auch die Kunstproduktion und die Institutionen selbst, die Uli Aigner zum Gegenstand ihres Metadiskurses des Kulturbetriebes macht. Als Künstlerin und Kuratorin ist Uli Aigner prädestiniert, jene Mechanismen und Formeln offenzulegen und kritisch zu diskutieren, welche die mächtige Deutungs- und Bedeutungsmaschinerie der Kunstwelt, ihre Protagonisten und ihren Markt bewegen. In der zusammen mit Filmemacher Michal Kosakowski entwickelten Videoarbeit „Das neugierige Museum“, die für das Linzer Kunstmuseum Lentos entstanden ist und intensive und lange Gespräche mit AkteurInnen im Produktionsfeld der zeitgenössischen Kunst zu einer Studie aktueller Diskursformeln verdichtet, äußern sich diese Parameter sprachlich.
Und ganz gleich, wie auch immer geartet die Beziehungen innerhalb des Kulturbetriebes sein mögen: Das Ideal bleibt die fruchtbare, gegenseitige Inspiration – ein Ideal, das Uli Aigner in Leben und Werk zu verwirklichen sucht.
Uli Aigner, geb. 1965 lebt in München.
Ihre Arbeiten zeigte sie unter anderem in München, Berlin, Wien, Linz, Istanbul, New York, Mexico, London und Riga. Zu Ihrem Werk liegen bereits eine ganze Reihe wichtiger Oublikationen vor. Die Ausstellung ist die zweite, große Einzelausstellung mit Werken von Uli Aigner bei von maltzahn fine arts.
Hinweis
Am 25. Mai um 19.30 Uhr findet in den Räumen der Galerie ein öffentliches Gespräch zwischen der Künstlerin und Dr. Stella Rollig, Direktorin des Lentos Kunstmuseum Linz, statt.
Ausstellungsdauer
11. Mai bis 4. Juni 2011
Öffnungszeiten
Dienstag mit Samstag, 14 bis 18 Uhr und
Termin nach Vereinbarung













