(openPR) Der Teroldego zwischen Tradition und Moderne
Zwischen dem Fluss Etsch und dem Wildbach Noce erstreckt sich die Rotaliana-Ebene, Namensgeberin für den wichtigsten Rotwein des gesamten Trentinos: Terolgedo Rotaliano. Seit dem 14. Jahrhundert prägt diese heimische Rebsorte die Identität der Weinbauern und wird heute auf zirka 500 Hektar in ganz Trentino kultiviert; bei Endrizzi vor der imposanten Kulisse des mächtigen Monte Reale in San Michele all'Adige.
"Leicht ist diese Rebsorte nicht zu verarbeiten", meint Vito Piffer, Oenologe bei Endrizzi, "denn die Beerenhaut wird ab einem gewissen Reifegrad sehr dünn und kann schnell platzen, wenn es regnet oder zu feucht wird und das Lesegut dann faulen." Zudem muss bei der Ernte genauer als bei anderen Sorten die Reife der Traubenkerne (fachspezifisch: phenolische Reife) mit der physiologischen Reife der Trauben genau beobachtet werden. Teroldgo hat zwar nicht so viele Tannine, diese können aber schnell einen unerwünscht bitteren Nachgeschmack im späteren Wein verursachen und damit die angenehm fruchtigen Aromen und die zarte Frische überdecken. Doch Christine Endrici, die Chefin des Hauses, beruhigt sofort "seit Vito bei uns ist, haben wir einen Experten für diese Rebsorte, denn er kommt aus dem hiesigen Nontal." Die Qualität und das Ansehen von Endrizzi steigen seitdem stetig an und auch die Bedeutung der Weine in den Weinführern."
Dabei gibt Paolo Endrici durchaus zu, dass die ersten Versuche ab 2000, das Gesicht des Teroldego noch klarer herauszuarbeiten, nicht ganz perfekt liefen: "Erst in 2003 fanden wir die richtige Technologie mit der Trocknung in Räumen bei kontrollierter Temperatur und Feuchtigkeit". Reife rote und schwarze Beeren, Gewürze und Kräuter sowie eine gewisse Mineralik sind die typischen Aromen, die sich wie ein roter Faden durch alle Weintypologien aus Teroldego ziehen. Erreicht wird diese Wiedererkennbarkeit durch rigorose Auslese und beim Gran Masetto und Gran Masetto Dolce durch zusätzliche Trocknung des reifen Teroldegotrauben. Dabei verlieren ihre Beeren noch einmal zwischen 35 und 45% des Gewichts. "Das ist Wein, der nicht produziert, doch das nehmen wir in Kauf, um moderne Weine auf den Markt zu bringen", so Paolo Endrici, "genau auf der Linie einer moderaten Genussphilosophie."
Auszeichnung für ein Stück Trentinogeschichte
Der Wunsch nach eleganten Weinen und der Forscherdrang im Traditionshaus Endrizzi ließ sie jahrelang experimentieren, um das Territorium und die Herkunft des Weins noch stärker zum Ausdruck zu bringen. Damit ist Endrizzi ein Weingut, dass dem Teroldego besondere Aufmerksamkeit schenkt und ihn in allen nur erdenklichen Varianten in Reinform und in innovativen Cuvées, passend zum heutigen Lebens- und Ernährungsstil offeriert.
Diese permanente Suche nach Qualität bei gleichzeitiger Bewahrung der Typizität der heimischen Rebsorte Teroldego gab mit den Ausschlag, Paolo Endrizzi mit der Auszeichnung "Cangrande" zu ehren. Seit 1973 wird diese Medaille am Band in massiv Silber jedes Jahr auf Neue auf der Vinitaly den Persönlichkeiten verliehen, die sich um die Weinwirtschaft Italiens besonders bemühen. Die Nominierungen kommen direkt aus den einzelnen Regionen, dort wo man genau um die Verdienste der Geehrten weiß.
"Sicher ist das auch eine Anerkennung für unsere umweltschonende Arbeitsweise und das Mitschreiben der Geschichte unserer wertvollsten Rebsorte, dem Tiroler Gold, das hier bei uns purpur- bis granatfarben im Glase funkelt", gesteht Paolo sichtlich gerührt und stolz.
Die Deklination einer Rebsorte
Auf der gerade zu Ende gegangen Vinitaly konnte der aufmerksamer Besucher einer ganz besonderen Verkostung beiwohnen und den Teroldego in seiner Vielfalt zwischen Tradition uns Moderne kennen lernen: Die Interpretation von einem frischen, jungen Wein im Stahl und großen Holz ausgebaut, über eine Riserva bis hin zu im Barrique gelagerten Weinen, dem Toppprodukt aus der Spitzenlage Masetto und dem Newcomer Gran Masetto Dolce Passito (Wein aus getrockneten, welken Weinbeeren).
Kaum ein anderer Betrieb im Trentino zeigt so gut die Facetten, die in dieser Rebsorte stecken. "Nach den Erfolgen des Gran Masetto auf internationalem Niveau, der zur Hälfte aus getrockneten Trauben besteht, haben wir uns zum Feiern unseres 125. Jubiläums im letzten Jahr an einen 100prozentigen Passitowein gewagt", erläutert Christine die Entwicklung zu den heutigen Ergebnissen. Und Vito Piffer ergänzt: "Wir wollten beim Gran Masetto Dolce eben probieren, wie weit wir mit dem Welken gehen können, ohne den Wein zu denaturieren und ihn noch als Teroldego erkennbar zu lassen." Dies scheint vollends gelungen, obwohl Paolo Endrici betont, noch in einer Studienphase zu stecken. Doch der Wein gibt genau das typische Profil des Terolgedos wieder: eine unendliche Fruchtigkeit mit deutlichen Noten von schwarzen und roten Beeren, samtige Tannine und ein gutes Säuregerüst, in derem Kontext die 11 Volumenprozent Alkohol kaum wahrzunehmen sind. Ein leichter Dessertwein zu herrlichen Mürbeteigkuchen mit Obst belegt, bevorzugt mit roten Früchten. Taste&Dream!
San Michele all'Adige, den 15. April 2011
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Hintergrundinformationen (für eventuellen Kasten):
Das Produktionsgebiet des Teroldego liegt im Norden Trentinos und südlich von Südtirol. Politisch gehören die beiden Regionen zusammen (Trentino-Alto Adige), doch weinbaulich unterscheiden sie sich sehr. Während in Südtirol (italienisch Alto Adige) auf zirka 5.000 Hektar vor allem die roten Rebsorten Vernatsch und Lagrein heimisch sind, sind es im Trentino mit seinen zirka 9.000 Hektar Rebfläche hauptsächlich der weltmännische Chardonnay für die Versektung des berühmten Trento DOC sowie die roten autochthonen Sorten Marzemino und Teroldego.
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