(openPR) Alle 90 Minuten kommt in Deutschland ein Kind mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt. Diese häufigste angeborene Organfehlbildung führt unerkannt oder unbehandelt in vielen Fällen zum Tode der Betroffenen. Die Kinderherzspezialisten am Klinikum der Universität München behandeln jährlich rund 500 kleine Herzpatienten. Die Fördergemeinschaft Deutscher Kinderherzzentren e.V. und die Abteilung für Kinderkardiologie am Klinikum der Universität München haben heute ihr erstes gemeinsames Forschungsprojekt der Öffentlichkeit präsentiert. Das Ziel: In der bildgebenden kardialen Diagnostik für kleine Herzpatienten soll die 3D-Echtzeit-Echokardiographie zum Standardverfahren werden. Das auf zwei Jahre angelegte Projekt hat ein Gesamtvolumen von rund 130.000 Euro und wird von der Fördergemeinschaft Deutsche Kinderherzzentren e. V. finanziert.
Untersuchungen mittels 3D-Echtzeit-Echokardiographie sind für Kinder in vielerlei Hinsicht wesentlich schonender als etwa eine Untersuchung mit dem Herzkatheter. Daher kann sie auch bei Bedarf beliebig oft wiederholt werden. Auch lange Transporte der kleinen Patienten über Krankenhausflure würden entfallen, denn wo immer nötig, könnte das transportable Ultraschallgerät zu den „Herzkindern“ kommen und nicht umgekehrt.
Vor allem aber optimiert die 3D-Echtzeit-Echokardiographie die Vorbereitung notwendiger Operationen. „Das Herz ist dreidimensional, warum dann nicht auch dreidimensional untersuchen? Je besser die Bilder sind, die wir von Seiten der Diagnostik liefern, desto besser für den Operateur und damit für das herzkranke Kinde“, beschreibt Dr. Robert Dalla Pozza, Oberarzt der Abteilung für Kinderkardiologie, der in Großhadern für die Durchführung der Studie verantwortlich ist, eine weitere Stärke dieser Methode.
Echokardiographie ist derzeit noch kein Standardverfahren
Viele Kinderkardiologen sind überzeugt, dass die 3D-Echtzeit-Echokardiographie die Diagnoseform der Zukunft ist. „Wir wissen bereits, dass sie exakte Funktionswerte der kleinen Herzen liefert, wir brauchen aber wissenschaftlich belegte Standards für die Bildaufnahmen und deren Auswertung sowie für den Vergleich zwischen den Geräten verschiedener Hersteller und unterschiedlicher Auswertungs-Software“, so Professor Netz Leiter der Abteilung für Kinderkardiologie und Pädiatrische Intensivmedizin. Diese Daten sollen mit dem neuen Forschungsprojekt innerhalb der nächsten zwei Jahre ermittelt werden.
Zahlreiche Kinder würden von einem neuen Standardverfahren profitieren
„Von der Entwicklung dieser Referenz- und Normwerte und deren Veröffentlichung werden viele Tausend kleinen Herzpatienten in ganz Deutschland profitieren“, ist auch Wolfgang Heer, Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Deutsche Kinderherzzentren überzeugt. Der gemeinnützige Verein finanziert die Studie mit Hilfe zahlreicher Spender und hofft hier auch auf die Münchner. „Es wäre schon, wenn uns auch in Bayern viele Menschen mit Spenden unterstützen.“
Um die Zuverlässigkeit der mit der Echtzeit-3D-Echokardiographie ermittelten Werte weiter zu erhöhen, werden die Untersuchungsergebnisse von insgesamt drei kinderherzmedizinischen Einrichtungen verglichen. Neben dem Klinikum der Universität München sind dies die Bonner Universitätskinderklinik sowie das Zentrum für Angeborene Herzfehler des Herz- und Diabeteszentrums Nordrhein-Westfalen in Bad Oeynhausen.
Hintergrundinformationen
Jeden Tag kommen in Deutschland 19 Kinder mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt. Diese häufigste Organfehlbildung bei Neugeborenen führt unerkannt und/oder unbehandelt in vielen Fällen zum Tode der Betroffenen. Oftmals müssen sie bereits direkt nach der Geburt oder in den ersten Lebenswochen behandelt und oft auch operiert werden. Für viele beginnt damit ein langjähriger Diagnose- und Therapiemarathon. Allein im Kinderherzzentrum der Universitätsklinik Großhadern werden jährlich 500 Kinder mit angeborenen Herzfehlern betreut.







