(openPR) Zum 31.3.2011 hat ein Hausarzt nach fast 30jähriger Tätigkeit seine Allgemeinpraxis geschlossen. Als Mitglied der Privatärztlichen VerrechnungsStelle (PVS) rhein-ruhr hatte er seine Praxis mit Kassensitz für 10 Euro zur Übernahme angeboten, weil er seine Patienten versorgt wissen wollte. Ohne Erfolg. Er hat seine Praxis liquidiert.
Aus Sicht der PVS unterstreicht dieses Beispiel einmal mehr die eklatante Situation der Ärzte: Statistisch gesehen bemühen sich in einzelnen Fachbereichen nur etwa 0,5 Bewerber um eine abzugebende Praxis, d.h. jede zweite ist unverkäuflich. “Verstärkt wird dieser Trend durch die von der Politik gewollten Entwicklungen im Bereich der Facharztpraxen“, hebt Rechtsanwalt Peter Scholich, Sprecher der Geschäftsführung, hervor. Als sichere Altersversorgung sei das Lebenswerk Arztpraxis nicht mehr zu sehen.
Einschränkung der ärztlichen Handlungsfreiheit, Punktwertverfall und Budgetierung sind neben der unkalkulierbaren Arbeitszeit und dem überbordenden Verwaltungsaufwand abschreckend für die Nachwuchsmediziner. Deshalb suchen immer mehr junge Medizinstudenten Arbeitsbedingungen, Aufstiegsmöglichkeiten und Verdienstchancen in anderen Berufsfeldern oder wandern in europäische Nachbarländer ab.
„Wenn es nicht gelingt, dafür zu sorgen, dass die Ärzteschaft ihre hohe Motivation behält, wird es in den nächsten Jahren sehr schwierig, das bisherige Gesundheitsniveau zu halten“, prognostiziert Dr. jur. Harro Herffs, Geschäftsführer der PVS rhein-ruhr GmbH, und hält an dem Grundsatz fest, dass gute Leistung entsprechend honoriert werden sollte. Gesellschaft und Staat seien deshalb aufgerufen, eine Form zu finden, wie Gesundheit finanziert werden soll, wie Eigenverantwortung gestärkt werden kann und was solidarisch finanziert werden muss.
Wer heute eine eigene Praxis gründen will, übernimmt mit dieser Entscheidung als Arzt eine nicht zu unterschätzende unternehmerische und wirtschaftliche Herausforderung. Die Rahmenbedingungen müssen stimmen, um das Wagnis der Niederlassung einzugehen.
Allein die Motivation der Ärzte ist der Garant für die bestmögliche Behandlung. Zum Erhalt dieser Leistungsbereitschaft gehört nach Ansicht der PVS eine Vergütungssystematik mit einer klaren leistungsgerechten Gebührenordnung. Das setze voraus, dass die Pauschalierung in eine sinnvolle Einzelleistungsvergütung umgewandelt wird, die sich an Qualitätskriterien orientiert.
Eine qualitätsorientierte ärztliche Behandlung kann nur dann auf Dauer erbracht werden, wenn eine betriebswirtschaftliche Kalkulation der Praxis Grundlage der Gebührenberechnung ist. „Der Arzt muss einen Gewinn erzielen, will er als Freiberufler wirtschaftlich unabhängig sein - auch seinen Patienten gegenüber“, machen die Geschäftsführer der PVS deutlich. Niemand arbeitet ohne adäquate Entlohnung. Die Politik sei aufgerufen, die Patientenversorgung – und nicht die Ökonomisierung – wieder in den Mittelpunkt der ärztlichen Tätigkeit zu stellen. „Nur so können wir den ärztlichen Nachwuchs für eine berufliche Tätigkeit begeistern“, mahnt Dr. Herffs.










