(openPR) Frühling in der arabischen Welt
Eine historisch einzigartige Freiheitsbewegung hat Nord-Afrika und den arabischen Raum erfasst. Gebannt verfolgt die Welt wie Diktatoren gestürzt werden und Menschen ihre Bürgerrechte einfordern. Einer der Menschen, die ihre Heimat bereits vor vielen Jahren aus politischen Gründen verlassen musste ist der Maler Joseph Bakir. Wir freuen uns den syrisch-kurdischen Künstler mit seiner aktuellen Ausstellung Buhar (kurdisch für Frühling) präsentieren zu dürfen. Joseph Bakir wird während der Ausstellung anwesend sein.
Ort: 1460 Galerie & Lounge
Datum: 31. März – 02. April
Beginn: 14.00 – 22.00 Uhr
Eintritt: Frei
Stimmen zum Werk
„Die in Joseph Bakirs Arbeiten behandelten Themen nehmen nicht selten Bezug auf seine eigene Geschichte als politisch Verfolgter, der seine kurdische Heimat (Syrien) 1997 verlassen und nach Deutschland emigrieren musste. – Aus seinem unerschöpflichen Ideen-Fundus bereichert Bakir seine Bildthemen mal mehr, mal weniger mit Facetten des Weltgeschehens und seines persönlichen Lebens – seine narrativen Kompositionen sind von überbordender Phantasie und mystischer Anmutung. -
Auf den zweiten Blick besticht Bakirs meisterlicher Farbauftrag. Er arbeitet ausschließlich in der klassischen Technik Öl auf Leinwand. Mit feinem delikatem Strich werden selbst nebensächlichen Bildbereichen Bedeutungen und Definitionen abverlangt. – Als oft wiederkehrendes Prinzip der Raumgliederung seiner Szenen schachtelt Joseph Bakir viele kleine Teilräume vom Bildvordergrund zum Bildhintergrund, als wären diese „Handlungsfacetten“ einer Perspektive unterworfen. Bei Bakirs politischem Hintergrund könnte man die voneinander abgegrenzten Parzellen des Bildraumes als einen Verweis auf eine von harten Staatsgrenzen durchzogene Welt interpretieren. – Die direkte Motivation für diese Bildergeschichten - liegt jedoch in Bakirs Bezugnahme auf die mesopotamische, persische und ägyptische Kunstgeschichte. In Mosaik und Miniaturmalerei dieser Kulturen wurde der Erzählraum so gegliedert, dass sich Bildsequenzen ähnlich wie Schriftzeichen aneinanderreihen. – Der Betrachter wird sich selten auf eine ruhige Landschaftsszene konzentrieren können, die Störungen demontieren das perfekte Idyll und geben ihm gleichzeitig räumliche und inhaltliche Tiefe als auch Spannung.“
Aus Narration des Raumes von Wolfgang Aichner, 2008
„Nicht nur handwerkliches Können, sondern auch ein außergewöhnliches Gespür für fantastische Farben, sowie ein Auge für zarte, sanfte Motive zeichnen Bakir aus. Seine Werke strahlen Ruhe und Harmonie aus. Die Farben sind frisch und jung, sie fordern den Betrachter zum stillen Zwiegespräch auf.“
Günter Kauffmann, 2006
„Sein Blick bemüht sich die seelische Geographie der verloren gehenden vertrauten Welt, täglich durch Tod und Entfernung verwüstet, wieder zusammenzusetzen. Aus dieser tiefen Machtlosigkeit gegenüber dem Zahn des Schicksals quellen Bilder hervor, erfüllt mit einer rätselhaft-suggestiven Atmosphäre. Bilder weit entfernt von jeder Rhetorik oder Künstelei. –
Das Licht. Ich finde bei Bakir die Besorgnis von metaphysischer Bindung gegenüber dem Licht, fast von Vermeerscher Art, indem er das Licht ziseliert. Vielleicht ist es Teil der Begründung der kaleidoskopischen Konstruktion seiner Arbeiten. Seiner Farbmischungen (das Blau des Wassers, das Ocker des Sandes und das Rot von Blut) verführen uns, um mit ihnen die Botschaft zu entschlüsseln.“
Aus Abstrakte Figuren von Xabier AURTENETXE, 2005
Die kurdische Ausgabe der Le Monde Diplomatique würdigte den Künstler in der November Ausgabe 2010 mit einer umfangreichen Werkschau.
Biographie
„Joseph Bakir wurde 1971 in der Provinz Efrin im Nordwesten von Syrien, genannt Kurdenberg, geboren und wuchs als sechstes von elf Kindern in einer armen Bauernfamilie auf. Er entwickelte schon früh eine Leidenschaft für Comics und Zeichentrickfilme und begann bald damit, jene aus dem Gedächtnis nachzuzeichnen. Am Ufer des Euphrats lernte er nicht nur das Schwimmen, sondern entdeckte auch seine Leidenschaft für Bildhauerei, indem er aus kleinen weichen Steinen erste Figuren formte. In dieser Zeit wuchs die Liebe zur Malerei und das große Talent des jungen Künstlers wurde sichtbar.
Im Jahre 1981 gewann er den 1. Preis in einem syrischen Kinderkunstwettbewerb und dieser erste Erfolg sollte auch nicht der Letzte bleiben. 1983 zog Joseph Bakir mit seiner Familie in die Handelsstadt Aleppo, in der er sich mit Hilfe seines älteren Bruders, an der Hochschule für Kunst einschrieb. Trotz ärmlicher Familienverhältnisse und oftmals schweren Bedingungen setzt der junge Künstler seinen Weg fort und gewinnt bereits im Alter von 17 Jahren den Preis für die beste Skulptur im Wettbewerb des Nationalen Museum von Aleppo.
In Damaskus begann Bakir 1990 an der einzigen Fakultät des Landes sein Studium für Bildende Kunst.
Nachdem er als Bester die Aufnahmeprüfung bestanden hatte, folgte bereits ein Jahr später seine erste große Gemeinschaftsausstellung mit anderen Nachwuchskünstlern im Kulturzentrum von Damaskus.
In dieser Zeit begegnete er dem Mann, der anschließend sein Professor wurde und seine Zukunft entscheidend beeinflusste. Fateh al Moudarres gilt noch heute als Vorreiter der modernen Kunst in Syrien.
1994 schloss er als Jahrgangsbester sein Studium ab und begann fortan als freischaffender Künstler zu arbeiten. Bald stellte sich jedoch heraus, dass dies in seiner kleinen Heimatstadt keine leichte Aufgabe war und deshalb beschloss er Anfang der 90er Jahre nach Beirut zu ziehen. Dort begann für den jungen Künstler eine lehrreiche Zeit. Um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, nahm er Nebentätigkeiten an und arbeitet unter anderem als Erntehelfer. Inspiriert von den Weinbergen, in denen er arbeitete, sowie den weiten Feldern der Granatapfelbäume beginnt sich sein eigener, individueller Malstil zu entwickeln.
Die Eindrücke der Natur verarbeitet Joseph Bakir bis heute in einer beeindruckenden und faszinierenden Art und Weise. Er versteht es die Weite der Natur in seinen Bildern perfekt umzusetzen und schafft es so seinen Werken diese unendliche Tiefe zu verleihen. Die verwendeten Farben sind lebensfroh und zart, seine Werke immer von hoher ästhetischer Qualität. Sie entführen den Betrachter und laden ihn zum Träumen ein. Landschaften und Menschen gehören zu seinen Motiven genauso wie Erinnerungen an seine Heimat, die er 1997 aus politischen Gründen verlassen musste. Seitdem lebt und arbeitet Joseph Bakir in Deutschland.“
Aus Wenn der Mond nur eine Lampe am Himmel wäre von Christiane Kauffmann, 2008
EINZELAUSSTELLUNGEN (Auswahl)
1995 Galerie Nassir Schora, Damaskus
1996 Galerie Khangi, Aleppo
2000 Mozart Nacht, Installation, Landsberg am Lech
2001 Galerie Am Kloster, München
2002 Eine Welt-Haus, München
2003 Künstler Haus, München
2004 Galerie Noack, Augsburg
2005 Drissien Galerie, München
2006 Galerie Kauffmann, München
2007 Bau zweier Skulpturen zu dem Thema Meerjungfrau, Hildesheim
2008 Messe, München
GRUPPENAUSSTELLUNGEN (Auswahl)
1991 Center der Kultur, Damaskus
1993 Galerie Aram, Damaskus
1999 Zimmer mit Absicht, Installation im Hotel Mariandl, München
2000 Glückshafen, Galerie Orangerie, München
2003 K, Galerie im Max-Forum, München.
2004 Galerie Am Eichholz, Murnau
2004 5 Maler, Stockholm, Schweden
2004 - 2005 Jahres Ausstellung der BBK Mitglieder, in der Galerie Der Künstler, München
2007 Galerie Mensing, München
2007 Herz für Herz, Stiftung, dss charity-art Gallery, München
2008 Winterausstellung, Inter Art Galerie Reich, Köln
2009 Galerie Carre dore, Monaco
2009 Trinkaus Galerie, Düsseldorf
Preise
1981 Erster Preis Syrischer Kinder-Kunst-Preis
1988 Erster Preis für die beste Skulptur, National Museum von Aleppo
1994 Auszeichnung für den besten Studienabschluss, Fakultät der schönen Künste, Damaskus
VERÖFFENTLICHUNGEN
Seit 1988 zahlreiche Zeichnungen für Zeitschriften und Magazine, sowie Interviews in verschiedenen Zeitungen, im Fernsehen und im Radio. Bakir arbeitet außerdem an einigen Filmprojekten für künstlerisches Design.
Seine Gemälde befinden sich in öffentlichen, wie privaten Sammlungen in Deutschland, Syrien, den Niederlanden, Kurdistan, dem Libanon, Belgien und den USA.












