(openPR) Von Arbeitsschutzbekleidung bis hin zu Isoliermaterialien für Häuser, technische Textilien sind heute nahezu überall im Einsatz. Die Branche gehört zu den innovativsten Wirtschaftsbereichen überhaupt: Analysten zufolge befindet sich der Sektor technische Textilien im Ranking unter den fünf High-Tech-Sektoren mit dem höchsten Entwicklungspotential für die Zukunft. Das Marktvolumen technischer Textilien beläuft sich derzeit weltweit auf 127 Milliarden US Dollar (ca. 97 Milliarden Euro). Dabei hat beim Verbrauch von technischen Textilien Asien mit 8,5 Millionen Tonnen die Nase vorn, gefolgt von den USA mit 5,8 und Europa mit 4,8 Millionen Tonnen. In Deutschland – gemeinsam mit den USA weltweit führend – liegt der Anteil der technischen Textilien am gesamten Textilumsatz inzwischen bei rund 52 Prozent. Technische Textilien werden vorwiegend für die Anwendungsbereiche Mobiltech (22 Prozent), Indutech (18 Prozent), Buildtech (10 Prozent) sowie Protech (10 Prozent) hergestellt und verarbeitet. Diese Verteilung hat – weltweit betrachtet – ebenfalls ihre Gültigkeit, wobei der Anteil im Anwendungsbereich Mobiltech dann laut Industrieverband Garne- Gewebe -Technische Textilien sogar auf 28 Prozent steigt.
Technische Textilien sind so vielseitig und so unterschiedlich einsetzbar, dass sie zur besseren Übersicht von der Fachwelt in neun Produkt- und zwölf Anwendungsbereiche wie Buildtech, Geotech, Mobiltech oder Sporttech unterteilt werden. Diese Nomenklatur wurde von den Veranstaltern der Techtextil, der internationalen Leitmesse für Technische Textilien und Vliesstoffe, in Zusammenarbeit mit den Ausstellern entwickelt und hat heute Bestand in der gesamten Branche.
Die Basis für den Erfolg der technischen Textilien bildet in erster Linie die Innovationskraft, die Gewebe, Gewirke, Vliesstoffe & Co. vor allem im Verbund entfalten. Denn: Rund 70 Prozent der technischen Innovationen hängen von Materialeigenschaften ab. (Allianz Faserbasierte Werkstoffe Baden Württemberg, AFBW, 2010) Ein ebenfalls sehr wichtiger Aspekt für das immense wirtschaftliche Potenzial, das funktionelle Textilien bieten, ist der Stellenwert, der einer diversiven Forschung beigemessen wird, um diese Innovationen zu entdecken und zu realisieren.
Innovationen als Triebfeder für Wachstum
Als derzeit innovativster Forschungsbereich gilt der Bereich der Kohlenstoff- und Keramikfasern. Deren Eigenschaften – extreme Festigkeit, außergewöhnliche Leichtigkeit sowie Belastbarkeit – machen sie zu einem wichtigen Bestandteil für Leichtbaumaterialien der Zukunft. Mit diesen einzigartigen Materialeigenschaften eröffnen sie ein sehr weites Spektrum an Möglichkeiten. Jüngstes Beispiel für den Einsatz der Fasern ist der Airbus A 380. Teile des Rumpfes und der Tragflächen des derzeit weltgrößten Verkehrsflugzeuges bestehen aus kohlefaserverstärktem Kunststoff, wodurch etwa 30 Prozent an Gewicht eingespart werden konnten.
Verstärkte Textilfasern tragen mit ihren spezifischen Eigenschaften auch zu Effizienz und Zuverlässigkeit bei Rotorflügeln in Windkraftanlagen bei. Und bei einem aktuellen Brückenbauprojekt werden die rund 60 Tonnen schwere Brückenplatte und die Bewehrung mit 1.400 Quadratmetern gewirktem Gelege verstärkt. Dieses besteht aus Glasfaserbündeln und wurde mit Epoxidharz imprägniert. Das Bauwerk ist somit rostfrei und damit insgesamt langlebiger.
Im Bereich der modernen Medizin wurde jüngst beim Innovationswettbewerb Medizintechnik des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) die Idee zur Entwicklung einer zellbesiedelten gestenteten Herzklappenprothese auf Basis von synthetischen Polyurethan-Zellträgern prämiert. Dazu soll eine synthetische, nicht resorbierbare Vliesstoffstruktur in Form einer Taschenklappe mit körpereigenen venösen Zellen besiedelt werden. Der Körper erkennt diese neue Prothese als körpereigen und Abwehrreaktionen wären damit vermieden.
Ebenfalls innovativ und erst seit wenigen Monaten auf dem Markt ist eine neuartige, modifizierte Acrylfaser, die flammhemmend, hitze-, UV- und lösemittelbeständig sowie säure- und basenbeständig ist. Sie eignet sich somit besonders für den Einsatz bei Schutzkleidung (Protech) ebenso wie in Rigipsplatten (Buildtech) oder im PKW-Sektor (Mobiltech).
Insgesamt geht die Branche davon aus, dass zukünftig verstärkt auch Innovationen zu erwarten sind, die sich dem Thema Umweltschutz und der Nutzung regenerativer Energien widmen. Diese Innovationen werden vor allem in den Bereichen Geo- und Landschaftsschutz (Geotech) Anwendung finden.
Bedeutender Wachstumsmarkt Mobiltech durch komplexe physikalische, chemische oder funktionelle Eigenschaften
Im Bereich Mobiltextilien (Mobiltech), zu dem unter anderem Automobil- und Schiffbau, Luft- und Raumfahrt, Schienenfahrzeuge, Krafträder sowie Fahrräder zählen, kommt es vor allem auf Leichtigkeit, gute Schalldämmung, UV-Beständigkeit, Festigkeit, Verformbarkeit und Abriebfestigkeit an. Den textilen Verbundwerkstoffen in der Fahrzeugproduktion werden derzeit weltweit exzellente Wachstumsaussichten bescheinigt. Ob Filter für Luft und Kraftstoffe, Fahrzeugplanen, Sicherheitsgurte, Verbundstoffe für Strukturbauteile, Formteile für die Innenausstattung oder Innendekor für Formteile, Sitz- bzw. Schonbezüge, Sitzformteile, Auto-Bodenbelag, Verschlusssysteme, Antriebsriemen und Schläuche, die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten technischer Textilien im Bereich des Automobil- bzw. Fahrzeugbaus bergen ein enormes wirtschaftliches Potenzial. Diese potentiellen Wachstumsraten bei den Mobiltextilien belegt auch folgendes Beispiel: Beträgt heute der Anteil von Textilien in einem PKW der Mittelklasse noch etwa 25 Kilogramm, wird sich der in wenigen Jahren auf 30-35 Kilogramm erhöhen. Anteilig werden davon 50-60 Prozent Vliesstoffe sowie Filze und 40-50 Prozent andere textile Flächengebilde sein. Experten gehen davon aus, dass zudem der Einsatz von Naturfasern bzw. Fasermischungen in der PKW-Produktion zunehmen wird. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Recyclingfähigkeit ist deren Einsatz sinnvoll. Darüber hinaus sind Naturfasern wesentlich leichter als Chemiefasern, was zu einer Gewichtsersparnis von bis zu 40 Prozent pro PKW führen kann (IVGT, 2010). Deutschland gilt hierbei als „Lead Market“ in diesem noch jungen Segment.
Neben der Fahrgastsicherheit und Gewichtsreduzierung spielt letztendlich auch der ökologische Aspekt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Mit faserverstärkten Verbundwerkstoffen lässt sich je nach Art des Bauteils bis zu 70 Prozent Gewicht einsparen und so zur CO2-Minimierung beitragen.
Weltweite Leitmesse Techtextil zeigt neueste Trends und Innovationen
Technische Textilien werden immer mehr zu technisch anspruchsvollen Textilien mit komplexen physikalischen, chemischen oder funktionellen Eigenschaften: Ob in Brücken, Luftfiltern, Flugzeugsitzen oder Feuerschutzanzügen – immer erbringen sie Effekte, die mit anderen Werkstoffen so nicht möglich wären. Der Trend bei technischen Textilien geht in Richtung Kosten- und Gewichtsreduktion, Energieeinsparung und Nachhaltigkeit. Besonders viel investiert die Branche dabei in die Forschung und Entwicklung neuer Werkstoffe. Die Ergebnisse textiler Forschung sowie innovative Lösungen werden im zweijährigen Rhythmus auf der Techtextil, der internationalen Fachmesse für Technische Textilien und Vliesstoffe, in Frankfurt am Main vorgestellt. Die Techtextil, die vom 24. bis 26. Mai 2011 stattfindet, konzentriert als Leitmesse sämtliche Produktgruppen sowie Anwendungsbereiche an einem zentralen Veranstaltungsort. Sie gilt mit 1.200 Ausstellern aus 45 sowie 24.000 Fachbesuchern aus 85 Ländern als Branchenpflichttermin. Hier finden Industrie, Forschung und Handel das gesamte Themenspektrum an technischen Textilien und Vliesstoffen in allen seinen Disziplinen auf einer weltweit einmaligen Innovationsplattform. Parallel zur Techtextil findet die Material Vision, Fachausstellung und Konferenz von Materialien für Produktentwicklung, Design und Architektur, sowie erstmalig die Texprocess, Internationale Leitmesse für die Verarbeitung von textilen und flexiblen Materialien (24. bis 27. Mai 2011), statt.
Mit der Techtextil, der Texprocess und der Material Vision finden drei branchenwichtige Messen zur gleichen Zeit an einem Ort statt – nicht nur synergetisch, sondern auch kosten- und zeittechnisch für Aussteller und Besucher gleichermaßen interessant. Diese Konstellation und dieses geballte Branchen-Know-how findet man in dieser Form nur in Frankfurt am Main während der Techtextil.
Mehr Informationen zur Techtextil 2011: www.techtextil.com













