(openPR) Symbolische Kunst- und Designobjekte – Hilfen für Transfer und Nachhaltigkeit in der Personalentwicklung
Von Prof. Dr. Lutz von Rosenstiel (Wirschaftspsychologe)
Das Problem ist bekannt und wird viel diskutiert. Mitarbeiter eines Unternehmens – insbesondere Fach- und Führungskräfte – besuchen eine anregende und gut konzipierte Seminarveranstaltung. Sie lernen Neues kennen, Bekanntes aus veränderter Perspektive zu betrachten, diskutieren einschlägige Probleme, erhalten umfangreiche Skripten oder gar Aktenordner, innerhalb derer das Gelehrte dokumentiert ist, bewerten die Veranstaltung am Ende nach Form und Inhalt äußerst positiv und sprechen lobend darüber mit ihrem Chef, mit Kollegen und Kolleginnen oder Mitarbeitern. Dann aber – zurückgekehrt an den Arbeitsplatz – ändert sich nichts. Ein Transfer – d. h. eine Übertragung des Gelernten in die Praxis des alltäglichen Handelns – findet nicht statt. Es fehlt der Veranstaltung, obwohl sie möglicherweise sogar begeisterte, an Nachhaltigkeit.
Selbstverständlich kann ein solcher Misserfolg viele Gründe haben. Ein künftig verändertes Verhalten des Trainierten hängt z. B. nicht allein von seinem guten Willen und seinem Können ab, sondern auch in starkem Maße von der Situation, den äußeren Umständen, wie etwa den informellen Geboten und Verboten oder den zur Verfügung stehenden Ressourcen. Manch einer will z. B. künftig häufiger und eingehender mit seinen Mitarbeite- rinnen und Mitarbeitern sprechen, aber wenn ihm die Zeit fehlt, wenn er ständig auf Dienstreisen von Ort zu Ort hetzt oder die Mitarbeiter selbst einen Großteil ihrer Arbeit unmittelbar beim Kunden verbringen, so kann die gute Absicht kaum umgesetzt werden. Personalentwicklung ist eben ohne Organisationsentwicklung nicht erfolgreich zu betreiben.
Dennoch, es liegt eben auch an der Person. Man nimmt sich in Folge des bei der Veranstaltung Gelernten das eine oder andere vor, ist wirklich besten Willens und glaubt sich auch in der Lage es umzusetzen, doch dann gehen die besten Vorsätze im Wirbel des Alltäglichen unter. Natürlich, man hat Unterlagen bekommen, einen schönen glänzenden, aber doch erschreckend dicken Ordner. Man hat vor in einer ruhigen Minute wieder einmal darin zu lesen. Aber diese ruhige Minute kommt nicht – oder wenn sie kommt – entspannt man lieber bei einer Tasse Kaffe oder einem Glas Bier mit den Kollegen oder versucht schlicht einmal abzuschalten. Darum haben sich manche mit didaktischem Talent einen Erfolg versprechenderen Weg ersonnen: »Memory- Cards«, kleine Kärtchen mit knappen Sprüchen, die die wesentliche Botschaft der Veranstaltung verdichtet wiedergeben, kann man in den Kalender legen, ans Telefon stellen oder – wenn es mehrer sind – einem Mobile gleich an die Lampe hängen. Da liest man etwa nach einem Seminartag über »Führen durch Vorbild«: »Wer führt hat das Ansehen! Denke immer daran, dass Deine Mitarbeiter Dich ansehen und Du im Guten oder Schlechten ein Vorbild für sie wirst!« Geht es um Unternehmertum im Unternehmen, so könnte der entsprechende Kurztext etwa lauten: »Denke daran, dass es leichter ist um Vergebung zu bitten als um Erlaubnis zu fragen!«
Das kann durchaus hilfreich sein, doch es hat seine Grenzen. Solche kleinen Kärtchen gehen häufig verloren, verschwinden im Berg ungelesener Papiere und zurückgestellter Aufgaben und landen schließlich versehentlich im Papierkorb. Außerdem sprechen Texte selten die gesamte Persönlichkeit an. Sie richten sich an den Kopf, ohne andere Sinne zu aktivieren. Dies kann durchaus bei kleinen Kunstobjekten anders sein, die eine Botschaft haben, die sprechen, wie das für jene heiteren oder ernsten Gestaltungen gilt, die wir bei invocem finden. Solche Objekte tragen ihre Botschaft nicht offensichtlich
zur Schau. Man muss sie deuten, sie interpretieren, man kann sie mit Anderen diskutierten. Es regt an, wenn ein Kollege meint, dass er hier eine ganz andere Botschaft entdeckt und Assoziationen verbalisiert, die in eine andere Richtung weisen. Außerdem sprechen die Objekte mehrere Sinne an; sie erfreuen auf Grund ihrer Ästhetik das Auge, überraschen durch ihren Witz, den Geist, nisten sich durch ein heiteres Wortspiel im Gedächtnis ein und schmeicheln durch ihre Form der Hand, die sie aufnimmt, dreht und wendet.
Meist werden es positive Gefühle sein, die durch die Betrachtung der Objekte wachgerufen werden. Man erinnert sich dann gerne an die Lehrinhalte, die damit verbunden sind und – das wissen wir aus der Gedächtnisforschung – Inhalte, die mit positiven Gefühlen verbunden sind, lernen wir leichter, und wir sind eher bereit die Botschaft auch anzugehen und umzusetzen.
Aber – vergessen wir dies nicht – die Objekte sind auch Kunst. Sie können um ihrer selbst willen, als zweckfreie Gestaltungen auf dem Schreibtisch, dem PC oder im Bücherregal stehen und uns schlicht erfreuen. Bis dann wieder eine Situation kommt, in der sie uns helfen, eine nützliche Idee aus der Lernsituation zu erinnern.
















