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70 Organisationen fordern Ende der grausamen Fuchsjagd

17.02.201108:42 UhrPolitik, Recht & Gesellschaft
Bild: 70 Organisationen fordern Ende der grausamen Fuchsjagd
Fallen fangen nicht selektiv: Opfer Dachs
Fallen fangen nicht selektiv: Opfer Dachs

(openPR) Füchse werden in den meisten Bundesländern wie kaum ein anderes Wildtier verfolgt - ganzjährig ohne reguläre Schonzeit. Der Gesundheitspolizist unserer Wälder wird dabei oft wie ein Schädling behandelt und auch mit besonders umstrittenen Jagdarten verfolgt, die andernorts längst verboten sind. Im Rahmen der bundesweiten Initiative "Schonzeit für Füchse" setzen sich nunmehr 70 Organisationen dafür ein, dass dem Fuchs mehr Schutz vor Nachstellungen zugestanden wird.

Fallenjagd: Verstümmelungen sind an der Tagesordnung

Deutsche Jäger töten jedes Jahr mehr als eine halbe Million Füchse. Nicht wenige davon werden in Fallen gefangen. Laut Gesetz sind zwar nur "sofort tötende" oder "unversehrt fangende" Fallen zugelassen, doch zeigen Studien, dass auch der Einsatz legaler Fallentypen zu übler Tierquälerei führt. Tiere, die in einer angeblich „unversehrt fangenden“ Kastenfalle gefangen werden, geraten oftmals in Panik, wenn sich die Falle schließt. Sie toben umher, verletzten sich selbst oder sterben an Kreislaufversagen. Totschlagfallen sollen das Tier, welches den Köder annimmt, dagegen durch den Schlag eines Metallbügels auf Hals oder Brustkorb töten. Wenn ein Fuchs oder Waschbär die Falle jedoch mit der Pfote auslöst, führt dies zu Quetschungen und blutigen Verletzungen bis hin zur Verstümmelung. Der österreichische Tiermediziner Hans Frey stellte bei Untersuchungen an mehreren hundert Füchsen fest, dass ein Drittel der Tiere schwere Laufverletzungen aufwies. In den Mägen mehrerer Füchse fanden sich Teile der eigenen Extremitäten, die sie sich bei ihren verzweifelten Versuchen, aus Totschlagfallen zu entkommen, selber abgebissen hatten. Hinzu kommt, dass Totschlagfallen nicht selektiv fangen. Es kann selbst bei sachgerecht aufgestellten Fallen nicht ausgeschlossen werden, dass statt eines Fuchses eine Hauskatze in der Falle stirbt.

Baujagd auf Füchse: Quälerei von Fuchs und Hund

Bei der Baujagd werden kleine, aggressive Jagdhunde in den Fuchsbau geschickt, um dort verharrende Füchse heraus zu jagen. An den Ausgängen warten währenddessen die Schützen darauf, zum Schuss zu kommen. Mutige Füchse lassen es bisweilen auf einen Kampf mit dem Hund ankommen, der im schlimmsten Fall für beide Beteiligten tödlich enden kann, meist aber zumindest zu gravierenden Verletzungen führt. In Internet-Foren zur Jagd finden sich zahlreiche Bilder übel zugerichteter Jagdhunde, mit denen Jäger die "Raubwildschärfe" ihrer Hunde beweisen. Es besteht ein breiter Konsens darüber, dass Wildtiere Rückzugsgebiete und Ruhezonen brauchen, in denen Eingriffe und Störungen vermieden werden sollten. Für die vielen Jägern verhassten Füchse scheint dies nicht zu gelten: Bei der Baujagd werden sie an genau jenem Ort bekämpft, an dem sie Schutz suchen, an den sich zurückziehen, wo sie ihre Jungen zur Welt bringen und während der ersten Wochen großziehen. Ihr letzter Rückzugsort wird so zur Falle, an dem sie in Panik versetzt und getötet werden.

Schliefanlagen: Die Leiden der "Übungsfüchse"

In so genannten Schliefanlagen werden Jagdhunde an lebenden Füchsen zur Baujagd abgerichtet. Die betreffenden Füchse werden oft zu Beginn der „Ausbildungssaison“ gefangen, zwischen den Ausbildungsabschnitten in Käfigen gehalten, und am Ende der Saison von Hund oder Jäger getötet. Die Schliefanlage selber besteht aus einem System von Betonröhren, durch das der abzurichtende Hund den Fuchs jagt. Um die Tötung des Übungsfuchses in frühen Phasen der Ausbildung durch den Jagdhund zu vermeiden, sind einzelne Abschnitte der Anlage durch Schieber abtrennbar. Dennoch kommt es Augenzeugenberichten zufolge immer wieder zu schweren, nicht selten tödlichen Verletzungen auf Seiten des Fuchses. Aus jagdlicher Sicht ist dies bisweilen durchaus nicht unerwünscht, da nur so "der Fuchs (...) in seiner unmittelbaren Wehrhaftigkeit (...) kennengelernt wird", wie Jagdautor Dirk Neumann schreibt. Unabhängig davon bedeutet das wiederholte Gejagtwerden für den Fuchs extremen Stress und Todesangst; er ist ohne Fluchtmöglichkeiten seinen Feinden Mensch und Jagdhund ausgeliefert, was bis hin zum Tod durch Herzinfarkt führen kann.

Fallenjagd, Baujagd, Schliefanlagen: Vielerorts bereits verboten

Angesichts dieser Grausamkeiten ist es wenig verwunderlich, dass diese Jagdarten sowie die Jagdhundeausbildung an lebenden Füchsen vielerorts bereits verboten wurden. Schlagfallenjagd und Schliefanlagen wurden 2008 in Österreich für tierschutzwidrig befunden und untersagt; im Schweizer Kanton Thurgau wurde letztes Jahr ein Verbot der Baujagd angekündigt. Dasselbe gilt für das Saarland, das deutschlandweit diesbezüglich eine Vorbildfunktion einnimmt: der Koalitionsvertrag der dortigen Jamaika-Koalition sieht zudem auch die Abschaffung von Fallenjagd und Schliefanlagen vor.

Bundesweit macht sich die Initiative Schonzeit für Füchse mit 70 beteiligten Organisationen dafür stark, diese besonders tierquälerischen Formen von Jagd und Hundeausbildung zu verbieten. „Eine Notwendigkeit für die Fuchsjagd besteht im Gegensatz zu den Behauptungen von Jagdorganisationen nicht“, erläutert Lovis Kauertz, einer der Initiatoren der Kampagne. „Füchse können mit jagdlichen Mitteln nicht reguliert werden, weil mehr Abschüsse stets zu einer deutlich ansteigenden Geburtenrate führen. Von Jägern werden diese nützlichen Tiere vielerorts zu Schädlingen herabgewürdigt – nicht zuletzt wohl auch, um brutale Jagdmethoden wie die Fallen- oder die Baujagd zu rechtfertigen. Es wird höchste Zeit, dass wir den Fuchs vor dieser Willkür und diesen Grausamkeiten schützen.“

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