(openPR) 11. Theorie-Praxis-Diskurs
„Interkultur – Begriffe, Konzepte, Strategien“
Dienstag, 08. Februar
16.00 – 20.00 Uhr
Raum Europa in der Staatskanzlei
Stadttor 1
40219 Düsseldorf
„Interkultur – Begriffe, Konzepte, Strategien“
Interkultur meint weder „Multikulti“ noch die simple Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Doch was genau bedeutet eigentlich Interkultur? Hinter dem Begriff Interkultur verbirgt sich ein komplexes Konzept, dass allen Menschen die Teilhabe am kulturellen Leben ermöglichen soll. Die Referenten der Veranstaltung am 08. Februar, Dr. Mark Terkessidis, Autor des Buches „Interkultur“ und Mik Aidt, der Direktor des Dänischen Zentrums für Kunst und Interkultur, werden die theoretischen Grundlagen, wie die praktische Umsetzung des Konzepts Interkultur erläutern und diskutieren.
„Einwanderung wurde oft als eine Art Störung der Harmonie in Deutschland betrachtet. Doch diese Harmonie hat nie existiert. Und Harmonie muss auch nicht immer das Ideal sein – aktuell haben wir es mit Dissonanz und Brechung, mit Unreinheit und Improvisation zu tun. Das bedeutet nun nicht, dass sich langfristige Planung nicht mehr lohnt – im Gegenteil: Sie muss aber flexibler werden. Wir stehen vor der großen Aufgabe einer interkulturellen Alphabetisierung. Und dabei lernen wir alle eine neue Sprache“, schreibt Mark Terkessidis in seiner letzten Buchveröffentlichung zu dem Thema Interkultur.
In den letzten Jahren standen immer wieder neue Begriffe im Zentrum der migrationspolitischen Debatte. Nicht immer waren sie mit erkennbaren Definitionen und Konzepten verbunden. Über die „Leitkultur“ wurde ebenso vehement diskutiert wie über „Multikulti“. Kernpunkt der Auseinandersetzung war oft die Vorstellung einer homogenen deutschen Gesellschaft. Die Realität in Deutschland aber ist mittlerweile pluraler, und die gleichberechtigte kulturelle Teilhabe aller Individuen ein Barometer der Demokratie. Teilhabe an Kunst und Kultur trägt, mit ihrem symbolischen, visionären und dialogischen Potential dazu bei, gesellschaftliche Positionen und Entwicklungen sichtbar zu machen und Dialoge zu fördern. Allerdings nur wenn gleichwertige Zugangsbedingungen gegeben sind und Identität stiftende Kategorien, wie Anerkennung, Zugehörigkeit und Austausch gefördert werden. Es sind eben nicht nur „harte“ Faktoren – wie die Untersuchungen des Soziologen Richard Florida belegen – die zu einer positiven gesellschaftlichen Entwicklung beitragen, sondern es sind gerade Elemente wie die kulturelle Vielfalt, die eine Evolution der Gesellschaft und ihrer Institutionen erst möglich machen. Eine „Evolution der Institutionen“ (Mark Terkessidis) ist also nicht nur die Voraussetzung, sondern gleichzeitig auch das Ziel einer nachhaltigen Strukturentwicklung.
Diesem Ziel hat sich auch das dänische Zentrum für Kunst und Interkultur (DCAI) verschrieben. Der Direktor des DCAI Mik Aidt koordiniert die Öffnung von Kultureinrichtungen unter dem Aspekt der kulturellen Vielfalt auf den Ebenen des Managements, der Verwaltung und Personalentwicklung. Außerdem unterstützt das DCAI aktiv Cultural Audience Development-Konzepte einzelner Kulturinstitutionen, wie auch die interkulturellen Strategien von Städten, Verwaltungen und Regionen. Mik Aidt wird von den Bedingungen und der praktischen Umsetzung des interkulturellen Programms in Dänemark berichten, während Mark Terkessidis die Begriffe, Konzepte und Strategien der interkulturellen Evolution erläutern wird, deren Kenntnis für die fundierte interkulturelle Arbeit unerlässlich ist.
Wir möchten Sie herzlich einladen, bei diesem 11. Theorie-Praxis Diskurs mit unseren Referenten interkulturelle Begriffe und Konzepte zu erörtern, Strategien für die interkulturelle Praxis zu diskutieren und das Projekt einer neuen, einer interkulturellen Sprache kennenzulernen.
Tina Jerman, Geschäftsführerin der EXILE-Kulturkoordination und Projektleitung von interkultur.pro wird als Moderatorin durch die Veranstaltung führen.
VERANSTALTUNG
Titel: „Interkultur – Begriffe, Konzepte, Strategien“
Datum/Uhrzeit: Dienstag, 08. Februar 2011, 16:00 – 20:00 Uhr
Ort: Raum Europa in der Staatskanzlei
Stadttor 1
40219 Düsseldorf
DER VERANSTALTER INTERKULTUR.PRO
Diese Gesprächsrunde ist die elfte Veranstaltung in der Reihe „Theorie-Praxis-Diskurs“, die als Austauschforum zwischen wissenschaftlichen Ansätzen und praktischen Erfahrungen die kulturelle Teilhabe von Migranten in NRW fördern soll. Die Reihe findet im Rahmen von interkultur.pro statt, einem Programm zur Professionalisierung des interkulturellen Kunst- und Kulturmanagements, das vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert wird (www.interkultur.pro).
PRESSEKONTAKTE
Organisation: Gabriela Schmitt – Tel. 0211-93800-22
Konzeption: Tina Jerman – Tel. 0201 -747 988 0 – E-Mail
Düsseldorfer Institut für Soziale Dialoge
Mintropstraße 20
40215 Düsseldorf
Tel. 0211-93800-36
Fax 0211-93800-29
www.interkulturpro.de
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Kurzbiografien:
Dr. Mark Terkessidis war von 1992 bis 1994 Redakteur der Zeitschrift „Spex“. 2001 gründete der Diplom-Psychologe mit Tom Holert das „Institute for Studies in Visual Culture“ (ISVC). Mark Terkessidis arbeitet und lebt als freier Autor in Berlin und Köln.
Er verfasste Beiträge zu den Themen Jugend- und Populärkultur, Migration und Rassismus unter anderem in: tageszeitung, Die Zeit, Freitag, Tagesspiegel, Literaturen, Texte zur Kunst. Außerdem ist Mark Terkessidis für den Westdeutschen Rundfunk, Radio Bremen, den DeutschlandFunk und als Moderator für Funkhaus Europa (WDR) tätig. Er ist Mitglied im Beirat des Goethe-Institutes im Bereich „Wissenschaft und Zeit-geschehen“, Mitglied in der internationalen Jury für den „BMW-Award für interkulturelles Engagement“, sowie in der Jury des „Hauptstadtkulturfonds“.
Buchveröffentlichungen:
Kulturkampf – Volk, Nation, der Westen und die Neue Rechte (1995); Herausgeber (mit Tom Holert) von Mainstream der Minderheiten – Pop in der Kontrollgesellschaft (1996); Psychologie des Rassismus (1998); Herausgeber (mit Ruth Mayer) von Globalkolorit – Multikulturalismus und Populärkultur(1998); Migranten (2000); Entsichert - Krieg als Massenkultur im 21. Jahrhundert (Zusammen mit Tom Holert); Die Banalität des Rassismus. Migranten zweiter Generation entwickeln einen neue Perspektive (2004); Fliehkraft. Gesellschaft in Bewegung – Von Migranten und Touristen (Zusammen mit Tom Holert, 2006); Interkultur (2010).
Mik Aidt ist Direktor des Dänischen Zentrums für Kunst und Interkultur (DCAI) in Kopenhagen. Das DCAI ist ein nationales Zentrum für Theorie, Kompetenz und Kommunikation über internationale Kunst und kulturelle Vielfalt. Das Zentrum arbeitet an der Entwicklung kultureller Vielfalt – sowohl national als auch in der auswärtigen Präsentation von Kunst aus Dänemark und soll die Kenntnis und Erfahrung zwischen Kunstschaffenden und Kultureinrichtungen verschiedener Länder vertiefen, um die interkulturelle Kompetenz in der Kunst und dem Kulturleben zu stärken.
Die Arbeit des Zentrums basiert auf den Grundwerten der UNESCO Konvention zum Schutz und zur Förderung kultureller Vielfalt. In § 8 ist festgehalten: „Interkulturalität“ meint „die Tatsache, dass gleichberechtigte Interaktion zwischen verschiedenen Kulturen existiert und dass die Möglichkeit besteht, gemeinsame kulturelle Ausdrucksformen durch Dialog und gegenseitigen Respekt zu schaffen.“
Das Zentrum verfolgt die Aufgabe, das kreative Potential zu stärken, das in der künstlerischen und kulturellen Begegnung liegt; die Schaffung einer nationalen Plattform zur Entwicklung eines vielfältigen Kunst- und Kulturlebens durch Netzwerke, Erfahrungsaustausch und Kooperationen; Kenntnis und gegenseitigen Respekt für verschiedene Kulturen und künstlerischen Ausdruck zu verbreiten und dazu beizutragen, dass Dänemark eine wichtige Rolle im Bereich kultureller Vielfalt in den nordeuropäischen Staaten und in einer globalisierten Welt einnimmt.











