(openPR) Lepra, Cholera und die Pest wüten in Regensburg? Was heute undenkbar ist, war im Mittelalter an der Tagesordnung. Mangelhafte Hygieneverhältnisse, hoch ansteckende Krankheiten und lebensgefährliche Heilmethoden kosteten viele Menschen das Leben. Die STADTMAUS-Führung "Von Quacksalbern und Wunderheilern" entführt in eine risiko- und nebenwirkungsreiche Zeit.
Unser heutiges Gesundheitswesen gilt als chronisch kranker Patient: steigende Krankenkassenbeiträge, Praxisgebühr, Ärztemangel auf dem Land sind nur einige der Kritikpunkte. Die Regensburger Bevölkerung des Mittelalters würde das als Luxusproblem empfinden, denn von einem Gesundheitssystem konnte damals keine Rede sein. Viele Dilettanten, selbsternannte Wunderheiler und Scharlatane zogen durch die Lande und rückten ihren Patienten oft mit wirkungslosen oder im schlimmsten Fall lebensgefährlichen Tinkturen und Behandlungen zu Leibe. Gerade Regensburg als bevölkerungsreiche mittelalterliche Metropole hatte viel unter Krankheiten und Seuchen zu leiden: Über fünfzig Pestepidemien suchten die Stadt heim, die letzte im 18. Jahrhundert. Pestinmänner mit ihren schnabelartigen Masken durchkämmten vor allem nachts die Straßen, um die Kranken und Toten abzutransportieren.
Zahnbrecher behandeln auf Jahrmärkten
Zwar gab es im Mittelalter ausgebildete Arzte, aber ihre Dienste konnten sich nur wohlhabende Bevölkerungsschichten leisten. Die meisten Kranken mussten sich von Quacksalbern mit meist bizarren Behandlungsmethoden traktieren lassen. Bei Zahnschmerzen konnte man die Dienste von Zahnbrechern in Anspruch nehmen, die auf Jahrmärkten auftraten. Sie gingen mit Hammer und Meisel zu Werk und wandten zur Schmerzlinderung Stechapfel- und Bilsenkrautabkochungen an. Zudem versetzten sie den Wimmernden durch heftiges Erschrecken in einen schockartigen Zustand und zerrten den Zahn ruckartig heraus. Damit andere potentielle Kunden das Geschrei des Patienten nicht hörten, lenkte ein Geselle durch Aufführungen und Kunststückchen die Gäste ab und übertönte durch eigene Lautstärke das Patientengeschrei. Auch die Bader arbeiteten als Arztersatz und hatten neben Frisieren, Massieren und Rasieren noch Aderlass, Schröpfen und Wundbehandlung im Angebot.
Eidechsenleber sorgt für jugendlichen Teint
Aus heutiger Sicht erscheint das Sortiment einer mittelalterlichen Apotheke nicht nur ungewöhnlich, sondern mitunter auch widerlich. Pillen drehte man mit Brot und Speichel und Schneckensaft galt als Mittel gegen Husten. Orientalische Fröhlichkeitspillen (mit Stechapfelsamen, Haschisch und Gewürzen) wurden ebenso verkauft wie Amulette und Talismane, die anerkannte Heil- oder Schutzmittel waren. Zum umfangreichen Angebot einer Apotheke zählten auch Kosmetika - wobei hier nach heutiger Erkenntnis Vorsicht geboten wäre. So diente Ameisensaft zum Färben der Wimpern und zerstoßene Eidechsenleber (viel Vitamin A!) verarbeitete man in Antifaltencremes.
Mehr wirkungsvolle Klistierchen und Pülverchen gibt bei der STADTMAUS-Erlebnisführung „Von Quacksalbern und Wunderheilern“.
Termine: 21.01.-02.04.2011 immer Freitag und Samstag um 19 Uhr
Preis: 14 €, erm. 11 €
Anmeldung: STADTMAUS, Telefon: 0941 - 230360-0
Weitere Informationen: www.stadtmaus.de













