(openPR) Es vergeht kaum ein Tag in Suedafrika, an dem Erneuerbare Energien nicht in Konferenzen und Workshops oder in der lokalen Presselandschaft diskutiert werden. Die oeffentliche Diskussion leistet dabei einen wichtigen Beitrag nicht zuletzt, um Druck auf die Regierung auszuueben, nun endlich die rechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen fuer den Einsatz der Erneuerbaren Energietraeger. Bisher sind „nur“ die Einspeisetarife beschlossen, die international verglichen, sehr attraktiv sind. Im Oktober diesen Jahres wurde das Energiekonzept der Regierung – der Integrated Ressource Plan II (IRP II) in einem ersten Entwurf veroeffentlicht. Der IRP II definiert den kuenftigen Energiemix und setzt die Kapazitaetsziele nach 2013 fuer saemtliche einzusetzenden Energietraeger fest.
Das Potenzial erneuerbarer Energien in Südafrika ist groß. Hohe Sonneneinstrahlung mit ueber 300 Sonnentagen nach Regionen im Jahr, lange Küstenlinien mit guten Windverhältnissen, große nicht besiedelte Flächen etc. begünstigen einen Energiemix zu Gunsten der Erneuerbaren Energien. Der IRP II sieht daher auch in einem ersten Entwurf vor, dass ab 2014 3.800MW in Wind- und ab 2016 400MW in Solarenergie implementiert werden sollen. Ab 2020 ist eine Kapazitaetserweiterung mit zusaetzlichen 7.200MW an Erneuerbarer Energie vorgesehen. In der Zwischenzeit wird mit dem IRP I und einer Gesamtkapazitaet von 1.025MW an regenerativer Energie die erste Phase der neuen Energieplanung umgesetz.
Seit die lokale Energieregulierungsbehoerde NERSA im Maerz bzw. November 2009 die Einspeisetarife REFIT I + II bekannt gab, ist das Interesse an Investitionen in Solar- und Windparks in Suedafrika sprunghaft gestiegen. Bei der Windenergie werden beispielsweise auf Basis des derzeitigen Wechselkurses ca. 0,12 EUR pro kWh und fuer Photovoltaikanlagen mit einer Kapazitaet von ueber 1 MW etwa 0,40 EUR/kWh gezahlt. Projektentwickler, meist mit Beteiligung von auslaendischen Unternehmen haben die besten Standorte bereits gesichert und nehmen u. a. Windmessungen vor und lassen Umweltgutachten erstellen, um die Voraussetzungen fuer die Zuteilung von Lizensen zur Energieproduktion zu erfuellen. Der Energieabnahmevertrag liegt in einem Entwurf vor, ausstehend ist allerdings immer noch ein entsprechendes Energieeinspeisegesetz.
Unabhaengig vom jeweiligen Projektentwicklungsstand haben alle Projektentwickler eines gemeinsam: sie muessen sich in Geduld ueben, bis die rechtlichen Rahmenbedingungen feststehen und angefangen werden kann, die Projekte zu realisieren.
In der Zwischenzeit werden die Auswahlkriterien fuer die Zuteilung von REFIT Lizensen an private Energiebetreiber, die per Februar 2010 vorgelegt und im Rahmen einer oeffentlichen Anhoerung von Interessengruppen kommentiert wurden, in eine endgueltige Fassung gebracht. Die finale Definiton der Auswahlkriterien wird aller Voraussicht nach fuer November/Dezember 2010 erwartet. Die bis dahin im Raum stehenden Kriterien, die private Energieproduzenten erfuellen muessen sind u. a. Uebereinstimmung mit dem Integrated Resource Plan und den fuer die REFIT Tarifen einsetzbaren Erneuerbaren Energietraegern, Akzeptierung eines Standard Energieabnahmevertrages, Projekte, die zur Netzstabilisierung beitragen und Leitungsverluste einschraenken, Projekte, die zur wirtschaftlichen Entwicklung an den jeweiligen Standorten beitragen, Projekte, die Arbeitsplaetze bereitstellen insbesonder fuer vormals benachteiligte Bevoelkerungsgruppen, vorangeschrittene Umweltgutachten, Finanzierbarkeit und kurzfristige Umsetzbankeit des Projektes.
Einer der naechsten Meilensteine wird zudem die finale Definition der nationalen Energieplanung (IRP II) sein. Neben Erneuerbaren Energien sind Kohle- und Nuklearenergie Bestandteil der Planung. Die spannende Frage dabei ist, welchen Anteil werden die jeweiligen Energietraeger haben bzw. welche Zuteilung stellt den optimalen und vor allem finanzierbaren Mix fuer Suedafrika dar.
Eskom als lokaler und staatlicher Energiemonopolist tut sich schwer, die anstehenden Projekte wie das zweite neue Kohlekraftwerk Kusile zu finanzieren. Zwar hat die Weltbank zwischenzeitlich Kreditzusagen fuer den Ausbau von Kohlekraftwerksprojekten in Suedafrika gegeben, allerdings musste aufgrund internationalem Drucks die Umsetzung von Erneuerbaren Energieprojekten in die Vertraege aufgenommen werden. Die Herausforderungen mit denen sich Eskom konfrontiert sieht, foerdert den Markteintritt privater Energieproduzenten. Die Regierung hat bereits 1998 eine schrittweise Liberalisierung des Energiemarktes versprochen und 2001 angedeutet, das 30% der lokalen Energie von privaten Stromproduzenten kommen soll. 9 Jahre spaeter ist der Markt noch immer nicht in dem von der Regierung angestrebten Mase reformiert. Zu Jahresanfang hatte Praesident Zuma und Energieministerin Peters die Einfuehrung eines von der Eskom unabhaengigen Netzsystembetreibers angekuendigt, um die Energieabnahme fuer private Kraftwerksbetreiber zu regeln. Der Vorstoss hat allerdings zu heftigen Debatten mit dem Ministerium fuer Staatsbetriebe, dem Hauptanteilseigner Eskoms gefuehrt. Eine Umstrukturierung in dem Bereich zum jetzigen Zeitpunkt wuerde die Finanzierungsbemuehungen Eskoms behindern und erschweren, so das Ministerium. Stattdessen soll innerhalb Eskoms mit einem unabhaengigem Department eine Uebergangsloesung die Energieabnahme von privaten Betreiber sicherstellen.
Aber kann der produzierte Strom auch in die Netze eingepeist werden ohne einen Ausbau der Netzinfrastruktur? Eine erste Studie im Western Cape hat ergeben, dass ca. 2,500MW an Windenergie ohne zusaetzliche Investitonen in das lokale Netz eingespeist werden kann. Gemaess Thembani Bukula, verantwortlich bei dem Energieregulierer NERSA u. a. fuer den Bereich Erneuerbare Energien muessen die vorhandenen Netzkapazitaeten ausgebaut werden. Derzeit verfuegt Suedafrika ueber ein Uebertragungs- und Stromverteilungsnetz mit einer Gesamtlaenge von ca. 50,000km. Wenn die Energieproduktionskapazitaet verdoppelt wird, muss in gleichem Masse auch die Netzinfrastruktur ausgebaut werden. Zudem muessen die Stromnetze als Smart Grid intelligenter werden, so Bukula. Smart Grids ermöglichen es, energie- und kosteneffizient zwischen Stromerzeugern und einer Vielzahl von Stromverbrauchern ein Gleichgewicht herzustellen. Erreicht wird das duch ein optimiertes Management von Energieerzeugung, Energiespeicherung, Energieverbrauch und dem Stromnetz selbst. Intelligente Stromnetze sind besser steuerbar und verfügen über Mechanismen zur Netzstabilität und Versorgungssicherheit. Zudem ermöglichen sie den in Zukunft steigenden Anteil an dezentraler Stromerzeugung zu integrieren und verbessern die Kombinierbarkeit von dezentraler Energieerzeugung mit herkömmlichen Kraftwerken. Einzeltechnologien für Smart Grids existieren bereits. Es gilt nun, diese Konzepte in das lokale Stromverteilnetz einzubringen.
Suedafrikas Markt fuer Erneuerbare Energie steckt noch in einer fruehen Phase der Entwicklung. Neben lokalen und internationalen Projektentwicklern tasten sich nunmehr auch Hersteller regenerativer Energietechnologie an den Markt heran. ESA-Meridian ist in verschiedenen Beratungsmandaten in diesem Marktsegment taetig und unterstuezt u. a. dem Aufbau einer lokalen Fertigung fuer Erneuerbarer Energietechnologie. Zudem ist ESA-Meridian Mitglied im Arbeitskreis „Erneuerbare Energie“ der Deutsch-Suedafrikanischen Handelskammer in Johannesburg.
Der Energiemarkt in Suedafrika ist zweifelsfrei ein sich sehr dynamisch entwickelndes Geschaeftsfeld und bietet vielfaeltige Ansatzpunkte fuer deutsche Unternehmen. Die Expertise deutscher Unternehmen im Bereich Regenerativer Energietraeger ist ueberaus interessant fuer Suedafrika, vor allem der Aufbau von Fertigungsstaetten. Zudem wird Suedafrikas Regierung zukuenftig verstaerkt „local content“ zur Entwicklung der heimischen Industrie foerdern. Fuer Suedafrikas Energiepolitik beginnt mit der Nutzung der heimischen Wind- und Sonnenressourcen eine neue Zeitrechnung nicht zuletzt mit dem Ziel, die eigene CO2 Bilanz nachhaltig zu reduzieren. Fuer deutsche Unternehmen der Branche eroeffnet es Chancen auf einem interessanten und neuen Markt.











