(openPR) Weihnachten, oder: "der Orgasmus des Kapitalismus"?
Diesen schönen Spruch habe ich im Internet gefunden, und musste darüber laut lachen. Leider war es eher ein Lachen aus Hilflosigkeit denn aus echter Erheiterung, denn der böse Sarkasmus ist leider nur zu ernst. Jedes Jahr laufen wir in die Läden und kaufen Dinge, die kein Mensch braucht, weil "man" das einfach so tut. Und warum tut "man" das? Weil uns Handel, Werbung, Gewöhnung und Gruppenzwang unweigerlich in den Weihnachtskaufrausch führen. Oft allen guten Vorsätzen zum Trotz und manchmal sogar entgegen alle Vernunft außerhalb unserer finanziellen Möglichkeiten.
Ich bin der letzte Mensch, der Weihnachten abschaffen würde, ich liebe diese stressige Zeit und das festliche Drumherum und freue mich auch sehr über Geschenke - wenn sie denn von Herzen kommen, mit Bedacht ausgewählt wurden und mir sagen: "ich habe an dich gedacht, ich möchte Dir etwas Gutes tun!"
Auf die Geschenke, die aus Verlegenheit und Verpflichtung gemacht werden kann ich allerdings gerne verzichten, da ist mir eine ernstgemeinte Weihnachtskarte oder Umarmung allemal lieber. Ich glaube, eigentlich geht es vielen Menschen so, es traut sich aber kaum einer, unterm Weihnachtsbaum zu stehen und zu sagen: "Du, mir ist nichts Tolles und Sinnvolles für Dich eingefallen, deshalb bekommst Du heute nur einen dicken Kuss!". Stellen Sie sich vor, Ihre Frau würde dies zu Ihnen sagen….Nach anfänglicher Verwunderung und dickem Schlucken wären Sie sicher erleichtert, nicht schon wieder ein paar Unterhosen oder eine tolle neue Krawatte zu bekommen, oder?
Um das Geschenkedefizit in meiner Umgebung wieder auszugleichen bin ich ein großer Verfechter von "unter-den-Jahres-Geschenken". Das sind Dinge, die ich im Geschäft sehe und bei denen ich spontan an eine bestimmte Person denken muss. Liegt diese Entdeckung zeitlich nah bei deren Geburtstag (oder auch Weihnachten), umso besser, dann hebe ich es bis dahin auf. Ist dem aber nicht so, so schenke ich es sofort. Ein modisches Sommerkleidchen bis Weihnachten aufzuheben macht wenig Sinn, aber die Überraschung und Freude der Freundin mitten im Jahr macht ein ausfallendes Weihnachtsgeschenk allemal wett!
Natürlich gibt es auch andere Alternativen zum leeren Platz unterm Weihnachtsbaum:
Für kleine Kinder ist das Auspacken ist oft interessanter als der Inhalt, sie sind mit vielen Geschenken überfordert und folgen bekanntermaßen keiner Logik. Wer kennt darum nicht die enttäuschten Blicke der Großeltern, wenn am Weihnachtsabend die Geschenke eines nach dem anderen aufgerissen werden und ein Plastikarmband genauso viel Begeisterung erntet wie das dritte Baby Born-Outfit oder der teure Buggy?
Schenken Sie doch alternativ den Schwimmkurs fürs nächste Jahr und kaufen zum Einpacken nur eine kleine Schwimmbrille. Schön ist auch ein aufwändig verpacktes Überraschungsei zur Zahnzusatzversicherung, oder ein kleines Lego-Set zum Musikunterrichtgutschein. Mit solchen Kombinationen wird man sowohl beim Kind als auch bei den Eltern zum Star des Abends.
Bei größeren Kindern könnte man sich das Fahrrad für den Sommer aufheben und zu Weihnachten als Vorbote einen coolen Fahrradhelm schenken, den kann das Enkelkind wenigstens schon jetzt tragen.
Aus dem Nicht/Alternativ-Geschenke-Personenkreis fallen nur Teenager vollkommen heraus, die haben eigentlich immer konkrete Wünsche, sei es die heiße Designerjacke oder "das" neue Computerspiel.
Für uns Erwachsene ist dies mein Motto: "Die Kunst des Schenkens liegt darin, einem Menschen etwas zu geben, was er sich nicht kaufen kann.“ (Alan Milne) Schenken Sie statt Sachen und Dingen vielleicht eine Dienstleistung, die das Familienbudget normalerweise nicht hergibt, z. Bsp. einen Massage- oder einen Edelcoiffeurgutschein. Auch die Übernahme eines (oder mehrerer) notwendiger Versicherungsbeiträge macht viel Freude und ein kleiner Bonus für das Urlaubskonto lässt die schönste Zeit des Jahres gleich viel näher rücken
Zum Schluss habe ich noch den ultimativen extra-Tipp für Ehemänner, die sonst immer Schmuck schenken: ich kenne keine Frau, die sich nicht eine Putz- oder Bügelhilfe wünscht…
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute Zeit und verbleibe mit einem letzten Zitat von Kurt Marti: die Ware Weihnacht ist nicht die wahre Weihnacht!









