(openPR) Die Wirtschaftskrise hat auch im Beratungs- und Consultingmarkt Spuren hinterlassen. Christoph Weyrather, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater, sieht im Gespräch mit der Neunsight, dem bundesweit einzigen Magazin für Business Development und Wirtschaftspsychologie lvor allem für spezialisierte Beratungsunternehmen große Wachstumschancen, um neben den Bergers und McKinseys auch in Zukunft zu bestehen.
Es scheint so, als wäre die Wirtschaftskrise vorüber. Wie hat sich die Krise auf dem Beratungsmarkt ausgewirkt?
Christoph Weyrather:
Die weltweiten, konjunkturellen Einschnitte sind 2009 auch an der Unternehmensberaterbranche nicht spurlos vorbeigegangen. Wichtige Klientenbranchen wie der Maschinenbau und die Automobilindustrie mussten kräftig Federn lassen und hatten infolge auf die Investitionsbremse getreten. Das hat 2009 zu einem Umsatzrückgang im deutschen Consulting von rund drei Prozent geführt.
Ist zu erwarten, dass viele Unternehmen ihre arg gekürzten Budgets für Berater wieder erhöhen angesichts der wirtschaftlichern Erholung?
Christoph Weyrather:
Der BDU führt alle drei Monate eine Geschäftsklima-Befragung unter den Verbandsmitgliedern durch. Der Indexwert hat sich seit Herbst 2009 stetig verbessert. Sowohl die Geschäfts- als auch die Auftragslage wird deutlich freundlicher bewertet.
In welchen Themen- und Beratungsfeldern sieht der BDU für seine Mitglieder in näherer Zukunft noch Wachstumschancen?
Christoph Weyrather:
Besonders dort, wo der technologische Fortschritt ständige und schnelle Anpassungen oder Veränderungen notwendig macht. Aber auch Themen wie Nachhaltigkeitsmanagement, Kooperationen oder Compliance besitzen Wachstumspotenzial. Grundsätzlich lässt sich feststellen: Die Welt wird zunehmend komplexer und benötigtes Wissen immer spezieller. Dies führt dazu, dass die Unternehmen sich das Know-how lieber projektbezogen hinzukaufen und nicht jede noch so kleine „Wissensnische“ mit eigenen Mitarbeitern besetzen.
Viele kleine Beratungs-Unternehmen haben sich spezialisiert und Nischen gefunden. Wird dieser Trend anhalten, weil die großen Beratungen in immer neue Märkte vordringen?
Christoph Weyrather:
Spezialwissen wird immer gefragt sein. Nicht ohne Grund ist die Zahl der Unternehmensberatungen mit klarem Fokus auf Themen wie Preisgestaltung, Einkaufsoptimierung oder eine bestimmte Branche in den letzten Jahren stetig gestiegen. Solche Marktteilnehmer sind vielfach sehr erfolgreich mit dieser Strategie. Die großen sind viel mehr wachstumsgetrieben und müssen ihre Betätigungsfelder immer wieder erweitern, damit die internen Karrieremodelle vom Juniorberater bis hin zur Partnerebene weiter funktionieren können.
Wie sieht es im Mittelstand aus, der bisher auf die Hilfe der McKinseys oder Berger´s auch aus Kostengründen verzichtet hat. Wie sind Ihre Erfahrungen?
Christoph Weyrather:
Große mittelständische Firmen in konzernähnlichen Strukturen arbeiten auch mit großen, internationalen Unternehmensberatungen zusammen. Der klassische Mittelständler greift hingegen gerne eher auf sein Pendant aus dem Consulting zurück. Und dabei besonders auf einen berufserfahrenen Berater, der auf Augenhöhe agiert und viel Lösungskompetenzen aus eigenen Leitungsfunktionen in der mittelständischen Wirtschaft mit in die Projekte einbringen kann.
Vielfach ist festzustellen, dass bei Beratungsleistungen im Mittelstand die persönliche Beziehung zwischen Berater und Unternehmensinhaber eine entscheidende Rolle spielt. Wie schätzen Sie diese Tendenz ein?
Christoph Weyrather:
Ein wichtiges Kriterium für den späteren Projekterfolg besteht sicherlich nach wie vor darin, dass die Chemie zwischen dem Auftraggeber und seinem Berater stimmt. Ohne Vertrauen in das fachliche Wissen und die persönliche Integrität des Beraters besteht die Gefahr, dass der Auftraggeber nicht alle wichtigen Informationen offen legt und die Qualität der späteren Projektergebnisse negativ beeinflusst.
Spielt nach Ihren Erfahrungen auch die Psychologie eine entscheidende Rolle bei der Beraterauswahl? Beispielsweise ob die Chemie zwischen beiden Seiten stimmt?
Christoph Weyrather:
Ja, wie bereits gesagt: Ohne eine gemeinsame Verständnisebene wird es nur halb so gut gehen. Die Entscheider im Unternehmen sollten aber auch berücksichtigen, wie der Berater zu den Mitarbeitern passt. Bei fast allen Projekten ist die offene Einbeziehung der Mitarbeiter von entscheidender Bedeutung. Aber mindestens genauso wichtig bleibt die klare Festlegung der Projektziele und – schritte.
Sind kleinere Beratungen dazu verdammt, um an größere Beratungsbudgets zu kommen, Kooperationen mit Dritten einzugehen oder nur Teilberatungsleistungen anzubieten?
Christoph Weyrather
Das hängt nicht zuletzt von der Themenstellung ab. Manchmal ist einfach nur das Spezialwissen einer kleinen Unternehmensberatung in einem umfangreicheren Projekt gefragt und völlig ausreichend. Daneben gibt es aber auch genügend Fälle, in denen Kooperationen notwendig sind, um das Kompetenzspektrum zu erweitern und hierdurch überhaupt eine realistische Chance für den Zuschlag für ein Beratungsprojekt zu erhalten. Dies fällt natürlich umso leichter, je besser sich die Unternehmensberatungen untereinander kennen und vertrauen. Ein Grund, warum es auf der Ebene des BDU regelmäßig zu solchen Kooperationen kommt.
Interview: Michael Storks
Weitere Informationen unter www.neunsightlive.de













