(openPR) Ein strittiger Trendbegriff aus Amerika macht Furore: Relational Design in der Kritik
Nicht jeder, der einen Computer besitzt und sich in den üblichen Social Media Portalen herumtreibt, ist aufgrund seiner Web2.0-Affinität gleich ein professioneller Designer. So lautet in etwa die Kernkritik von Ann-Kathrin Stoltenhoff zu dem von Andrew Blauvelt geprägten Begriff „Relational Design“. Blauvelt, seines Zeichens Grafikdesigner und Leiter des Design Studios im Walker Art Center in Minneapolis, entwirft in seinem Artikel eine schöne neue Welt eines Designproduktes, dessen Produktion sich zunehmend in die Hände der Konsumenten verlagere. Blauvelts Resumee zu dem Phänomen der medialen Partizipation so genannter User am Designprozess fällt durchweg positiv aus. „Und das ist es, was ich kritisiere“, so Stoltenhoff. Sie studierte Medienpädagogik in Hamburg und forscht seit Jahren über die mit den Neuen Medien einhergehenden Veränderungen. „Bei meiner eigenen Arbeit im Bereich Konzeption und Gestaltung fällt mir immer wieder auf, dass sich heute jeder als Profi in diesem Bereich versteht, sei er nun Buchhalter, Musiker oder IT-Spezialist. Kollegen kennen dies Phänomen ebenfalls und es erschwert professionelle Arbeit erheblich.“ Stoltenhoff beschreibt ihre Tätigkeit so: „Wir produzieren zwar konkrete Produkte wie Broschüren oder Magazine oder Logos – vorrangig entwickeln wir aber Pläne und Ideen für Unternehmensdarstellungen und beraten unsere Kunden sehr individuell.“
Und hier sieht sie Blauvelts Optimismus kritisch. Erfahrungsgemäß sei es nicht ratsam, einen in der Gestaltung unerfahrenen Kunden machen zu lassen, was ihm spontan gefällt; die Konzeption und Realisierung einer Marke oder Corporate Identity für Unternehmen sei ein sehr komplexer Prozess, daher gebe es ja den Beruf des Designers.
Stoltenhoff gibt augenzwinkernd ein anschauliches Beispiel: „Mein Haus lasse ich ja auch von einem erfahrenen Architekten und seinem Statiker bauen. Natürlich kann ich Wünsche äußern und meine persönlichen Bedürfnisse und Lebensgewohnheiten sollten in die Planung einfließen – dennoch ist der Architekt letztlich derjenige, der die Pläne erstellt und auch die Verantwortung dafür übernimmt, dass am Ende die Badewanne nicht durch den Boden auf den Herd fällt. Wir empfinden die Verantwortung gegenüber unseren Kunden und ihren Projekten sehr stark und sehen in der Ansicht von Theoretikern wie Blauvelt eine Utopie, die wenig mit der Lebensrealität zu tun hat und noch weniger mit der Arbeit eines gut ausgebildeten Gestalters.“
Die ausführliche, etwas akademisch anmutende Kritik in englischer Sprache und eine ausführliche Herleitung des Begriffes finden Sie auf den Seiten des büro stoltenhoff unter folgendem Link:












