(openPR) Am 23. September wird um 18.00 Uhr die Ausstellung des zweiten diesjährigen Stipendiaten der Malerkolonie Willingshausen in der Kunsthalle der Malerkolonie eröffnet. Bernhard Balkenhol, der Kurator des Stipendiaten, beschreibt Michael Göbels Schaffen mit folgenden Worten:
Dörfer sind wie kleine Seen, die von Straßen und Wegen gespeist werden. Von den Menschen aus gesehen, die darin wohnen, könnte man auch von Inseln sprechen, die sich in der Landschaft gebildet haben. Auf diesen Inseln haben sich die Bewohner wiederum eigene kleine Inseln gebaut, Orte, an und in die sie sich zurückziehen können, wo sie geschützt sind vor den Blicken und Zugriffen der Anderen. Darin wiederum, oft über Treppen erst erreichbar, gibt es noch privatere Inseln, die Zimmer, wo jeder ganz für sich sein kann. So jedenfalls sieht Michael Göbel das, der jetzt drei Monate in der Künstlerkolonie Willingshausen verbracht hat, und nennt seine Stipendiatenausstellung „Inseln“.
Zu sehen sind großformatige Zeichnungen von den Zäunen und Hecken, die die einzelnen Inseln abschotten. Zu sehen sind Treppen, als fast nicht sichtbare Bilder auf transparenten Glasscheiben. Und zu sehen sind Fotografien von beleuchteten Fenstern in der Nacht, die die Neugierigen anziehen wie die Mücken das Licht.
Das alles könnten schöne bunte „Inseln“ sein, wenn die Zeichnungen nicht ausschließlich mit dem lichtesten Grau eines Filzstiftes gezeichnet wären, graphisch und ohne jegliche Handschrift. Michael Göbel verweigert sich der Farbigkeit und übersetzt das fotografisch erfasste Bild in eine graue Parallelschraffur – als würden sich das Motiv, die Mauern und der Bewuchs, gegen die Sichtbarkeit wehren. Nicht anders ergeht es den Treppen. Durch das Kameraauge aufgenommen erscheinen sie auf dem Glas wie auf einem Fenster. Und schließlich die Leuchtpunkte in der dunklen Nacht, die hellen Fenster, auch sie gewähren keinen Einblick, beleuchten nur die Grenze zum Privaten, die Vorhänge und den Fensterschmuck als minimalsten Verweis auf die Bewohner.
Zu sehen ist auch ein „Dampfer“, der am Dorfrand angelegt hat, ein aufgebockter Tanzboden, der sich mit seinen Lampions über dem Trubel erhebt – auch eine Insel, zum Tanzen und zu fröhlich ausgelassener oder zärtlicher Zweisamkeit. Allerdings ist es schon Nacht und der Tanzboden verlassen in dunklem Blau. In seiner Größe um die Hälfte geschrumpft und verschwunden in der Wand, ist er wie eine Erinnerung an etwas, das – so ähnlich, vielleicht gestern? – einmal war.
Michael Göbel empfängt die Besucher mit einer gelben Regenjacke. Sie ist festgehalten in einem Kubus gleicher Farbe. Er selbst ist vorher ausgestiegen.
Michael Göbel, geb. 1973, studierte Bildende Kunst an der Kunsthochschule Kassel bei den Professoren Alison Knowles, Rob Schulte und Urs Lüthi, bei dem er 2002 auch seinen Abschluss machte, und visuelle Kommunikation bei den Professoren Nicolaus Ott und Bernard Stein. Seitdem arbeitet er als Grafiker und freier Künstler (und auch als Kurator) in Kassel.
Bernhard Balkenhol
Öffnungszeiten:
Di. – Fr. 14 – 17 Uhr, Sa. / So. 10 – 12 und 14 – 17 Uhr und nach Vereinbarung
Führungen durch den Künstler nach Vereinbarung.
Das Künstlerstipendium Willingshausen wird getragen von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und art regio – einem Kulturengagement der Sparkassenversicherung, von der Gemeinde Willlingshausen und dem Schwalm-Eder-Kreis.













