(openPR) Längst müssen sich viele Firmen mit illegalen Kopien ihrer Produkte auseinandersetzen. Dass sie aber auch gezielt von ausländischen Geheimdiensten ausgespäht werden, das können sich viele mittelständische Unternehmen nicht vorstellen. Dennoch: „Nordrhein-Westfalen ist als Standort zahlreicher Unternehmen der Spitzentechnologie für fremde Nachrichtendienste außerordentlich attraktiv“, bestätigt Reinhard Vesper vom Verfassungsschutz NRW. Die IHK Mittlerer Niederrhein unterstützt die Arbeit des Verfassungsschutzes und bietet am 21. September gemeinsam mit anderen IHKs beim 6. Außenwirtschaftstag NRW in Münster einen Workshop zum Thema Sicherheit im Auslandsgeschäft an.
„Gerade die zahlreichen Hidden Champions in Nordrhein-Westfalen, die sich in ihren speziellen Nischen zu internationalen Markt- und Technologieführern entwickelt haben, laufen Gefahr, Opfer zielgerichteter Wirtschaftsspionage zu werden“, betont IHK-Geschäftsführer Roland Meißner, der bei der IHK neben Technologie und Innovation auch für Außenwirtschaft zuständig ist. Er hält es für eine Illusion zu glauben, nur große Technologiekonzerne seien betroffen: „Mit dem Exporterfolg wächst das Interesse ausländischer Nachrichtendienste am Know-how der Unternehmen aller Größenklassen.“
Betroffen von Wirtschaftsspionage sind alle Branchen, so Verfassungsschützer Vesper, wobei besonders Maschinenbau, Chemie, Luft- und Raumfahrt, Materialforschung und der Bereich Energieeffizienz im Visier der Wirtschaftsspione sind. Dabei gehe es nicht nur um Produkte, sondern auch um technische Informationen und Unternehmensstrategien, die von wirtschaftlichem Wert sind. Diese werden dann gezielt über die Nachrichtendienste den Konkurrenten deutscher Unternehmen im Ausland zugespielt.
Der Schaden, der durch Wirtschaftsspionage entsteht, wird auf 50 Mrd. Euro jährlich geschätzt. Fachleute vermuten, dass jede fünfte deutsche Firma schon einmal betroffen war, was die Unternehmen allerdings nicht einmal selbst gemerkt haben müssen. Die Dunkelziffer ist naturgemäß hoch. Für Meißner ist deshalb klar, „dass auch Unternehmen vom Niederrhein bereits durch Wirtschaftsspionage geschädigt worden sind“.
Laut Verfassungsschutzbericht 2009 sind es vor allem die Nachrichtendienste Russlands und Chinas, die in Deutschland aktiv sind. Immer stärker treten zudem Länder des Nahen und Mittleren Ostens sowie Nordafrikas auf. Aber auch viele andere Länder haben und nutzen ihre Möglichkeiten zur illegalen Ausforschung deutscher Unternehmen.
Die betroffenen Betriebe werden auf den verschiedensten Wegen angezapft. Mängel in der IT-Sicherheitstechnik machen es den Spionen mitunter leicht. Der Einstieg gelingt oft über das Internet, verschenkte USB-Sticks oder CDs. Oder es sind Praktikanten, die wichtige Informationen mitgehen lassen. Eine besondere Schwachstelle, so der Verfassungsschutzexperte Vesper, sind Mitarbeiter auf Auslandsreisen, die sensible Informationen oft unzureichend geschützt auf mobilen Datenträgern mitführen.
Trotz der hohen Zahl von geschädigten Unternehmen bleibe das Thema vor allem im Mittelstand leider ein Tabu, so Vesper. Die Angst vor einem Imageschaden im Falle des Bekanntwerdens sei verständlich. Dennoch appelliert er an die Unternehmen, in jedem Fall den Verfassungsschutz zu kontaktieren: „Wir beraten die Unternehmen vertraulich und machen auf Sicherheitslücken aufmerksam.“
Termin: Workshop „Internationales Geschäft – nichts ist sicher?“ beim IHK-Außenwirtschaftstag NRW am 21. September 2010 in Münster. Informationen und Anmeldung: www.ihk-aussenwirtschaftstag-nrw.de




