(openPR) Weit gereist und sehr erfahren erfindet er das Thema Modefotografie immer wieder neu. Der Schwerpunkt von Fotograf Det Kempke liegt in der Fotografie von Celebrities. Seine Liste von fotografierten Promis ist lang, seine Persönlichkeit trotzdem bodenständig und sehr sympathisch. Er erzählt in seinen Bildern gern Geschichten, seine Inszenierungen sind einfach bis opulent. Sein letzter schöner Job war ein Burlesque-Shooting mit Nina Bott. Heute erzählt er uns von seinen Shootings und seiner sehr abwechslungsreichen Arbeitswelt.
Stell dich bitte kurz vor und erzähle uns etwas über deinen Werdegang.
Det Kempke, geboren 1963, aufgewachsen in Ummeln, einem kleinen Dorf bei Bielefeld im Ostwestfalen. Klingt nicht spannend ist es auch nicht (lacht). Studium an der FH Dortmund, dann über Düsseldorf mit Abstechern in London, Paris und New York nach Hamburg. Diplomdesigner und Mitglied beim BFF.
Was macht für dich ein gutes Bild aus?
Ein gutes Bild lässt mich innehalten, unterhält mich, erzählt mir Geschichten, stellt mir Fragen. Es kann ungewöhnlich oder klischeehaft sein. Immer aber sehe ich, dass der Autor sich Gedanken gemacht hat , dass er eine Vision oder ein Gefühl verfolgt hat und mich als Betrachter an allem teilhaben lässt.
Meine Bilder beschreibe ich mit den Worten narrativ, cinematografisch, die Welt meiner Fotografie ist eine Bühne, auf der ich Geschichten erzähle: mal dramatisch, mal opulent, mal einfach, mal ungewöhnlich, mal als Hommage, mal als augenzwinkerndes Klischee. Hoffentlich immer als gutes Bild, das etwas beim Betrachter auslöst.
Du hast häufig Shootings mit Celebrities. Ist der Umgang beim Shooting ein anderer als mit „normalen“ Modellen?
Celebrities sind auch nur Menschen. Weil sie in der Öffentlichkeit stehen, sind sie oft ganz besonders vorsichtige Menschen, die zu ihrem Schutz ganz oft erst mal ihren persönlichen Manager mitbringen. Meistens geht der dann aber nach ein paar Minuten, weil der Manager seinen Schützling bei mir und meinem Team gut aufgehoben sieht. Ich persönlich bin überhaupt nicht Celebrity affin. Ich finde Celebrities auch nicht wichtiger oder spannender als „normale“ Menschen. Vielleicht ist das ein Vorteil von mir, weil ich dadurch vollkommen unaufgeregt an die Arbeit mit Prominenten herangehe, sie das spüren und dadurch „normal“ sein dürfen.
Nenne uns bitte ein paar Beispiele.
Nils Ruf zum Beispiel. Um ihn für die Explosion fotografieren zu können, musste er von einem Stuntteam aufgehängt werden. Er bekam nach ein paar Minuten im Rigg so starke Rückenschmerzen, dass ich mit ihm erst mal ein paar Rückenübungen gemacht habe, damit wir weiterarbeiten konnten.
Paul Panzer, den ich bis zum Shooting noch nie gesehen und leider auch nicht gegoogelt hatte, kam in Köln ins Studio (mit seiner Managerin) und ich fragte erst mal total unhöflich, weil er so selbstverständlich ins offene Studio hinein ging: „Wer sind Sie denn, was wollen Sie denn hier?“ Er antwortete höflich: „Ich bin Paul Panzer“. Ich: „Oh Aua, oh Sch****, kannst du bitte noch einmal reinkommen und wir machen das Ganze noch einmal und dann richtig?“
Wir haben das dann auch durchgezogen - sehr lustig, wir beide hatten danach einen wunderbaren Shootingtag. Paul hatte einen selbstgebastelten „Fatsuit“ an, bestehend aus Flies und langer Unterwäsche. Ich habe von ihm Bilder, die definitiv bei mir im Giftschrank liegen und dort auch bleiben (lächelt). Bastian Pasteweka und Christoph Maria Herbst, die beiden waren den ganzen Shootingtag komplett in ihrer eigenen Welt, zwei Komikerrennpferde, die sich permanent die Bälle zuwarfen und die ich nur für den Moment des Shootings kurz aus ihrem eigenen Film reißen konnte.
Können Schauspieler bei einem Fotoshooting auch besser in bestimmte Rollen schlüpfen? Erleichtert das die Arbeit am Set?
Schauspieler haben beim Fotoshooting erst mal alle ein Problem. Der Blick in die Kamera und das eher statische Posen. Alle haben als Schauspieler gelernt eben nicht in die Kamera zu schauen. Nun kommt der Fotograf und will genau das Gegenteil. Das ist am Anfang immer schwierig. Wer bei meinen Bildern mit Schauspielern genau hinschaut, der merkt, sie schauen immer durch die Kamera hindurch oder eben woanders hin. Eine andere Herausforderung mit Schauspielern ist, sie wollen eine klare nachvollziehbare, erzählerische Regieanweisung. Bei einem Modell kann ich sagen: „Ich brauche dich verführerisch, sexy“. Bei einem Schauspieler ist das zu wenig, der fragt sofort: „Was soll das Bild ausdrücken, was ist meine Rolle?“
Kannst du uns ein paar Beispiele nennen?
Til Schweiger beim Shooting liegt nicht einfach in der Badewanne und posed, er braucht eine Geschichte in seinem Kopf, die er ausdrücken kann.
Hape alias Uschi steigt aus dem Wagen und präsentiert sich den Fotografen im Bild wie eine alternde, selbtverliebte „Tingeltangeldiva in Cannes auf dem Roten Teppich“. Diese Regieanweisung geht in seinem Kopf auf, damit kann er arbeiten.
Mit wem würdest du in Zukunft gern einmal arbeiten?
Mit allen und jeden. Es gibt für mich nicht „den“ Promi, den ich unbedingt kennenlernen möchte. Es gibt für mich nur Konzepte, die ich mit Menschen füllen will, ob nun prominent oder nicht. Viel wichtiger sind die Ideen und da bin ich immer glücklich, wenn ein Kreativer kommt und sagt: “Hey Det, ich hab da eine Idee, lass uns mal hinsetzen und Bilder aushecken“ (lacht).
Gibt es besondere Tipps, die du an junge Fotografen weitergeben kannst?
Macht das, woran euer Herz hängt und macht das RICHTIG!
Schaut nach links und rechts und macht dann aber eure eigenen Fotos.
Ihr werdet den Trend niemals bewusst treffen. Wenn es so sein soll, dann trifft der Trend euch. Nehmt euch nicht so wichtig, seid selbstkritisch, jeden Tag aufs Neue. Oft treffe ich auf junge Fotografen, die finden ihre Arbeiten soooooooooo toll, dass sie sich der Relativität ihrer Bilder gar nicht mehr bewusst sind. Die Welt ist voller guter Fotografen und je klarer man sich das bewusst macht, desto demütiger übt man jeden Tag weiter um besser zu werden.
Ich bin nun 20 Jahre im Geschäft und ganz, ganz langsam werde ich besser. Vor 20 Jahren fand ich mich toll. Das würde ich heute nie mehr so sagen. Ich war noch nie so kritisch mit mir selbst wie heute. Für das Portfolio gilt meiner Meinung nach: nur Bilder ins Portfolio, hinter denen der Fotograf 100%ig stehen kann.
Lampenfieber gehört zum Geschäft, es hält den Kopf wach. Eines ist mir im Laufe der Jahre klar geworden, je größer das Shooting war, desto besser war der Support, desto einfacher war das Shooting am Ende. Ein No-Budgetshooting ist oft viel schwieriger zu wuppen als eine Weltweitkampagne. Dazu kann ich nur sagen, wir kochen alle nur mit Wasser, also immer schön entspannt bleiben und niemals daran denken, was der Shootingtag gerade kostet, sondern sich auf das konzentrieren, worum es gerade geht- ein Foto zu machen.
Hast du Vorbilder in der Fotografie?
Michelangelo, Delacroix , Vermeer, Eugenio Recuenco, Gregory Crewdson, Ridley Scott, Sergio Leone, um nur ein paar wenige zu nennen.
Wie häufig nimmst du dir Zeit für kreative Shootings?
Immer wenn Zeit dafür da ist. Lieber schöne Fotos machen, als zu Hause sitzen. Freizeit wird überbewertet (lacht).
Shooting ist Shooting, ob Budget oder No-Budget. Ich hasse dieses Unwort „Test-Shooting“, welches oft gebraucht wird. Also bereite ich mich immer gleich vor. Sobald ein Thema gefunden ist, recherchiere ich Bilder, Fotos, Gemälde, Filmausschnitte, um ein Mood zu finden. Das schicke ich dann meinem Team und die kauen das in ihrem Kopf durch und geben Feedback. Dann treffen wir uns und ziehen aus der Summe der Gedanken und Moods die finale Idee glatt. Danach wird wie bei einem Budgetshooting vorbereitet und die Idee professionell
„abgearbeitet“.
Hast du ein festes Team oder experimentierst du gern?
Ich habe einen Pool aus dem ich schöpfe, aber es kommen immer wieder gerne Neue dazu.
Erzähle uns etwas über deinen letzten Job.
Mein letzter schöner Job war ein Burlesque-Shooting mit Nina Bott. Wir haben in einem extrem verwinkelten französisch, puffigen Hotel fotografiert. Nina brachte eine Freundin, eine professionelle Burlesqutänzerin mit und ich habe sie gleich als Co-Regisseurin genutzt, das hat ganz großartig geklappt. Nina hat sich so wohl und aufgehoben gefühlt, dass sie gar nicht mehr gemerkt hat, wenn sie nackt in der Gegend rumstand. Das war das schönste Kompliment, das sie mir machen konnte. Die abschließende E-Mail von ihr an den Bildchef des Magazins mit den Worten: „Der Hammer, ich war noch nie so schön“. Das war dann noch die Kirsche auf der Sahnetorte dieses großartigen Shootings mit ihr.













