(openPR) Der Europäische Pakt für Psychische Gesundheit und Wohlbefinden fordert Maßnahmen zur Bekämpfung von Stigma und sozialer Ausgrenzung aufgrund von psychischer Krankheit. Seelische Erkrankungen sind mit Diskriminierung und Stigmatisierung verbunden. Das schadet der Lebensqualität der Betroffenen, verschlechtert den Krankheitsverlauf und steht einer effektiven Früherkennung und erfolgreichen Behandlung im Weg. Weltweit und in Deutschland gibt es Maßnahmen zur Reduzierung von Stigmatisierung. Aber nicht jede Maßnahme erreicht dieses Ziel, wie die Analyse des Aktionsbündnisses nun deutlich macht. Interventionen sind vor allem dann wirksam, wenn sie interaktiven Kontakt zu Betroffenen integrieren.
„Jeder dritte bis vierte Deutsche erkrankt im Laufe seines Lebens an einer psychischen Störung. Dennoch sind psychische Erkrankungen ein Tabu in unserer Gesellschaft und mit Diskriminierung und Stigmatisierung in der Schule, am Arbeitsplatz, in der Familie und im Freundeskreis verbunden“, heißt es in einer Studie.
Das Aktionsbündnis für Seelische Gesundheit hat heute den Abschlussbericht einer wissenschaftlichen Studie zur Wirksamkeit von Maßnahmen zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen vorgelegt. Das Bundesministerium für Gesundheit hatte die Studie in Auftrag gegeben mit dem Ziel, eine wissenschaftliche Grundlage für die evidenzbasierte Weiterentwicklung entsprechender Interventionen zu schaffen. Mit der vorgelegten Studie wurde systematisch erfasst, welche Strategien zur Bekämpfung der Stigmatisierung seelischer Erkrankungen wirksam sind und welche Faktoren bei der Planung von Maßnahmen berücksichtigt werden sollten.
Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass bestimmte Interventionen sogar kontraproduktiv wirken können. So lösen filmische Darstellungsweisen, die psychisch kranke Personen drastisch und befremdlich darstellen und die subjektive Perspektive psychotischen Erlebens und Verhaltens in den Vordergrund stellen, häufig Angst aus und verstärken so den Wunsch nach sozialer Distanz zu psychisch kranken Menschen. Auch öffentlicher Protest gegen diskriminierende Darstellungen, der nicht von anderen Maßnahmen begleitet wird, kann kontraproduktiv wirken.
Das Stigma der Erkrankung aber „schadet dem Selbstwertgefühl und den sozialen Netzwerken, verschlechtert den Krankheitsverlauf und reduziert die Lebensqualität. Zugleich ist es der Früherkennung psychischer Erkrankungen abträglich und damit auch der Prävention schwerer psychischer Störungen“, schreiben die Autoren der Studie.
Interventionen sind vor allem dann wirksam, wenn sie die Aufklärung über psychische Erkrankungen mit interaktivem Kontakt zu Betroffenen verbinden. Um Stigmatisierung möglichst wirksam zu reduzieren sollten solche Interventionen zudem von gesellschaftlichen Maßnahmen wie Veränderungen auf legislativer Ebene oder groß angelegten Informations- und Aufklärungskampagnen begleitet werden.
Die Studie wird zeitgleich vom Aktionsbündnis Seelische Gesundheit und vom Bundesministerium für Gesundheit veröffentlicht:
Link zum Bundesgesundheitsministerium
http://www.bmg.bund.de/cln_160/nn_1168720/SharedDocs/Standardartikel/DE/AZ/S/Glossarbegriff-Seelische-Gesundheit.html#
Link zum Aktionsbündnis
http://www.seelischegesundheit.net/index.php?option=com_content&task=view&id=401&Itemid=336
Direkter Link zur Studie (barrierefreie PDF)
http://www.seelischegesundheit.net/images/stories/Aktionsbuendnis_Studie_Konzeption_Umsetzung_Interventionen_2010.pdf
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Wolfgang Gaebel
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
LVR Klinikum
Bergische Landstr. 2
40629 Düsseldorf
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