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5 Jahre Deutsches Auswandererhaus Bremerhaven

17.08.201016:03 UhrKunst & Kultur

(openPR) Am 8. August 2005 eröffnete Europas größtes Erlebnismuseum zum Thema Auswanderung

"Das Deutsche Auswandererhaus, das in seiner Größenordnung einzige privatwirtschaftlich betriebene kulturhistorische Museum in Deutschland, hat sich in den fünf Jahren seines Bestehens zu einem Erfolgsmodell entwickelt. In der reichen deutschen Museumslandschaft setzt es einen besonderen Glanzpunkt durch sein kluges Konzept und sein ausgefeiltes Ausstellungs-design. [...] Ich gratuliere [...] zur bisherigen erfolgreichen Arbeit und wünsche weiterhin begeisterten Publikumszuspruch." Mit diesen Worten beglückwünscht Kulturstaatsminister Bernd Neumann das Deutsche Auswandererhaus Bremerhaven zu seinem 5. Geburtstag am 8. August 2010.



Nach nur neunmonatiger Bauzeit wurde das Museum im Sommer 2005 im Beisein von über 750 nationalen und internationalen Gästen – darunter der damalige Bundesinnenminister Otto Schily – feierlich eröffnet. Fünf Jahre später haben mehr als 1,1 Millionen Gäste das vom Hamburger Architekturbüro Andreas Heller geplante Haus besucht. Namhafte Persönlichkeiten wie Roger Willemsen, Georg Baselitz, Udo Lindenberg, Charlotte Knobloch, der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Staatsministerin Prof. Maria Böhmer und der ehemalige US-Botschafter William Timken haben sich in das Gästebuch eingetragen.

Sie alle sind mitten in die Geschichte eingetaucht und haben hautnah erlebt, wie es den über sieben Millionen Menschen erging, die zwischen 1830 und 1974 aus Bremerhaven in die Neue Welt ausgewandert sind, nach Nordamerika, Argentinien, Australien oder Brasilien.

"Wir freuen uns über die Erfolge des Museums und dass wir so viele positive Rückmeldungen von unseren Besuchern erhalten. Das spornt uns an, das Konzept, Migration anhand von Alltags- und Biografiegeschichte zu vermitteln, weiter zu verfolgen – auch bei dem geplanten Erweiterungsbau, den wir 2012 eröffnen wollen", sagt Dr. Simone Eick, Direktorin des Deutschen Auswandererhauses.

An einem authentischen Ort, dem 1852 eröffneten Neuen Hafen, werden die Museumsgäste durch detailgenaue Rekonstruktionen, szenische Kulissenbauten und multimediale Konzepte in historische Räume versetzt. Die Besucher begleiten einen Auswanderer auf seinem persönlichen Weg in eine ungewisse Zukunft – vom Abschied von der Heimat, den Bedingungen der Überfahrt bis zum Neuanfang in Übersee. "Im Erweiterungsbau möchten wir darstellen, was die Auswanderer in den ersten Jahren ihres neuen Lebens geschaffen haben. Wir zeigen zum Beispiel, wie die deutschen Bauern als amerikanische Farmer zurecht kamen, wie und von wem die Lebens- und Arbeitswelt am schnellsten an die Neue Welt angepasst wurden und warum manche scheiterten", erläutert Simone Eick eine zukünftige Idee.

Für "die emotionale Vermittlung von Geschichte über Inszenierungen, die dem Theater entlehnt sind, und die wissenschaftliche Aufbereitung des Themas" wurde das Deutsche Auswandererhaus 2007 mit dem renommierten European Museum of the Year Award ausgezeichnet, dem "Oscar" der internationalen Museumspreise. Ein Jahr später erhielt es den "The Best in Heritage Award" der gleichnamigen europäischen Exzellenzinitiative zur Bewahrung des historischen Erbes.

Ausgestattet mit einer elektronischen Eintrittskarte, dem Boarding Pass, verfolgen die Gäste an einzelnen Biografiestationen die individuelle Lebensgeschichte eines Auswanderers und erfahren, was ihn zur Auswanderung bewogen, welche Eindrücke er während der Überfahrt gewonnen hat und wie es ihm beim Einreiseprozedere in Ellis Island vor New York erging. Die Besucher können testen, ob sie den damaligen Standards entsprochen hätten und einwandern konnten. An weiteren Medienstationen erhalten sie Informationen zu den gesellschaftlichen Hintergründen der bedeutendsten Auswander-Epochen. Als eines der ersten Museen in Deutschland hat das Deutsche Auswandererhaus für die Übertragung von Audioinformationen das so genannte RFID-System (Radio Frenquency Identification) eingesetzt. Gleichzeitig besitzt die Karte eine weitere Funktion: Die Besucher können die familiäre Spurensuche, die sie in den vier genealogischen Datenbanken unternehmen, auf der Karte speichern.

Authentisch vermittelt das Museum Weltgeschichte und bewegt die Besucher: "Ich bin sehr überwältigt – ich hatte das Gefühl, selbst auszu-wandern", sagt zum Beispiel Heide-Marie Schmidt aus Berlin, die derzeit im Cuxland Urlaub macht. Und ihr zwölfjähriger Sohn Frederik urteilt: "Am Anfang hab ich mich erschreckt, aber dann fand ich die Ausstellung toll – vor allem die Schiffsnachbauten und die persönlichen Geschichten der Auswanderer."

Mehr als 2.500 Lebensläufe hat das Haus bislang gesammelt und zeigt davon 80 in der "Galerie der 7 Millionen". Darunter befinden sich auch 18 so genannte Königsbiografien: voll ausgearbeitete Familiengeschichten über mehrere Generationen, die bis in die heutige Zeit reichen – etwa die von Richard Morgner. Seine Geschichte klingt nach dem Mythos „vom Tellerwäscher zum Millionär“: Nachdem sein Elternhaus im Zweiten Weltkrieg zerbombt worden war, sein Vater sich das Leben genommen hatte und seine Berufsperspektive als Bäcker in einer Sackgasse endete, machte er sich 1954 nach Amerika auf – gemeinsam mit seiner Frau und einem Porzellantopf mit Erde aus seiner Heimatstadt Wesermünde. Er wurde Schweißer in einem Stahlwerk, zehn Jahre später war er bereits Teilhaber, am Ende hatte er 13 Firmen gegründet und galt als einer der erfolgreichsten Unternehmer seiner Branche. Mit seinen Nachfahren stehen die Wissenschaftlerinnen des Deutschen Auswandererhauses in Kontakt.

Neben solchen großen Geschichten erzählt das Museum aber auch die Schicksale und Lebenswege von Dienstmädchen, Bauern oder Handwerkern, die sich aus unterschiedlichen politischen, wirtschaftlichen oder religiösen Gründen entschieden haben, ihre Heimat zu verlassen und ein neues Leben zu beginnen. Und es widmet sich ebenso aktuellen Aspekten globaler Migration, etwa in den 13 Sonderausstellungen, die das Haus bislang präsentiert hat. Im Zuge der für das Jahr 2012 geplanten Museumserweiterung wird das Deutsche Auswandererhaus die Geschichte der Integration vertiefen und es soll der Bestand von rund 5.000 Fachbüchern zum Thema Migration in einer Präsenzbibliothek öffentlich zugänglich gemacht werden.

Für den Erweiterungsbau hat die Bundesregierung im Juli 2010 Mittel in Höhe von zwei Millionen Euro bewilligt, obwohl es sich in der Regel nicht am Neu- oder Anbau von Kultureinrichtungen in Ländern und Kommunen beteiligt. Zu der Bremerhavener Ausnahme erklärte Kulturstaatsminister Bernd Neumann: "In diesem Fall konnte ich das Kabinett davon überzeugen, dass es sich beim Deutschen Auswandererhaus um eine Einrichtung von nationaler und internationaler Bedeutung handelt."

Foto: © Deutsches Auswandererhaus / W. Huthmacher

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