openPR Recherche & Suche
Presseinformation

Brücken bauen, Trauma überwinden

04.08.201013:30 UhrGesundheit & Medizin
Bild: Brücken bauen, Trauma überwinden
Trauma überwinden, Lebensmut wiederfinden.
Trauma überwinden, Lebensmut wiederfinden.

(openPR) Der gemeinnützige Verein Förderkreis für Ganzheitsmedizin Bad Herrenalb organisiert im Herbst einen Kongress zum Thema Trauma, Traumatherapie und Spiritualität. Der Kongress informiert Betroffene, Interessierte und das Fachpublikum in Seminaren und Vorträgen über Hintergründe und Therapien von Traumata. Im Interview, informiert der Vereinsvorsitzende Dr. Kornelius Roth über die Veranstaltung und über Ursachen und Folgen traumatischer Erlebnisse.

Stoltenhoff:
Herr Doktor Roth, wie würden Sie ein Trauma beschreiben und definieren?

Dr. Kornelius Roth:
Ein Trauma ist ein Ereignis, bei dem ein Mensch dem tatsächlichen oder drohenden Tod oder zumindest mit der Gefahr für die eigene körperliche Unversehrtheit konfrontiert wird. Wenn ein traumatisches Ereignis nicht verarbeitet werden kann, kann sich später eine Vielzahl von Symptomen entwickeln, die die Entwicklung psychischer Erkrankungen begünstigen. Dazu gehören nicht nur die bekannte posttraumatische Belastungsstörung, sondern auch andere Erkrankungen wie Neurosen, Abhängigkeitserkrankungen oder Persönlichkeitsstörungen. In der Psychotherapie entwickelt sich langsam das volle Verständnis für die inneren Zusammenhänge und Auswirkungen traumatischer Ereignisse. Das trifft aber auch auf unsere Gesellschaft zu.
Andererseits muss man feststellen, dass selbst unter Fachleuten mangelnde Kenntnisse über die Auswirkungen traumatischer Erfahrungen existieren. Es ist noch nicht so lange her, dass Vergewaltigungsprozesse zu Gunsten des Täters entschieden wurden, weil das Opfer den Täter beispielsweise durch zu kurze Kleider provoziert habe. Aber auch hier sehen wir heute ein Umdenken und eine gute Entwicklung, wenn wir beispielsweise an das Opferschutzgesetz denken.
Aber wir sehen auch die andere Entwicklung. Der Blick auf posttraumatische Belastungsstörungen bei deutschen Afghanistansoldaten, hat jetzt zur Eröffnung des Traumzentrums in Berlin geführt. Es gibt inzwischen viel mehr Aufmerksamkeit für das Thema Trauma und es wurden in den letzten Jahren mehrere Therapieverfahren entwickelt, die ganz gezielt Traumatisierungen aufarbeiten können. Michaela Huber, die in der vordersten Reihe der Traumapsychotherapeuten im deutschsprachigen Raum steht, wird in ihrem Vortrag und Seminar dazu ihre Erfahrungen einbringen.

Stoltenhoff: Wie häufig kommt ein Trauma vor und welche Arten von Traumatisierungen kann man unterscheiden?

Dr. Roth:
Ca. 50% aller Menschen haben einmal oder mehrmals eine traumatische Erfahrung in ihrem Leben gemacht. Es gibt verschiedene Unterscheidungsmöglichkeiten. Man kann beispielsweise das Trauma nennen, das Menschen bei einer Naturkatastrophe, also beispielsweise einem Erd- oder Seebeben, erleiden. Das ist eine entsetzliche Erfahrung, die man, wenn man überlebt hat, jedoch mit anderen teilt. Das Ereignis wird öffentlich wahrgenommen und man sitzt sozusagen in einem Boot mit anderen Betroffenen. Das solidarisiert.

Das Einzeltrauma hingegen, welches ein einzelner Mensch durch andere erleidet, führt oft zum Rückzug des Betroffenen. In vielen Fällen schämt sich das Opfer für das, was ihm angetan wurde. Deshalb erzählen so wenige Betroffene von ihren Erlebnissen. Das individuelle Trauma kann Scham- und Schuldgefühle hervorrufen und isoliert die Betroffenen. Gerade Kinder nehmen die Schuld der Täter auf sich. Prof. Günther Seidler, der sich intensiv mit dem Thema Scham auseinandergesetzt hat, wird diese wichtigen Zusammenhänge näher darlegen.

Stoltenhoff:
Ihr Kongressthema lautet: ?berwunden – Trauma, Genesung und Spiritualität Wieso Spiritualität? Der Begriff ist in diesem Zusammenhang für mich noch nicht recht greifbar.

Dr. Roth:
Ein Trauma bringt den Menschen real oder gefühlsmig in Todesnähe. Aus der existentiellen Bedrohung heraus entsteht oft eine innere Auseinandersetzung mit unserer Endlichkeit: Fragen zum Leben, zum Sinn und zum Tod tun sich auf. Viktor Frankl, der Begründer der Logotherapie, hat aus eigener Erfahrung die Bedeutung des Lebenssinns für sein Überleben im Konzentrationslager erkannt. An diesem Schnittpunkt trifft die Psychotherapie auf die Spiritualität.
Wir wollen auf dem Kongress der Frage nachgehen, inwieweit geistige Übungen wie Meditation oder Kontemplation oder geistige Kräfte wie Dankbarkeit, Demut oder Vergebung, eine hilfreiche Rolle bei der Überwindung und Integration der traumatischen Erfahrung spielen können. Prof. Eugen Drewermann, Prof. Friedhelm Lamprecht, das Pfarrehepaar Maier und die Pfarrerin und Psychotherapeutin Margrit Schiess werden hierzu entsprechende Beiträge liefern.

Stoltenhoff:
Sie sprachen von Vergebung. Der Psychoanalytiker Dieter Funke hat vor einigen Monaten im Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT über die Absurdität der Situation gesprochen, die bei Missbrauch im kirchlichen Umfeld entsteht; dass nämlich die Kirche von den durch ihre eigenen Angestellten missbrauchten Opfern Vergebung fordert, sich also auf Werte bezieht, die ja gerade in der Missbrauchstat mit Fen getreten wurden.

Dr. Roth:
Ich teile die Ansicht von Herrn Funke. Hier wird Vergebung gefordert, ohne dass sich der Täter je der Wahrheit des Opfers gestellt hätte, geschweige denn einer Sühne bzw. Bestrafung oder eine Wiedergutmachung, so fern sie möglich ist, geleistet wurde. Die eingeforderte Vergebung könnte man etwas zugespitzt ausgedrückt als Wiederholung der Entmachtung der Opfer betrachten, die die Traumatisierten bereits anlässlich der sexuellen Übergriffe erlitten haben. Das perfide an den sexuellen Übergriffen durch Geistliche ist ja auch, dass die Geschädigten nicht nur ein körperliches, sexuelles Trauma erlitten haben, sondern auch noch in ihren religiösen Fundamenten erschüttert worden sind. Die angemahnte Vergebung wäre tatsächlich eher eine Retraumatisierung für die Betroffenen.
Unabhängig davon, kann die Vergebung für traumatisierte Menschen manchmal Teil ihres inneren Verarbeitungsprozesses sein. Aber der Vergebungsprozess kann nicht eingefordert werden, sondern entsteht aus dem eigenen Genesungswunsch und ist Teil der neuen Freiheit und Unabhängigkeit, die der aus seinem Trauma herausgewachsene Mensch erlebt. Unsere Referentin Hildegard Fuhrberg ist selbst betroffen und setzt sich in ihrem Kongressbeitrag damit auseinander.

Stoltenhoff:
Ich danke Ihnen sehr für das Gespräch und wünsche Ihnen viel Erfolg für den Trauma - Kongress im Oktober.

Diese Pressemeldung wurde auf openPR veröffentlicht.

Verantwortlich für diese Pressemeldung:

News-ID: 453938
 1833

Kostenlose Online PR für alle

Jetzt Ihren Pressetext mit einem Klick auf openPR veröffentlichen

Jetzt gratis starten

Pressebericht „Brücken bauen, Trauma überwinden“ bearbeiten oder mit dem "Super-PR-Sparpaket" stark hervorheben, zielgerichtet an Journalisten & Top50 Online-Portale verbreiten:

PM löschen PM ändern
Disclaimer: Für den obigen Pressetext inkl. etwaiger Bilder/ Videos ist ausschließlich der im Text angegebene Kontakt verantwortlich. Der Webseitenanbieter distanziert sich ausdrücklich von den Inhalten Dritter und macht sich diese nicht zu eigen. Wenn Sie die obigen Informationen redaktionell nutzen möchten, so wenden Sie sich bitte an den obigen Pressekontakt. Bei einer Veröffentlichung bitten wir um ein Belegexemplar oder Quellenennung der URL.

Pressemitteilungen KOSTENLOS veröffentlichen und verbreiten mit openPR

Stellen Sie Ihre Medienmitteilung jetzt hier ein!

Jetzt gratis starten

Weitere Mitteilungen von Förderkreis für Ganzheitsmedizin Bad Herrenalb e.V.

Kongress in Bad Herrenalb: "Über-Wunden" - Trauma und Spiritualität
Kongress in Bad Herrenalb: "Über-Wunden" - Trauma und Spiritualität
„Ein Trauma ist ein Ereignis, bei dem ein Mensch mit dem tatsächlichen oder drohenden Tod oder zumindest mit Gefahr für die eigene körperliche Unversehrtheit konfrontiert wird. Etwa 50% der Menschen haben einmal oder mehrmals eine traumatische Erfahrung in ihrem Leben gemacht“, erklärt Dr. med. Kornelius Roth. Der Vorsitzende des in Bad Herrenalb ansässigen Vereins „Förderkreis für Ganzheitsmedizin e.V.“ trifft zur Zeit die letzten organisatorischen Vorbereitungen für den zweiten deutschsprachigen Trauma-Kongress „Über-Wunden: Trauma, Genesun…
Sprachlosigkeit nach Trauma und Missbrauch überwinden
Sprachlosigkeit nach Trauma und Missbrauch überwinden
Wie verschiedene Konzepte Opfern traumatischer Erlebnisse helfen wollen Wer das Schweigen bricht, bricht die Macht der Täter, so der Slogan einer Kampagne der Bundesregierung gegen sexuellen Missbrauch. Die Missbrauchsbeauftragte Christine Bergmann entwickelte das Projekt gemeinsam mit Regisseur Wim Wenders und dessen Frau Donata. Offenbar kommt die Kampagne gut bei den Adressaten an, denn bereits im September gab Bergmann bekannt, dass die eingerichtete Anlaufstelle in den vergangenen sechs Monaten insgesamt 2500 Anrufe und Briefe von Opfer…

Das könnte Sie auch interessieren:

Bild: Kriegstöchter: Wie das Schweigen ihrer Mütter eine Generation Frauen bis heute prägtBild: Kriegstöchter: Wie das Schweigen ihrer Mütter eine Generation Frauen bis heute prägt
Kriegstöchter: Wie das Schweigen ihrer Mütter eine Generation Frauen bis heute prägt
Neuer Fachartikel · Sensibles Trauma-CoachingKriegstöchter: Wie das Schweigen ihrer Mütter eine Generation Frauen bis heute prägtTrauma-Expertin Dr. Claudia Editha Richter über das Erbe, das niemand benannt hatNordfriesland, 4. Juni 2026 – Mit ihrem neuen Fachartikel „Kriegstöchter: Wie das Schweigenunserer Mütter uns geprägt hat" rückt Trauma-Coach …
The Present - interkulturelles Theaterstück in Pulheim - Ein One-Way-Ticket in die Zukunft?!
The Present - interkulturelles Theaterstück in Pulheim - Ein One-Way-Ticket in die Zukunft?!
… VisionenGegenwart. The present.GIFT. Ernüchternd GiftGRÜN.Stillstand als Chance.Warten. Endloses Warten.Morgen. Eine Chance. Gegenwart. The present.Just a gift. Ein Geschenk.Chance statt Stillstand.Fortschritt. Neue Brücken.Morgen. Mysterium und Chance. „Deutschland ist das beste Land der Welt. Hier gibt es keine Langeweile und alles ist ganz einfach.“:Davon …
Sprachlosigkeit nach Trauma und Missbrauch überwinden
Sprachlosigkeit nach Trauma und Missbrauch überwinden
Wie verschiedene Konzepte Opfern traumatischer Erlebnisse helfen wollen Wer das Schweigen bricht, bricht die Macht der Täter, so der Slogan einer Kampagne der Bundesregierung gegen sexuellen Missbrauch. Die Missbrauchsbeauftragte Christine Bergmann entwickelte das Projekt gemeinsam mit Regisseur Wim Wenders und dessen Frau Donata. Offenbar kommt die …
Bild: BT-Trauma: einmaliges Angebot zur Bewältigung von Traumata im ArbeitsprozessBild: BT-Trauma: einmaliges Angebot zur Bewältigung von Traumata im Arbeitsprozess
BT-Trauma: einmaliges Angebot zur Bewältigung von Traumata im Arbeitsprozess
„Die Nachrichten über traumatische Erfahrungen am Arbeitsplatz haben in der letzten Zeit zugenommen. Seien es die Polizisten und Bundeswehrangehörigen bei ihren Einsätzen, Zugbegleiter, die Verkäuferin im Laden, der Busfahrer oder Rettungskräfte, die während ihrer Arbeitszeit Opfer verbaler, physischer oder erlebter Gewalt werden. Die Folge sind psychische …
Bild: 12. OpenEyes-Filmfest in MarburgBild: 12. OpenEyes-Filmfest in Marburg
12. OpenEyes-Filmfest in Marburg
… 30 min. Die Jury hat dieses Jahr aus über 300 Einsendungen ihre Wahl für das Festivalprogramm getroffen. Die ausgewählten Filme laufen tagsüber im neuen (!) Trauma-Kino (Afföllerwiesen 3a, 35039 Marburg). Abends wird der Veranstaltungsort auf die idyllisch gelegene Amöneburg verlagert - ein OpenAir-Erlebnis der besonderen Art! Auch in diesem Jahr wird …
Bild: Buchvorstellung: "Klarwerden" von Katerine Dyckmans - authentisch, mutig, bewegend. Bild: Buchvorstellung: "Klarwerden" von Katerine Dyckmans - authentisch, mutig, bewegend.
Buchvorstellung: "Klarwerden" von Katerine Dyckmans - authentisch, mutig, bewegend.
… Begegnungen entsteht ein kraftvolles Porträt einer Persönlichkeit mit tiefgründigen Reflexionen über Identität, Feminismus, Trauma und psychische Gesundheit. Katerine schlägt Brücken zwischen Generationen, Kulturen und wissenschaftlichen Erkenntnissen. 1994 entdeckte Katerine Dyckmans in einer Forschergruppe der Universität Oslo ein Vorläuferprotein der …
Bild: Die Zeit heilt nicht alle Wunden - Trauma überwindenBild: Die Zeit heilt nicht alle Wunden - Trauma überwinden
Die Zeit heilt nicht alle Wunden - Trauma überwinden
Die Zeit heilt nicht immer alle WundenTrauma überwindenDatum:30.10.2023Autor: Günter FaßbenderTraumata sind belastende Erfahrungen, die das Leben eines Menschen tiefgreifend beeinflussen können. Sie können durch Unfälle, Missbrauch, Krieg oder andere traumatische Ereignisse ausgelöst werden und hinterlassen oft tiefe seelische Wunden. Doch es gibt Hoffnung, …
Bild: TraumaDanceBild: TraumaDance
TraumaDance
Mit dem Trauma zu tanzen heißt, mit der eigenen Trauma-Biografie in Resonanz zu gehen und sich im Rhythmus der eigenen Zeit in das ureigene Ich-Selbst hinein zu entwickeln. Das ist ein fortlaufender Prozess der Selbst(er)kenntnis, Selbstbestimmung und Selbsterfüllung. 1)?Warum sich Gedanken um das eigene Trauma machen:? Um das Leben selbst in die Hand …
Bild: Gefangene der Erinnerung – Trauma durch sexuelle Gewalt in Kindheit oder JugendBild: Gefangene der Erinnerung – Trauma durch sexuelle Gewalt in Kindheit oder Jugend
Gefangene der Erinnerung – Trauma durch sexuelle Gewalt in Kindheit oder Jugend
Wie Betroffene mit dem Erlebten umgehen, ihr Trauma in der Therapie verarbeiten und damit leben lernen Wer in Kindheit oder Jugend das Opfer von sexueller Gewalt wurde, den begleitet diese Erfahrung jahrelang, oft sogar das gesamte Leben. Doch viele Betroffene schämen sich und sprechen nie oder erst sehr viel später über das, was ihnen angetan wurde. …
Bild: 1. Internationale Fachtagung Psychotraumatologie mit renommierten Fachreferenten/AutorenBild: 1. Internationale Fachtagung Psychotraumatologie mit renommierten Fachreferenten/Autoren
1. Internationale Fachtagung Psychotraumatologie mit renommierten Fachreferenten/Autoren
Das wissenschaftliche Interesse an den verschiedenen Formen der Trauma Aufarbeitung, hat nach 2 Weltkriegen im 20.Jahrhundert, mit Millionen von Toten und hoch traumatisieten Menschen und Hinterbliebenen, in den letzten 15 Jahren erheblich zugenommen. In der klinischen und ambulanten Psychotherapie haben nach Hilfe suchende Menschen, die ihre eigene …
Sie lesen gerade: Brücken bauen, Trauma überwinden