(openPR) Vernissage: Mittwoch, 14. Juli 2010 von 19 - 22 Uhr
Der Künstler ist anwesend.
Sehr geehrte Damen und Herren,
es ist uns eine Freude, zum ersten Mal Arbeiten von Marco Goldenstein (*1968) bei unserem INTERMEZZO XV zu präsentieren. Der in Berlin lebende Künstler arbeitet meist themenbezogen und hat sich auf kein bestimmtes Medium festgelegt. Die Einzelausstellung trägt den Namen „BASÖRTÜS? (türkisch für: „Kopftuch“) und thematisiert mit Fotomontagen und Malerei die Identität einer kopftuchtragenden Frau.
Bei der Frage was Identität ist, hatte jeder Mensch noch vor einigen Jahrzehnten eine deutliche Vorstellung davon, was es heißt, „Ich“ zu sagen. Man erlebte sich als eine Einheit und begriff seine Identität als etwas Sicheres und Natürliches. Die Idee eines Subjekts mit einem festen personalen Kern und einer Identität, die unter Mühen erworben und verteidigt wird und lebenslang konstant bleibt, wurde von der postmodernen Vorstellung davon, was die Identität eines Menschen ausmacht, abgelöst.
Das Konzept der Postmoderne geht davon aus, dass vieles gleichzeitig nebeneinander bestehen kann, sodass wir auch nicht eine Identität haben, eine Person sind, die sich immer und unter allen Umständen treu bleibt. Vielmehr sind in uns mehrere Ich-Bestandteile, die wir je nach Situation aktivieren. Das Kopftuch, zum Beispiel, bietet eine Möglichkeit, diesen unterschiedlichen Ich-Anteilen eine Requisite für die Selbstinszenierung zu schaffen. Je nach Kontext kann es als Teil der Kleidung modischen Zwecken dienen, vor Sonne schützen, aber auch Ausdruck von Trauer oder religiöser Überzeugung sein. Da aber fließende Übergänge zwischen den Funktionen existieren und Elemente beliebig kombinierbar sind, stellt sich die Frage der Eigen- und Fremdzuschreibung, also wer ich bin, bzw. wer ich sein möchte und wie ich wahrgenommen werde. Anders ausgedrückt: Ist eine kopftuchtragende Frau eine echte, selbstbewusste Muslima und das Kopftuch immer gleich mit dem Islam verbunden?
Marco Goldenstein nähert sich diesen Fragen spielerisch, indem er den Kopf einer jungen Türkin mit ihren verschiedenen Kopftüchern fotografiert. Das Kopftuch dieser Portraits wird herausgefiltert und in einer Fotomontage zusammenfügt. Dem Betrachter zeigt sich ein, scheinbar im Raum schwebendes, ästhetisch anmutendes Spiel aus Stoff, das den verborgenen Körper und die zu ihm gehörende Identität nur erahnen lässt. Befreit von religiösen Zuschreibungen ermöglicht die so entstandene Komposition einen Ausbruch aus der fremdbestimmten Festlegung der Identität. Dieser emanzipatorische Charakter wird durch die austauschbare Beliebigkeit der Personen verstärkt, die einen anderen Zugang zum Kopftuchtragen, jenseits von religiösen Motiven, eröffnet. Neben den Fotocollagen werden auch Gemälde der Frau mit ihrem Kopftuch zu sehen sein.
Marco Goldenstein geht es dennoch nicht um Antworten in diesem gesellschaftlich kontrovers diskutierten Feld; er bietet keine Lösung an. Vielmehr sollen die Besucher zum Nachdenken angeregt werden, um ihre eigene Einstellung und vielleicht auch Vorurteile zu prüfen.
Dauer der Ausstellung: 15. Juli bis 24. Juli 2010
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14 - 19 Uhr, Samstag 12 - 16 Uhr und nach Vereinbarung













