(openPR) ...und dem 500 Jahre später Ehre zuteil wurde.
Im Geburtsjahr des Ritters mit der eisernen Hand (Götz von Berlichingen) und Todesjahr Sandro Botticellis ging ein Schulmeister aus Frommenhausen (damals Grafschaft Hohenberg) auf eine Pilgerreise, die glücklich enden sollte. 1510 begab sich der 30jährige Jacob Beyter auf den langen Weg ans „Ende der Welt“ nach Spanien zum Grab seines Namenspatrons, des heiligen Jacobus.
War es religiöse Faszination, Glaubenskraft, ein Gelöbnis, Aberglauben oder waren einige der zahlreiche Legenden um den Jakobsweg an Beyters Ohr gedrungen, wie z.B. das Hühnermirakel von Santo Domingo de la Calzada, und Abenteuerlust hatte ihn beflügelt? Wir können es heute nicht mehr nachvollziehen und außer einer Grabsteininschrift* und Archivforschungen von Oskar Kurz** gibt es bislang keine anderen Belege über das Leben des Lehrers, Mesners und Organisten Jacob Beyter. Sicher ist, er war fromm und von robuster Konstitution, wie hätte er anders die Strapazen überstehen können. Auch konnte er kein Habenichts gewesen sein. Um zwischen Frommen, Bettlern, Vaganten, Strafwallfahrern und Büßern durchzukommen, musste er über Zahlungsmittel verfügt haben. Vielleicht hatte er sich am Bodensee anderen Pilgern angeschlossen und war im Schutz der Gruppe auf die weite Fußreise nach Satiago de Compostela gegangen, vielleicht war er auch mit Brüdern der 1510 gegründeten Jakobusbruderschaft Killer unterwegs. Man kann nur spekulieren.
Das Jahr seiner Reise war weder nach dem julianischen noch dem gregorianischen Kalender ein Heiliges Jahr. Damit kann man vielleicht ausschließen, dass Beyter eine Schuld abtragen mußte.
Ein Heiliges Jahr ist das Jahr, in dem der 25. Juli, (Namenstag des Heiligen Jakobus) auf einen Sonntag fällt. In diesem „Gnadenjahr“ werden den Pilgern in einem Generalablass alle Sünden vergeben, wenn sie bereuen und zur Buße bis nach Santiago gepilgert sind. Die Kathedrale betreten sie dann von hinten durch die heilige Pforte, das „Tor der Vergebung“.
Im „Heiligen Jahr 2010“ werden im Geburtsort Beyters ab August mehrere Veranstaltungen angeboten.
Im Gedenken an Beyters Pilgerschaft hat die Ortschaft Frommenhausen, die nah des Kreuzungspunktes des Tübinger Jakobswegs, des Hohenzollerischen Jakobswegs sowie des Beuroner Jakobswegs liegt, in einem ehemaligen Raiffeisengebäude eine Herberge für Pilger eingerichtet. Die Ortschaftsverwaltung und der Förderverein Frommenhausen sehen in Beyters Pilgerreise eine geschichtliche Verpflichtung. Der Ort ist mit bislang ca. 200 Übernachtungen schon ein kleiner gastlicher Abschnitt auf dem „europäischen Sternenweg“ geworden. Oft kommen die Pilger am Wochenende, um Teiletappen des Pilgerwegs zu bewältigen. Unter der Woche werden in dem 450-Einwohner-Dorf eher Pilger-Gruppen willkommen geheißen.
Bei einer Festveranstaltung am 1. August 2010 wird unter anderem eine Reproduktion einer Jakobusdarstellung des Künstlerpfarrers Sieger Köder an der Pilgerherberge Frommenhausen enthüllt, um 13.30 Uhr findet ein Gospel-Konzert der „Young Voices“ statt. Nach der Haussegnung schließt der Festvortrag von Prof. Dr. Josef Nolte an: „Der Weg nach Compostela — Eskapade oder Erfüllung?“
Der katholische Theologe und Professor für Europäische Kulturgeschichte und Kunstwissenschaft ging bereits 1987 den Weg nach Compostela. Seither blieb er in Schrifttum und Ausführung dem Thema treu und beteiligte sich unter anderem als ehrenamtlicher Leiter des Europazentrums an der Ausbreitung der Wege in Deutschland. Unter anderem initiierte Prof. Nolte den Weg nach Überlingen/Bodensee.
An zwei Oktober-Wochenenden steht „Pilgern in der Gruppe“ auf dem Programm mit einem „Innehalten im Alltag“. Am letzten Oktober-Wochenende werden zahlreiche Filme zum Thema gezeigt, unter anderem „Saint Jacques .. Pilgern auf französisch“ und „Jakobsweg ... die Seele atmen lassen“. Am 20. November schließt ein Theaterstück mit Szenen zu Hildegard von Bingen „Ich spür ein seltnes Licht“ an.
Bei einem Tanznachmittag am Samstag, 4. Dezember werden Folklore-, Kreis- und Gruppentänze wie »die Jakobsleiter« vermittelt.
Zusammen mit Frommenhausen feiert die mit dem Förderverein Frommenhausen befreundete Jakobusbruderschaft Killer ihr 500jähriges
Jubiläum. Dieses Festwochenende ist am 24. und 25. Juli.
Ausführliche Informationen über alle Veranstaltungen im Internet:
www.pilgerherberge-frommenhausen.de.
* »Als man zalt 1562 am 5. Mai starb der ehrbare Jacob Beyter von Frommenhausen, dem Gott gnädig sein wölle. Im Jar 1510 ist der obgemeldt
gen St. Jacob gezogen.«
** In den genealogischen Forschungen von Oskar Kurz, Hirrlingen, findet sich in der Beuterschen Ahnentafel ein Eintrag eines »Jakob Beither«,
geboren 1480, gestorben 1562. Dieser Ahne scheint identisch mit obigem Jacob Beyter zu sein













