(openPR) Laut einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes schlossen in Deutschland im Prüfungsjahr 2008 circa 73 Prozent der Studierenden, die im Jahr 1999 ihr Erststudium aufgenommen hatten, dieses erfolgreich ab. Details stellt Destatis kostenlos auf seiner Webseite zur Verfügung. Die Erfolgsquote liegt bei den mathematischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen mit circa 66 Prozent niedriger als zum Beispiel in der Humanmedizin mit circa 87 Prozent oder bei Recht, Wirtschaft und Sozialwissenschaften mit circa 73 Prozent.
Die positiven Erfolgsquoten täuschen nicht darüber hinweg, dass die Absolventenquote an Hochschulen in Deutschland mit 21 Prozent deutlich unter dem OECD-Mittel von 27 Prozent liegt (Zahlen der OECD aus 2006). Dies betrifft gerade den wirtschaftlich bedeutsamen Bereich der technisch Hochqualifizierten. Obwohl der Anteil der Studierenden an naturwissenschaftlich-technischen Fächern in Deutschland vergleichsweise hoch ist, führt die geringe Absolventenquote in Deutschland dazu, dass Hochqualifizierte in den diesen Bereichen unter den Erwerbstätigen unterrepräsentiert sind. In Deutschland kommen auf 100.000 Erwerbstätige im Alter von 25 bis 34 Jahre 1.423 Hochqualifizierte in diesen Fächern, während der OECD-Schnitt bei 1.649 liegt (Zahlen der OECD aus 2006).
Vor diesem Hintergrund verzeichnet das Statistische Bundesamt steigende Absolventenzahlen in den technischen Studienfächern: Die Zahl der Absolventen in den naturwissenschaftlichen-technischen Fächern hat mit 102.400 im Frühjahr 2008 einen Höchststand erreicht. Ob diese positive Entwicklung der Absolventenzahlen in den oft unter dem Akronym MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) zusammengefassten naturwissenschaftlichen und technischen Fächern am ungünstigen Vergleich mit anderen OECD-Ländern nachhaltig etwas ändert, ist abzuwarten. Die Entwicklung ist dabei innerhalb der Fächer sehr unterschiedlich.
Die Anzahl der Absolventen in den Ingenieurwissenschaften lag 2008 bei 48.800, wobei ihr Anteil an der Gesamtzahl der Absolventen von 22 Prozent in 1996 auf 16 Prozent in 2008 gefallen ist. Die bedeutsamsten Fächer sind Maschinenbau, Elektrotechnik, Architektur und Innenarchitektur sowie Bauingenieurwesen. Die größte Steigerung hat der Bereich Informatik erfahren, wo es 2008 18.100 Absolventen gab, was fast eine Verdreifachung gegenüber 6.600 Absolventen in 2002 darstellt. Der Anteil der Absolventen in den Naturwissenschaften und Mathematik ist von 1996 mit 15 Prozent auf 17 Prozent in 2008 gestiegen. Allerdings ist die Entwicklung auf einen positiven Trend in der Mathematik, weniger in den Fächern Chemie und Physik zurückzuführen, wo es 2008 nur 6100 bzw. 4500 Absolventen gab. Das Fach Biologie hat mit 10.700 Absolventen in 2008 einen Höchststand erreicht. Im Vergleich dazu haben nach Aussage des Medizinischen Fakultätentages der Bundesrepubulik Deutschland (MFT) in 2008 9.850 Absolventen ein humanmedizinisches Studium abgeschlossen.
Die immer werdende Verzahnung von naturwissenschaftlichen und medizinischen Themen, zum Beispiel in der DNA-Analytik oder der Gendiagnostik, wirft in diesem Zusammenhang die Frage auf, welches Studium zur Durchführung welcher beruflichen Tätigkeit berechtigt. Das jüngst in Kraft getretene Gendiagnostikgesetz hat mit der Definition eines Arztvorbehaltes für bestimmte genetische Untersuchungen bei Naturwissenschaftlern und Absolventen anderer Studiengänge des Gesundheitswesens für Kritik gesorgt. Für Vaterschaftstests ist jedoch eindeutig geregelt, dass die erfahrenen, nicht-ärztlichen Sachverständigen mit naturwissenschaftlicher Hochschulausbildung die DNA-Analytik weiterhin durchführen dürfen. "Eine solche Problematik kann langfristig mit neuen Studiengängen gelöst werden, zum Beispiel mit der Schaffung eines Aufbaustudiums für forensische Molekularbiologie, zu dem sowohl Mediziner als auch Naturwissenschaftler zugelassen werden", schlägt Herr Dr. Jung vom DNA-Analytiklabor bj-diagnostik vor. "Um mehr Studierende für die Fächer der Naturwissenschaften zu begeistern und einen Wettbewerbsnachteil Deutschlands in Zukunftsbranchen zu vermeiden, müssen Berufsaussichten und Ansehen von Naturwissenschaftlern verbessert werden."
















