(openPR) „Delikatessen“ von Marie-Luise Meyer ist die zeitgenössische Variante einer Kunstform, die schon im alten Rom, in der Renaissance und besonders im Barock beliebt war: das Schaugericht.
„Schaugerichte“ waren Teil der an Üppigkeit und Skurilität kaum zu überbietende höfische Tischkultur des 18. Jahrhunderts, wo sie für den Triumph über den Hunger und die Machtrepräsentation des jeweiligen Gastgebers stehen. Zur Befriedigung aller Sinne und mancherlei Lüste wurde die Tafel als Gesamtkunstwerk inszeniert.
In ihrer handwerklichen Perfektion, der Liebe für Details und dem phantasievollen, hintersinnigen Arrangement sind Meyers "Delikatessen" Referenzen an die historischen Vorbilder.
Anders als bei diesen wird hier jedoch noch mit der Irritation unserer Wahrnehmung gespielt. Die Arbeit will nicht die Illusion von etwas Essbarem provozieren. Marie-Luise Meyers "Delikatessen" sind kein Gericht. Ihre Wirkung ist ambivalent: Auf den ersten Blick serviert die Künstlerin ein schmackhaft aussehendes Mahl, das Verlangen weckt, es zu essen. Doch spätesten auf den zweiten Blick und bei genauem Hinsehen fragt man sich, was da eigentlich angeboten wird? Das vermeintliche Essbare entpuppt sich als unberechenbar und überraschend fürchterlich. Auf dem Gemüseteller findet sich kein Gemüse und was auf der Schlachteplatte ist möchte man gar nicht so genau wissen, die Ingredenzien der Pasteten sind nicht weniger zweifelhaft.
Marie-Luise Meyers üppig gedeckte Tafeln lassen ahnen, welche Strafe die Sünde des unkontrollierten Genusses nach sich zieht.
"Delikatessen" ist ein wunderschön anzusehender, aber Furcht erregender Augenschmaus.
Marie-Luise Meyer ist Kunstpreisträgerin des Landes Sachsen-Anhalt 2009.
Ausstellung im Kunstverein Meißen e. V.
vom 16. Mai bis 19. Juni 2010
Der Kunstverein Meißen zur Vernissage am Sonntag, 16. Mai 2010. Die Vernissage beginnt 11.00 Uhr im Bennohaus Meißen, Markt 9, 1. Etage. Erläuternde Worte zur Ausstellung spricht Kirsten Jäschke.













