(openPR) Kaum mussten Fußball-Fans eine schlechte Nachricht verkraften, steht schon die nächste vor der Tür. Nachdem bekannt wurde, dass nur 1,13 Millionen WM-Tickets im freien Verkauf in Deutschland erhältlich sind, zeichnet sich jetzt eine ähnliche Situation bei den Hotelbetten in den zwölf Spielorten ab. So hat sich die „FIFA World Cup Accomodation Services“ (WCAS) deutschlandweit bereits die Hälfte aller Zimmer vertraglich zusichern lassen, andere Vermarktungsplattformen sind ebenfalls aktiv. Die Folge: Schon heute sind zwischen 60 und 70 Prozent der 22 000 Hotelbetten in Hannover und Region für die WM 2006 „geblockt“.
Sind überteuerte Hotelpreise die Folge? Mit Preisaufschlägen von bis zu 400 Prozent, wie zum Beispiel die Online-Buchungsplattform Hotel Reservation Service (HRS) in Köln einen Tourismusexperten zitiert? Fußball-Fans hätten auf dem freien Markt durchaus bessere Karten, ein günstiges Zimmer zu erstehen. Das sagte Marianne Krohn, Geschäftsführerin des Verkehrsvereins Hannover, gegenüber der Hannoverschen Wirtschaftszeitung. Eine Einschätzung, die Eckard Laabs, Vorsitzender der Hotelgruppe im Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Hannover, teilt: „Frau Krohn wird ihre Hausaufgaben gemacht haben. Ich persönlich sehe das aber auch ähnlich.“
Der Grund hierfür sei laut Laabs, zugleich Inhaber des 4-Sterne-Hotels Loccumer Hof in Hannover, einfach zu verstehen: „Je mehr Unternehmen an der Zimmervermarktung beteiligt sind, desto mehr wollen in der Regel daran verdienen.“ Die WCAS mit Sitz in Frankfurt am Main hat hingegen eine moderate Preispolitik angekündigt. Preistreiber sollen keine Chance bekommen. Stattdessen sollen sich die Tarife am Niveau des Sommers 2003 orientieren, zuzüglich einer sechsprozentigen Inflationsrate. Das Unternehmen ist ein Joint-Venture des WM Organisationskomitees mit großen Hotelketten und Hotelverbänden.
Unter Federführung der Accor-Gruppe wird der Zimmerverkauf zur Fußballweltmeisterschaft 2006 erstmals zentral vermarktet. Ab Mitte Juni sollen Fußball-Fans die Betten telefonisch und im Internet buchen können. Doch das FIFA-Konsortium ist auf diesem Markt nicht die einzige aktive Gruppe. Konkurrent HRS bietet schon jetzt Schlafplätze per Internetbuchung an und verspricht: „Diese Zimmer gibt es garantiert ohne irgendwelche Preisaufschläge zu den bekannt günstigen, tagesaktuellen HRS-Bestpreisen.“ Doch schon eine kurze Suchabfrage genügte, um diesen Slogan zu widerlegen. Ein 3-Sterne-Haus aus der Region Hannover bot seine Zimmer während des ersten Vorrundenspiels in Hannover für 310 Euro an – eine Preissteigerung von knapp 380 Prozent.
Durch Anfrage der Hannoverschen Wirtschaftszeitung mit dieser Situation konfrontiert, reagierte HRS kurz entschlossen und strich den Hotelier wieder aus dem Angebot. Zunächst hatte Unternehmenssprecher Stefan Dubbert einen simplen Tippfehler vermutet, doch eine interne Recherche bewies schnell das Gegenteil: „Dieser Preis liegt mit Unterschrift und Siegel in unserem Haus vor“, sagte Dubbert. Der Pressesprecher betonte zudem, die Preise würden von den Hoteliers bestimmt. HRS sei lediglich die Verkaufsplattform. Der derzeitige Geschäftsführer des 3-Sterne-Hauses will jedoch nichts von diesem Angebot gewusst haben. „Dieser Preis ist viel zu hoch“, sagte der Mann auf Nachfrage. Ein Wechsel innerhalb der Geschäftsführung könne für die Verwirrung gesorgt haben. Dieser Anbieter scheint bei der Buchungsplattform tatsächlich der einzige große „Ausreißer” zu sein.
Andere WM-Offerten zeigen Steigerungen von 20 bis 150 Prozent, die günstigsten Zimmer sind ab 58 Euro zu haben. Absolut im normalen Rahmen, sagte der Hotelier und Dehoga-Vorsitzende Eckhard Laabs. Auch wenn „eine Prognose zurzeit wie Kaffeesatzleserei” erscheint, sei mit Zuschlägen um die 100 Prozent zu rechnen. Doch sind die Preise lange nicht fixiert, so Laabs weiter. Nachfrage und andere Variablen könnten diesen nach unten oder oben treiben. Ein möglicher Faktor: Die Nationalmannschaften, die in Hannover ihre Ballkünste zeigen sollen. Sie werden erst im Dezember per Los bestimmt.
