(openPR) Hemer, 26. April 2010. Insgesamt 24 Kunstwerke in der Schnittmenge zwischen IT und Malerei zeigt die 15. Landesgartenschau NRW in Hemer auf ihrem Freigelände. Bei der so genannten QR-Art handelt es sich um Werke, die sich aus analogen und digitalen Bestandteilen zusammensetzen: Jedes Bildmotiv verweist mit einem QR-Code auf digitale Animationen und Bildergeschichten im Internet, die mit dem Handy betrachtet werden können.
QR-Codes sind Grafiken, ähnlich der vom Einkauf her bekannten EAN-Strichcodes. Allerdings bestehen sie nicht aus Strichen, sondern aus einer Vielzahl kleiner Quadrate. QR steht dabei für quick response – also schnelle Antwort – und die erhält der mit einem modernen Fotohandy und der passenden Reader-Software ausgestattete Betrachter, wenn er den Code mit dem Handy scannt. Im Handumdrehen erscheinen auf dem Handy-Display Textbotschaften oder eine Internetseite wird zum Browsen angeboten – ganz ohne aufwändiges Eintippen der URL über die Handy-Tastatur. Ein Vorgang, den IT-Fachleute als Mobile Tagging bezeichnen. QR-Codes sind gerade wegen dieser Möglichkeit in Japan vor allem in der Werbung allgegenwärtig und befinden sich dort auf fast allen Werbeanzeigen und Plakaten. In Europa sind sie noch relativ unbekannt, ihre Verbreitung nimmt aber kontinuierlich zu.
In der Kunst arbeiten gegenwärtig international nur rund ein Dutzend Kreative mit den Möglichkeiten der kleinen Grafiken. Frank Haase ist einer von ihnen und freut sich über den Auftrag der Landesgartenschau Hemer: „Ich sehe darin vor allem die Chance, diese Technik und ihre Möglichkeiten einem großen Publikum und auch anderen Kunstschaffenden bekannt zu machen“. Am Beginn seiner 45 Meter langen Bilderreihe steht dazu eine Informationstafel, die den Sinn der Installation und die technische Funktion erläutert. „Bereits bei meinem Rundgang am Eröffnungstag der Landesgartenschau haben mehrere Besucher die Codes gescannt und damit die Brücke vom analogen Bild zur digitalen Bildergeschichte überquert.“ freut sich Haase über die Experimetierfreude einiger LGS-Besucher.
Die QR-Bilder auf der Landesgartenschau behandeln die symbolische und gesellschaftliche Bedeutung von Farben. Das Thema hatte der Eventmanager der Landesgartenschau Hemer 2010 GmbH vorgeschrieben, alles andere war frei. Rot assoziiert Frank Haase mit Erotik und Leidenschaft, Schwarz mit Angst und Tod, Gelb wird zu Hitze, Optimismus, aber auch zu Neid und Geiz. Die Verbindung zur Pflanzenwelt der nordrhein-westfälischen Blumenschau schafft der Essener Bildhauer Peter Reichenbach. Er stellt in Holzkästen am Fuße der aufgeständerten Bilder 24 verschiedene Färberpflanzen aus – passend zu den thematisierten Farben.
QR-Codes und Mobile Tagging ermöglichen Künstlern, ihre auf den physischen Bildern erzählten Geschichten im Internet fortzusetzen. Das kann mit Animationen, Bildergeschichten, Texten oder auch Audiodateien geschehen, die auf einer Homepage hinterlegt werden. Die QR-Codes, die den Sprung vom gemalten Bild in den Cyberspace so einfach und komfortabel machen, können in Form und Farbe innerhalb technischer Grenzen variiert und so in die Bildmotive integriert werden. Die kreative Verfügungsgewalt über den digitalen Bestandteil eines QR-Kunstwerks behält dabei immer der Urheber – selbst wenn das materielle Bild verkauft ist oder sich an einem anderen Ort befindet. Dadurch ist dem Künstler einerseits das nachträgliche Ändern und Aktualisieren des digitalen Werkbestandteils möglich, andererseits bleibt das QR-Kunstwerk für den Käufer immer spannend. Für ihn lohnt es sich, von Zeit zu Zeit das Handy zur Hand zu nehmen und herauszufinden, was der Künstler ihm heute zu sagen hat.
Kunstgeschichtlich betrachtet dürfte es das erste Mal sein, dass Künstler mit ihren Käufern über ihre Werke weiter kommunizieren – wenn auch dieser Kommunikationskanal derzeit noch eine Einbahnstraße bleibt.
Frank Haase













